Rückenwind

Rückenwind

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein Ausflug ins Grüne

Dass sich hier etwas Verstörendes ereignet hat, ist dem jungen, aufgewühlt fabulierenden Mann anzusehen, der im Krankenhaus vor sich hin dämmert. Eingebettet in eine Parabel vom Fuchs und vom Hasen erzählt Regisseur Jan Krüger in Rückenwind die Geschichte eines frischen Liebespaares, das für eine kleine Weile die Berliner Urbanität verlässt und in der Naturlandschaft Brandenburgs durch die Gegend zieht. Es ist dieser in Rückblicken erscheinende, mit starken Symbolen ausgestattete Ausflug der beiden Männer, der ihre Beziehung auf signifikante Weise prägen wird.
Johann (Sebastian Schlecht) und Robin (Eric Golub) starten zu einer kleinen Reise in ländliche Gefilde. Ein wirkliches Ziel haben die beiden Verliebten nicht, Fahrräder und Zelt versprechen Unabhängigkeit und was wirklich zählt, ist das planlose Unterwegssein in einer sich auslotenden Zweisamkeit mit ganz eigener, mitunter merkwürdig anmutender erotisch-sexueller Ausprägung. So harmonisch sich die Umgebung und die Bilder des Zusammenseins auch überwiegend gestalten, haftet der Atmosphäre doch eine beunruhigende Unterschwelligkeit an, die sich vertieft, als die ersten logistischen, schwer erklärlichen Pannen auftreten: zum Zeltaufbau fehlen tragende Teile, die Fahrräder sind verschwunden und die Verpflegungssituation erweist sich als überaus karg.

Nach anfänglichen Hindernissen kehrt die Unbeschwertheit des Sommers in der Natur zurück, als Johann und Robin Unterkunft auf einem alten Bauernhof finden. Hier lebt der 16jährige Henri (Denis Alevi) mit seiner Mutter Grit (Iris Minich), die davon träumt, in der abgelegenen Idylle Gästezimmer für Touristen einzurichten. Eine wohlige Zeit erleben die Vier zusammen, Robin erprobt sich mit Grit an deren Luftgewehr, Johann versorgt mit Henri die Tiere und eine freundschaftliche Stimmung begleitet die lauen Tage. Doch eine lauernde Bedrohlichkeit schleicht sich ein, als Johann von giftigen Früchten isst und Wirklichkeit und Anschein sich zu zerfasern beginnen.

Ursprünglich als experimenteller, erotischer Essay angelegt, wie Regisseur Jan Krüger (Unterwegs, 2004) im Presseheft notiert, hat sich Rückenwind innerhalb seines Entstehungsprozesses dann doch zu einem Spielfilm mit einer überwiegend üblichen Dramaturgie entwickelt. Die Hoffnung des Filmemachers, der bereits mehrfach für seine Kurzfilme wie Verführung von Engeln und Freunde ausgezeichnet wurde, dass die erotische Komponente letztendlich erhalten geblieben sei, kann durchaus bestätigt werden: Der Film, der auf der Berlinale in der Sektion Panorama uraufgeführt wurde, weist in dieser Hinsicht durchaus ansprechende Sequenzen auf, die vor allem ein junges Publikum berühren dürften. Bei ein paar holprigen Uneinheitlichkeiten in der Inszenierung und dem ab und zu ein wenig überfrachteten Symbolismus der Geschichte mit Referenzen auf hintergründige Gleichnisse ist hier doch ein bemerkenswert stimmiger und eindringlicher Film gelungen, der nicht wenige seiner Andeutungen und Geheimnisse auch am Ende für sich behält.

Rückenwind

Dass sich hier etwas Verstörendes ereignet hat, ist dem jungen, aufgewühlt fabulierenden Mann anzusehen, der im Krankenhaus vor sich hin dämmert. Eingebettet in eine Parabel vom Fuchs und vom Hasen erzählt Regisseur Jan Krüger in Rückenwind die Geschichte eines frischen Liebespaares, das für eine kleine Weile die Berliner Urbanität verlässt und in der Naturlandschaft Brandenburgs durch die Gegend zieht.
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