Mütter & Töchter

Mütter & Töchter

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Tränenkino

Dieser Film kommt zur besten Jahreszeit auf den deutschen Home Entertainment-Markt: Die Tage werden kürzer und kälter, die Abende dafür länger und gemütlicher. Weihnachten steht auch schon fast vor der Tür, und damit auch Themen wie Liebe und Familie. Perfekt für den Start eines Films wie Mütter & Töchter, der verschiedene Mutter-Kind-Konstellationen untersucht und natürlich auch zu Tränen rührt.
Der Film von Paul Duddridge und Nigel Levy erzählt vier miteinander verwobene Geschichten, die jeweils unterschiedliche und unterschiedlich viele Mutter-Kind-Beziehungen ins Zentrum stellen. Erzählerin ist Fotografin Rigby (Selma Blair): Ihre eigene Mutter liegt seit Jahren im Krankenhaus, aber Rigby ist zu beschäftigt mit ihrer Karriere. Erst als sie sich selbst mit dem Muttersein beschäftigt, lernt sie die Beziehung zu ihr und die Rolle ihrer Mutter schätzen - und das reflektiert die Ich-Erzählerin auch in fast philosophischen Passagen. In Rigby findet der Film sein (leider etwas allzu offensichtliches) Sprachrohr: Denn eigentlich erfasst man die Essenz des Films auch durch die einzelnen Geschichten und bräuchte niemandem, der einem deren Bedeutung noch einmal erklärt. Aber gut, Mütter & Töchter ist auch ein ganz klassischer Film, der verstanden werden möchte und nicht oft genug betonen kann, wie wichtig die Mutter für einen Menschen ist.

Dann gibt es Rebecca (Christina Ricci), die eben erfahren hat, dass es sich bei ihrer Mutter eigentlich um die Oma gehandelt hat, die die Mutterrolle nur deshalb übernommen hat, um die zum Zeitpunkt der Geburt noch minderjährige Tochter zu schützen. So wird binnen Minuten die vermeintliche Schwester Beth (Courteney Cox) zur Mutter, und für Rebecca bricht die Struktur ihrer Welt zusammen. Gayle (Eva Amurri Martino) dagegen hat seit Jahren mit ihren Eltern gebrochen, weil die ihren Freund nicht akzeptiert hatten. Erst die Niederlage der Geschäftsidee des Freundes bringt Tochter und Mutter Millie (Susan Sarandon) wieder zusammen.

Layla (Alexandra Daniels) hingegen tätigt regelmäßig, aber nur pflichtschuldig Anrufe bei ihrer Mutter Nina (Sharon Stone), weil diese jedes Mal recht zickig und rechthaberisch daherkommt. Layla sucht Freundschaft und Nähe lieber bei der krebskranken Freundin, die sie dann jedoch auch einiges lehrt. Und dann ist da noch Georgina (Mira Sorvino), die nach Jahren eine E-Mail von ihrer leiblichen Tochter erhält, die sie damals zur Adoption freigegeben hatte.

Das sind alles recht eigenwillige Geschichten, die Mütter & Töchter erzählt. Aber vielleicht gerade dadurch wahren der Zuschauer und die Zuschauerin die nötige Distanz - geht es doch um intensive Gefühle wie Vertrauen, Verlorensein, "Sich geborgen fühlen"-Wollen. Mit den ungewöhnlichen Grundsituationen und Verwicklungen, welche die einzelnen Stränge nehmen, muss man sich nicht identifizieren - und doch lässt der Film Raum genug, um sich mit der Beziehung zu den eigenen Eltern auseinanderzusetzen. Denn Mütter & Töchter erzählt nicht nur von Töchtern, sondern holt auch den ein oder anderen Mann ins Boot: einen Vater, der endlich Vater sein kann, einen jugendlichen Plötzlich-Stiefvater oder auch einen Sohn, der eines Nachts entdeckt, dass er fast einen großen Fehler gemacht hätte, und daraufhin seine Mutter anruft.

Auffällig ist, dass die Figuren nur in eher seltenen Fällen persönlich miteinander reden. Die Hauptkanäle des Miteinander-Sprechens in Mütter & Töchter sind das Bildtelefon via Computer oder Handy, oder aber Mutter und Tochter tauschen sich - zum überhaupt ersten Mal in ihrem Leben - via E-Mail aus. Das ist spannend, weil vielleicht tatsächlich ein Abbild der außerfilmischen Wirklichkeit. Noch spannender allerdings ist die Frage, warum dies in einem Film wie diesem auch ins filmische Geschehen aufgenommen wird, funktioniert der Film ansonsten doch eher nach konservativ-konventionellen Mustern: Am Ende lösen sich alle Konflikte auf, sogar (Achtung, Spoiler!) die extrem zickige Adoptivmutter entwickelt sich am Ende zur einfühlsamen Mentorin. Mag der Film einfach nur 'modern' daherkommen und den Zahn der Zeit treffen, oder aber verbirgt sich dahinter auch eine Kritik?

Für den Normal-Zuschauer gilt: Ein gut eingängiger, angenehmer Film, der gerade auch über seine eigenwilligen Verwicklungen unterhält. Gut für Winterabende, vielleicht auch gut, um ihn gemeinsam mit der eigenen Mutter anzuschauen und froh zu sein, dass man doch eine ganz normale Beziehung zueinander hat, möge sie auch ihre Höhen und Tiefen haben. Sie ist trotzdem das Wichtigste der Welt, aber das sagt ja schon der Film häufig genug.

Mütter & Töchter

Dieser Film kommt zur besten Jahreszeit auf den deutschen Home Entertainment-Markt: Die Tage werden kürzer und kälter, die Abende dafür länger und gemütlicher. Weihnachten steht auch schon fast vor der Tür, und damit auch Themen wie Liebe und Familie. Perfekt für den Start eines Films wie "Mütter & Töchter", der verschiedene Mutter-Kind-Konstellationen untersucht und natürlich auch zu Tränen rührt.
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