Momo (1986)

Momo (1986)

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Eine mahnende Parabel auf die Hektik der modernen Zeiten

Sechs Jahre lang hat der deutsche Autor Michael Ende in seinem italienischen Domizil „Villa Liocorno“ unweit von Rom an einem phantastisch-humanistischen Roman geschrieben, der 1973 erschienen ist und in der ganzen Welt über sieben Millionen Mal verkauft wurde: Es handelt sich um die berühmte Geschichte der kleinen Waise Momo, die mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und 1986 unter der Regie von Johannes Schaaf und mit der Beteiligung Michael Endes am Drehbuch verfilmt wurde.

Da taucht eines Tages in einem gemächlichen italienischen Städtchen ein kleines Wesen auf, das offenbar ganz allein auf der Welt ist und sich unter Zustimmung der freundlichen Bewohner im alten, halb zerfallenen Amphitheater einquartiert: Momo (Radost Bokel), ein stilles, weise erscheinendes Mädchen, das sich rasch mit ihrer ganz besonderen Gabe, wunderbar und förderlich zuzuhören, gute Freunde im Ort erobert: Den sanftmütigen Straßenkehrer Beppo (Leopoldo Trieste), den lebhaften Fremdenführer Gigi (Bruno Stori) sowie vor allem alle Kinder.

Das Dasein der lebenslustigen Gemeinschaft verläuft in ruhigen Bahnen mit reichlich Zeit und Muße für einen entspannten Alltag, der zwar auch durch turbulente, geradezu rituelle Streitigkeiten geprägt ist, doch mit der Präsenz der kleinen Momo lösen sich diese schließlich in Wohlgefallen auf. Ihr guter Geist beseelt die Spiele der Kinder, die Träume der Erwachsenen sowie den Zusammenhalt im Ort, der das Mädchen als bezaubernden Gast beherbergt und versorgt, so dass sie dort ein liebevolles Zuhause findet.

Dann allerdings taucht mit den kühlen, mysteriösen Grauen Herren von der utilitaristischen Zeitsparkasse eine mächtige Bedrohung auf, die gewaltige Veränderungen in der idyllischen Gegend etabliert: Die Zeit für die schönen Dinge im Leben wird knapp, die Menschen streben nach emotionsloser Effektivität und die Kinder werden in strengen, disziplinierten Strukturen organisiert. Nur Momo lässt sich nicht durch die Grauen Herren korrumpieren, die sie schließlich als Störenfried ihrer düsteren Machenschaften verfolgen.

So gelangt das Mädchen – geleitet und behütet von der Schildkröte Kassiopeia – zum gütigen Meister Hora (John Huston) ins magische Reich der Weltzeit. Als sie nach einem einjährigen Schlaf in die irdische Sphäre zurückkehrt, erkennt sie ihre nunmehr permanent hektisch beschäftigten Freunde kaum mehr wieder. Auf der Flucht vor den Grauen Herren gelangt sie erneut zu Meister Hora, der nun schlichtweg die gesamte Zeit anhält und Momo mit einer Stundenblume aussendet, die Menschen vor den Zeitdieben zu retten …

Eine stille Heldin, die allein durch ihre ureigene Art Freude und Frieden verbreitet, hat Michael Ende mit Momo geschaffen. Trotz gelegentlicher dramaturgischer Schwächen und teilweise allzu gefällig stilisierter Inszenierung stellt Momo eine spannende, mit Akteuren wie Mario Adorf und Armin Mueller-Stahl hochkarätig besetzte Verfilmung der stark philosophisch orientierten Parabel auf die wachsende Hektik der modernen Zeiten dar, deren inhärente Mahnung angesichts der Entwicklungen der letzten Jahrzehnte nur noch dringlicher geworden ist.
 

Momo (1986)

Sechs Jahre lang hat der deutsche Autor Michael Ende in seinem italienischen Domizil „Villa Liocorno“ unweit von Rom an einem phantastisch-humanistischen Roman geschrieben, der 1973 erschienen ist und in der ganzen Welt über sieben Millionen Mal verkauft wurde: Es handelt sich um die berühmte Geschichte der kleinen Waise Momo, die mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und 1986 unter der Regie von Johannes Schaaf und mit der Beteiligung Michael Endes am Drehbuch verfilmt wurde.

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