Mein Asyl

Mein Asyl

Eine Filmkritik von Mike Swain

Benigni als Kindergärtner

Mit Filmen ist es ein bisschen wie mit dem Wein. Manche werden mit zunehmendem Alter immer besser, andere sollten jung genossen werden, bevor sie ihren Geschmack verlieren und schal werden. Das letztere trifft leider auf Marco Ferreris Mein Asyl zu, an dessen Drehbuch auch Hauptdarsteller Roberto Benigni maßgeblich beteiligt war.
Vor 27 Jahren, als Mein Asyl auf der Berlinale noch mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde, mag die märchenhafte, fröhlich-anarchische Sichtweise des Films Begeisterung beim Publikum ausgelöst haben. Die Rückkehr zur Natur und die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen wird unsere Probleme lösen, selbst die Stummen werden sprechen können, so postulierte Ferreri, und Benigni gab den Akkordeon spielenden Clown mit Dackelblick dazu. So stieß man in Berlin schnell auf Gegenliebe, denn just zu diesem Zeitpunkt hatte die Republik angefangen, sich für Arafat-Schals und Latzhosen zu begeistern. Die Grünen-Bewegung stand an ihrem Anfang, und zu deren Werten passte der Film wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge – oder was immer auch das pazifistische Pendant dieser Redewendung sein mag.

Voller Elan und Begeisterung tritt der Vorschullehrer Roberto (Roberto Benigni) seinen neuen Job in einem Kindergarten in einer grauen Vorstadtsiedlung von Bologna an. Kreativ und engagiert versucht er, die Kinder zu eigenständig denkenden Individuen zu erziehen. Unter seiner Ägide entwickelt sich der Kindergarten zu einem Hort der Heiterkeit und kindlichen Anarchie. Doch das Ende naht, als sich Roberto sich in Isabella (Dominique Laffin), die Mutter eines seiner Schützlinge, verliebt. Als sie schwanger wird, stellt sie ihn vor eine Entscheidung: Entweder er folgt ihr nach Sardinien oder er bleibt bei seinen Ersatzkindern. Kurz entschlossen greift sich Roberto zehn seiner kleinen Racker und folgt Isabella auf die malerische Mittelmeerinsel.

Es sind nicht so sehr die politischen und gesellschaftlichen Thesen, die Mein Asyl formuliert, die den Film als ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten erscheinen lassen, denn viele haben mit Sicherheit auch heute noch ihre absolute Richtigkeit. Es ist vielmehr die grenzlose Naivität und der zur Schau gestellte Dogmatismus, auch wenn er mit dem Mäntelchen des Humors bekleidet ist, die den Film oft wie ein politisches Lehrstück wirken lassen. Als zeithistorisches Dokument bleibt Mein Asyl sicher immer noch ein sehenswerter Streifen und auch Benigni-Fans werden voll auf ihre Kosten kommen, doch wer kein Filmhistoriker ist oder den italienischen Komiker nicht besonders schätzt, sollte einen anderen Silberling in den DVD-Spieler schieben.

Mein Asyl

Mit Filmen ist es ein bisschen wie mit dem Wein. Manche werden mit zunehmendem Alter immer besser, andere sollten jung genossen werden, bevor sie ihren Geschmack verlieren und schal werden.
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