Mazel Tov

Mazel Tov

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Vergessene Helden

Die besten Geschichten finden sich auf der Straße. Oder direkt nebenan, bei den Nachbarn, an denen wir oft genug achtlos vorübergehen. Dies ist eine Erfahrung, die die beiden Frankfurter Filmemacher Mischka Popp und Thomas Bergmann im Laufe ihrer Recherchen für ihren Film Mazel Tov sicherlich oft genug gemacht haben. Ihr Film widmet sich den jüdischen Veteranen der Roten Armee, die im Zweiten Weltkrieg gegen die Deutschen gekämpft haben. Nach der Öffnung des Ostblocks sind viele von ihnen nach Deutschland ausgewandert und so auf diesem Weg in Frankfurt am Main gelandet. Da waren sie nun: gestrandet, oftmals der deutschen Sprache nicht mächtig, voller Geschichten und Erlebnisse, die niemanden interessierten und die keiner hören wollte. Denn als russischen Juden erinnern sie nicht nur an das Grauen des Holocaust, sondern auch an das Leid der russischen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg, die unter allen beteiligten Nationen des Krieges den höchsten Blutzoll zahlte.
Alljährlich am 9. Mai wird in der Jüdischen Gemeinde der Tag der Befreiung gefeiert, der an das Ende des Zweiten Weltkrieges und der Schreckensherrschaft des Nazis erinnert. Zu diesem Anlass erfahren die jüdischen Veteranen der Roten Armee eine Ehrung – jeder der ehemaligen Kämpfer wird namentlich aufgerufen und bekommt anstatt der vielen Orden, die sie zu diesem Anlass stolz präsentieren, eine schlichte rote Rose als Zeichen der Wertschätzung überreicht. Es ist eine Geste voller Schlichtheit, die erlittenes Unrecht zwar nicht vergessen machen kann, aber immerhin ein wenig mildern kann.

Denn dass sie vergessen wurden, daran haben sich die jüdischen Veteranen in der Nachkriegszeit beinahe gewöhnt; auch in ihrer Heimat erging es ihnen nicht viel anders. Während andere Kämpfer geehrt wurden, erfuhren viele von ihnen im Lauf der Zeit, dass ihr Beitrag zum „Großen Vaterländischen Krieg“ nach einigen Jahren systematisch verschwiegen und klein geredet wurde – einfach auf Grund ihres Judentums.

In ihrem Film Mazel Tov haben Mischka Popp und Thomas Bergmann genau hingehört und hingesehen und dabei ein wunderbares Panorama an Geschichten und Menschen zutage gefördert, die vieles gesehen und erlebt haben und die noch im hohen Alter den Schritt in eine neue Welt gewagt haben, die manchem von ihnen bis heute fremd geblieben ist. Dennoch: Der Lebensmut der alten Männer und ihr zum Teil ungebrochener Optimismus trotz ihres Schicksals sind wahrlich beispielhaft – wir sollten uns eine Scheibe davon abschneiden, wenn wir wieder einmal zu klagen beginnen.

Mazel Tov

Die besten Geschichten finden sich auf der Straße. Oder direkt nebenan, bei den Nachbarn, an denen wir oft genug achtlos vorübergehen. Dies ist eine Erfahrung, die die beiden Frankfurter Filmemacher Mischka Popp und Thomas Bergmann im Laufe ihrer Recherchen für ihren Film „Mazel Tov“ sicherlich oft genug gemacht haben.
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