Maggie

Maggie

Eine Filmkritik von Gregor Ries

Arnie goes Zombie-Arthouse

Bei Maggie handelt es sich im Grunde um Arnold Schwarzeneggers ersten Arthouse-Film, obwohl die Thematik einer Zombieinvasion durch ein rasch sich verbreitendes Virus andere Assoziationen weckt. Die Besetzung mit dem Actionstar, der nach seiner Zeit als "Gouvernator" in rascher Folge eine (zumeist erfolglose) Produktion nach der anderen dreht, gehört zu den konzeptionellen Problemen des Horrorstoffes. Bei Henry Hobsons Debüt handelt es sich um ein entschleunigtes Vater-Tochter-Psychodrama über Zusammenhalt sowie den Umgang mit Loslassen, Verlust, Enttäuschung und Trauer. Ursprünglich war neben Ellen Fanning als Maggie noch Paddy Considine als Vater vorgesehen, der keinen so zugkräftigen Namen besitzt wie der auch als Co-Produzent beteiligte Schwarzenegger.
Überzeugend konzentriert sich Hobson auf die Zeichnung eines urbanen Amerikas, das zunehmend außer Fugen gerät. Im Farmland kennt jeder jeden, was es nur umso bedrückender erscheinen lässt, wenn man die Attacken einer vertrauten Person mit Gewalt abwehren muss. Während immer mehr Menschen zu reißenden Bestien mutieren, wird die infizierte Maggie (Abigail Breslin) aus der Obhut eines Krankenhauses zu ihren Vater Wade Vogel (Arnold Schwarzenegger) und ihrer Stiefmutter Caroline (Joely Richardson) entlassen.

Innerhalb einer Woche wird sie sich zu einer reißenden Bestie verwandeln. Der ruhige Wade denkt nicht daran, seine geliebte Tochter in ein Quarantänelager zu schicken. Während dem pubertierende Mädchen die drastischen Veränderungen am eigenen Körper allzu deutlich spürbar werden, zeigen sich ihre Eltern uneinig über den geeigneten Umgang mit ihrer Transformation. Caroline plant, ihre kleinen Kinder in Sicherheit zu bringen, während Maggie nicht an der Seite ihres Ex-Freundes bleiben darf.

Maggie ist eine stille, dialogarme Studie über Entscheidungen im Extremfall. In dunklen, farbentsättigten Bildern liefert Hobson eine Chronik des langsamen Zerbrechen von Freundschaften und Familienbanden. Dabei schwingt der übersinnliche Aspekt einer umgreifenden, unaufhaltsamen Epidemie lediglich als schwellende Gefahr im Hintergrund mit. Ebenso könnte sich Maggie auf jede andere verheerende Krankheit fokussieren, die einen geliebten Menschen langsam zum Aussätzigen macht. In solch einer Extremsituation stellt sich die Frage nach der wahren Bedeutung von Zusammenhalt und Vertrauen. Für den Vater steht es außer Frage, dass er bis zur letzten Konsequenz zu seiner Tochter hält und sie trotz des Wissens um ihren verlöschenden menschlichen Willen nicht verlassen kann.

Mitunter hätte man sich trotz seiner physischen Präsenz doch einen anderen Darsteller gewünscht als die "steirische Eiche". Schon in dem verunglückten Serienkillerdrama Sabotage versuchte Schwarzenegger vergeblich, Wut, Hass und Verbitterung zu beschreiben. In Maggie hält er sich glücklicherweise zurück, doch gegen Ende gerät er dann doch an die Grenzen seiner emotionalen Möglichkeiten. Abigail Breslin (Zombieland) vermag dagegen mit nuanciert-reduziertem Spiel zu kontern. Andererseits muss man Schwarzeneggers Entscheidung anerkennen, neue Wege zu beschreiten und dem vertrauten Image (gelegentlich) den Rücken zu kehren.

Konsequent setzt Hobsons Indiedrama auf einen melancholischen Tonfall, der jeden Gedanken an eine Actiondramaturgie ignoriert. Bewusst lässt er die Gewalt meistens im Off geschehen. Diese Entscheidung erscheint konsequent, doch Arnie-Fans dürfte das ruhige Psychogramm trotz überzeugender Spezialeffekte letztlich zu wenig begeistern.

Maggie

Bei "Maggie" handelt es sich im Grunde um Arnold Schwarzeneggers ersten Arthouse-Film, obwohl die Thematik einer Zombieinvasion durch ein rasch sich verbreitendes Virus andere Assoziationen weckt. Die Besetzung mit dem Actionstar, der nach seiner Zeit als "Gouvernator" in rascher Folge eine (zumeist erfolglose) Produktion nach der anderen dreht, gehört zu den konzeptionellen Problemen des Horrorstoffes.
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