L.A. without a Map

L.A. without a Map

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Donnerstag, den 20.12.2007, 3sat, 22:25 Uhr

Wie man ein Ereignis inszeniert und die oft schnöde und grausame Realität ein wenig schönt, damit kennt Richard sich als Bestattungsunternehmer in einem kleinen schottischen Dorf bestens aus. Und vielleicht ist es deshalb nur folgerichtig, dass sich der Filmfan mitten auf dem Friedhof Hals über Kopf in die angehende Filmschauspielerin Barbara (Vinessa Shaw) verliebt. Buchstäblich planlos lässt Richard alles hinter sich und reist seiner Flamme hinterher nach L.A., ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, wo Barbara wohnt und wie er sie wieder finden soll. Als er sie dann doch endlich auftreibt, ist Barbara zuerst genervt, dann erstaunt und schließlich entzückt ob der Anhänglichkeit ihres Verehrers. Trotzdem: Die kellnernde Aktrice steckt selbst noch in einer Beziehung zu ihrem Freund Patterson (Cameron Bancroft), und den will sie nicht so einfach sausen lassen – immerhin verfügt der über gute Beziehungen zur Filmbranche. Zum Glück für Richard gibt es noch seinen megacoolen Freund Moss (Vincent Gallo) und Johnny Depp im Kostüm von Dead Man, der als weiser Ratgeber immer wieder die ein oder andere Erkenntnis einzustreuen vermag, wenn Richard mal wieder nicht mehr weiter weiß. Doch der Weg zum Liebesglück mit Barbara erweist sich als enorm schwierig, und selbst als die beiden in einer Hochzeitskapelle in Las Vegas landen, ist dies nur eine weitere Etappe auf dem Weg zur großen Liebe…
Schrill, versponnen, voller merkwürdiger Menschen und angetrieben von den Träumen derer, die es noch nicht geschafft haben – so präsentiert der finnische Regisseur Mika Kaurismäki, der ältere Bruder des etwas bekannteren Aki, die Filmmetropole Los Angeles in seiner coolen und ziemlich lustigen Liebeskomödie L.A. without a Map. Neben Johnny Depp als abgefahrenem Orakel sind außerdem noch Independent-Ikonen wie Julie Delpy (2 Tage Paris) und der New Hollywood-Regisseur Monte Hellman (Two-Lane Blacktop, 1971) in kleinen Gastrollen zu bewundern. Ein sehr europäischer und reichlich sarkastisch-romantischer Blick auf die Stadt der Träume und die amerikanische Filmindustrie.

L.A. without a Map

Wie man ein Ereignis inszeniert und die oft schnöde und grausame Realität ein wenig schönt, damit kennt Richard sich als Bestattungsunternehmer in einem kleinen schottischen Dorf bestens aus.
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