La Terra

La Terra

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Das Territorium der Vergangenheit

Filme, die von einer Rückkehr in die Heimat und zur Familie handeln, sind beinahe schon eine Gattung für sich. Da kehrt ein Protagonist, der sich längst ein ganz eigenes Leben Anderswo aufgebaut hat, zurück an den Ort seiner Kindheit, begegnet den Menschen wieder, mit denen ihn einst so viel verband, und sieht sich der ambivalenten Wucht von Erstarrungen und Veränderungen gleichermaßen ausgesetzt. In dem Film La Terra des italienischen Schauspielers, Drehbuchautors und Regisseurs Sergio Rubini von 2006 wird die Geschichte einer solchen Rückkehr in ein Milieu von Intrigen und Kriminalität eingebettet, in dem sich alte und neue Rivalitäten und Machtkämpfe dramatisch zuspitzen. Der Schauplatz der Geschichte ist Apulien, dessen Landschaft und Landsleute die Stimmung des Dramas um Identitäten und Loyalitäten auf sehr authentische Weise prägen, was nicht verwunderlich ist, da Sergio Rubini selbst aus dieser Region Italiens stammt.
Der Philosophieprofessor Luigi Di Santo (Fabrizio Bentivoglio) führt in Mailand ein Leben als angesehener Intellektueller. Der Gedanke, nun zur Veräußerung des Familiensitzes für eine kleine Weile in das apulische Dorf Mesagne zurückzukehren, wo er aufgewachsen ist, bereitet Luigi einiges Unbehagen. Doch das notwendige Dokument benötigt nun mal die Unterschriften aller vier Brüder Di Santo, von denen drei in der Heimatregion verblieben sind. Angekommen in Mesagne enthüllt sich Luigi allmählich die mafiöse Struktur des Dorfes, die von dem grobschlächtigen Gangster Tonino (Sergio Rubini) beherrscht wird, in dessen üble Machenschaften wohl auch seine Brüder verstrickt sind. Und auch der Professor selbst hütet ein dunkles Familiengeheimnis, das er seit Jahren aus seinem Bewusstsein zu verdrängen bemüht ist …

Wenn auf intensive Weise filmisch das Fass Familie geöffnet wird, muss in der Regel mit schweren emotionalen Explosionen gerechnet werden. So auch bei La Terra, der beim Flaiano Filmfestival für den Besten Schnitt von Giogiò Franchini sowie beim Internationalen Filmfestival Shanghai mit dem Golden Goblet für die Beste Kamera von Fabio Cianchetti ausgezeichnet wurde und in mehreren Kategorien für den italienischen Filmpreis David di Donatello nominiert war. Hier tobt in dichter Folge ein ganzes Universum an Verstrickungen und ihren Folgen, das sich dem Zuschauer ebenso wie dem Heimkehrer Luigi in spannender Inszenierung mit wachsender Komplexität und oftmals bei aller Tragik deftigem Humor offenbart. Auch wenn die Charaktere bei Zeiten allzu überzeichnet erscheinen und die Fülle der Wendungen die Entwicklungen mitunter überrollt, ist Sergio Rubini, dem die Rolle des Paten Tonino recht gut zu Gesicht steht, ein bemerkenswert dichter Milieu-Film gelungen, dessen tiefere Reflexionen über eine verdrängte Vergangenheit und die fesselnde Macht von Familienstrukturen sich sehr ansprechend gestalten. La Terra wird hierzulande in den Kinos im italienischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.

La Terra

Filme, die von einer Rückkehr in die Heimat und zur Familie handeln, sind beinahe schon eine Gattung für sich. Da kehrt ein Protagonist, der sich längst ein ganz eigenes Leben Anderswo aufgebaut hat, zurück an den Ort seiner Kindheit, begegnet den Menschen wieder, mit denen ihn einst so viel verband, und sieht sich der ambivalenten Wucht von Erstarrungen und Veränderungen gleichermaßen ausgesetzt.
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