Happy Metal - All We Need Is Love

Happy Metal - All We Need Is Love

Eine Filmkritik von Martin Beck

Stadionrock im Herzen

Eine Black-Metal-Band in Not, vier ehemals beste Freunde zwischen Resignation, leeren Konzertkneipen und irritierten Mitmenschen. Was ist, wenn inbrünstiges Gegrowle an der 40-Jahre-Marke kratzt und die Zwänge des "normalen" Lebens umgedrehte Kreuze und weiße Schminke nochmal bizarrer erscheinen lassen? Eigentlich sind die "Dead MaKabés", so der Name der Kapelle, schon lange am Ende, doch dann tut sich auf einmal ein Silberstreifen auf: eine Einladung zu einem Metal-Großereignis namens Hellfest!
Happy Metal ist eine schwungvolle Komödie, die Black Metal quasi menschlich macht und dafür eine knirschende Mischung aus "fish out of water"-Gags, Anleihen bei Blues Brothers, This is Spinal Tap und Fubar, und typischer französischer Mainstream-Redseligkeit auftischt. Dass Ziemlich beste Freunde und Der Nächste, bitte! vorne auf dem Cover prangen dürfen, ist ein paar Produzenten geschuldet, die zumindest so viel Einfluss hatten, dass hier alles hübsch im Rahmen bleibt. Die subversiven Möglichkeiten eines solchen "culture clashs" verlieren sich in einem konstruierten bis bekannten Plot und der grundlegenden Sichtweise "von außen".

Was an sich gar nicht so schlimm ist, aber halt die genannten filmischen Anleihen in weite Ferne schiebt. Am ehesten nähert sich Happy Metal noch Blues Brothers, minus allerdings der kultigen Aura, und im Vergleich zu This is Spinal Tap und Fubar fehlt hier der ungeschminkte Distanzverlust. Black Metal vor der Kamera und Stadionrock hinter der Kamera. Die düsteren Kutten sind kaum mehr als ein triftiger "fish out of water"-Anlass, gelungene Gags, wie zum Beispiel ein nächtlicher Unfall geradewegs aus dem Horrorlexikon, mühen sich gegen fromme "nicht vom ersten Eindruck täuschen lassen"-Botschaften.

Happy Metal richtet sich tatsächlich an das Ziemlich beste Freunde-Publikum und bietet nette, unverbindliche Unterhaltung, die kaum wirklich stört und trotzdem in Frankreich ein ziemlicher Flop war. Für die Metal-Fraktion ist das alles viel zu brav und für die Gelegenheits-Kinogänger zumindest etwas komisch. Anzurechnen wäre dem Film, dass er nicht in eine "gross out"-Klamotte abgleitet, doch ansonsten läuft leider alles nach Schema F – inklusive böse dreinblickender Freundinnen, einer nervigen Schieflage Richtung Seifenoper-Dramatik und den in französischen Filmen anscheinend unvermeidlichen Trottel-Polizisten.

Happy Metal ist "high concept" zwischen Multiplex und Satansbeschwörung. Finde den Fehler und justiere die Erwartungen. Die Blu-Ray von Sunfilm hat eine überraschend gute Synchro vorzuweisen, genauso wie exzellente Bild- und Tonqualität. Dass sämtliche Extras der französischen Veröffentlichung abwesend sind, darf (mal wieder) als Ärgernis verbucht werden.

Happy Metal - All We Need Is Love

Eine Black-Metal-Band in Not, vier ehemals beste Freunde zwischen Resignation, leeren Konzertkneipen und irritierten Mitmenschen. Was ist, wenn inbrünstiges Gegrowle an der 40-Jahre-Marke kratzt und die Zwänge des "normalen" Lebens umgedrehte Kreuze und weiße Schminke nochmal bizarrer erscheinen lassen?
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