Die Monster Uni

Die Monster Uni

Eine Filmkritik von Sophie Charlotte Rieger

Erschrecken will gelernt sein

Manchmal lohnt es sich, länger auf eine Fortsetzung zu warten. Zwölf Jahre hat es gedauert bis die so gar nicht gruseligen Monster Mike und Sullivan wieder über die Leinwand hüpfen und Kinderherzen – nicht vor Angst – eher vor Freude höher schlagen lassen. Die Zeit zwischen Monster AG und Die Monster Uni hat Pixar nicht nur genutzt, um sich mit Disney zusammenzuschließen, sondern auch um Ideen für eine Weiterführung der Geschichte zu entwickeln. Und so ist Die Monster Uni kein lauwarmer Aufguss derselben Story, sondern ein durchaus originelles Prequel, dass uns erzählt, wie Mike und Sullivan zu den Meistererschreckern geworden sind, die wir im ersten Film kennengelernt haben.
Der kleine Mike hat es in der Schule nicht leicht. Immerzu wird er von den anderen gehänselt und auch sein Plan, einmal bei der Monster AG zu arbeiten, sorgt eher für Amüsement. Als er es aufgrund seines Ehrgeizes tatsächlich an die Monster Universität schafft, werden diese Sorgen nicht weniger, denn auch dort gehört Mike schnell zu den uncoolen Nerds, denen niemand zutraut, wahrhaft gruselig zu sein. Vor allem nicht der arrogante Sullivan, der aus einer berüchtigten Erschreckerfamilie stammt und sich auf diesen Lorbeeren genüsslich ausruht. Der Konflikt ist vorprogrammiert und als Mike und Sullivan schließlich aneinander geraten, führt das für beide zum Rauswurf aus dem Studiengang. Doch Mike gibt nicht auf. Um zu zeigen, was er kann und alle eines Besseren zu belehren, meldet er sich bei den Schreckspielen an. Als seinem Team ein Mitglied fehlt, müssen Mike und Sullivan entscheiden, ob sie trotz aller Streitigkeiten, am selben Strang ziehen können.

Die Monster Uni ist ein ziemlich pädagogischer Film, was nicht unbedingt etwas Negatives ist, in diesem Fall jedoch sehr gewollt wirkt. Der kleine Mike steckt sich ein hohes Ziel, dessen Erreichen ihm niemand zutraut. Und auch seine Teamkollegen aus der Verbindung, die ausgerechnet „OK“ abgekürzt wird („Wir sind OK“), scheinen auf den ersten Blick nicht das Zeug zu gruseligen Erschreckern zu haben. Doch die Moral der Geschichte ist, dass jeder etwas Besonderes und in der Lage ist, mit seinen individuellen Fähigkeiten jedes Ziel zu erreichen, egal wie unrealistisch dies zu sein scheint. Dabei wird immer wieder betont, dass Erfolg nur als solcher zu bezeichnen ist, wenn er mit fairen Mitteln errungen wurde. Arroganz, wie sie Sullivan und andere coolere Studenten an den Tag legen, wird selbstverständlich verurteilt. Das ist alles schön und gut, richtig und wichtig, aber eben manchmal etwas überdeutlich. Zumindest das erwachsene Publikum verliert in Anbetracht des fuchtelnden pädagogischen Zaunpfahls bald den Spaß an der im Grunde unterhaltsamen Geschichte.

Der Humor von Die Monster Uni funktioniert immer dann am besten, wenn auf platten Slapstick verzichtet wird und die Zuschauer sich an den verschrobenen Charakteren erfreuen können. Neben Mikes Mitstreitern aus der OK-Verbindung sind es vor allem Randfiguren, die amüsieren. Insgesamt wirkt Die Monster Uni jedoch in Hinblick auf die Charaktere wie auch die Gestaltung des Monster-Universums weniger kreativ als der Vorgänger. War Monster AG noch ein detailverliebtes Spektakel, erscheinen die Settings im Prequel etwas uninspiriert und können einfach nicht mit der Pracht aktueller Hits wie z.B. Die Croods mithalten. Dass der 3D-Effekt zurückhaltend eingesetzt wird, ist hingegen durchaus positiv zu sehen, denn so ein zähnefletschendes Monster kann – buntes Fell hin oder her – schon mal recht gruselig wirken. Vielleicht ist es also ganz gut, dass es dem jungen Publikum nicht mitten ins Gesicht springt.

Die Schreckspiele bilden eine schöne und vor allem klare narrative Struktur, an der sich die Geschichte entlang hangeln kann. Mike, Sullivan und ihre Freunde müssen erst zu einer Gruppe zusammenwachsen, bevor sie die lustigen Herausforderungen meistern können, um durch einen Sieg wieder in das prestigeträchtige Studium aufgenommen zu werden. Leider löst sich der Plot am Ende von dieser klassischen Storyline und dreht unnötige Schleifen, was den Film – insbesondere in Anbetracht des jungen Zielpublikums – zu stark in die Länge zieht.

Die Monster Uni kann nicht an den generationenübergreifenden Witz des Vorgängers anknüpfen, hält aber für Kinder wie auch ihre Eltern einige Lacher parat und bietet somit immerhin solide Familienunterhaltung.

Die Monster Uni

Manchmal lohnt es sich, länger auf eine Fortsetzung zu warten. Zwölf Jahre hat es gedauert bis die so gar nicht gruseligen Monster Mike und Sullivan wieder über die Leinwand hüpfen und Kinderherzen – nicht vor Angst – eher vor Freude höher schlagen lassen. Die Zeit zwischen „Monster AG“ und „Die Monster Uni“ hat Pixar nicht nur genutzt, um sich mit Disney zusammenzuschließen, sondern auch um Ideen für eine Weiterführung der Geschichte zu entwickeln.
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