Die Geldwäscherei (2019)

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Geldwäsche, Off-Shore-Firmen, Panama Papers — um all das kümmert sich Steven Soderbergh in „Die Geldwäscherei“ und erklärt kurzweilig aber jovial wie man am besten Geldwäsche betreibt, die so gut wie legal ist.

Die Geldwäscherei (2019)

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Panama Papers für Arme und Dumme

Es ist ein ganz schönes Hoch und Runter mit Steven Soderbergh. Ließ Unsane — Augeliefert doch zu wünschen übrig, was sein nächster Film High Flying Bird wiederum mit Bravour einlöste. Und nun „Die Geldwäscherei“, wie „High Flying Bird“ wieder für Netflix produziert, wo man ihm viel Spielraum lässt.

Die Geldwäscherei erzählt mit Hilfe zweier äußerst unzuverlässiger Erzähler ein paar episodische Geschichten rund um die Panama Papers. Durch die Geschichten führen Ramón Fonseca (Antonio Banderas) und Jürgen Mossack (Gary Oldman mit einem pseudo-deutschen Akzent), die beiden Eigentümer der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack-Fonseca, deren Daten-Leak der ausschlaggebende Punkt der Panama Papers war. Dementsprechend gefärbt sind natürlich ihre Aussagen im Laufe des Filmes, in dem sie sich mal augenzwinkernd, mal zynisch aus der Verantwortung ziehen wollen, denn technisch gesehen haben sie nichts Illegales getan. Und was ihre Kunden so machen und woher das Geld eigentlich kommt, für das sie in großem Stil Briefkastenfirmen angelegt haben, das wissen sie ja schließlich nicht. 

Damit setzt der Film also von Anfang an auf einen zynischen Ton, der oftmals furchtbar jovial daher kommt — und das nicht nur ob der Erzähler. Nein, der gesamte Film hat eine Attitüde von „Papa Soderbergh erklärt die Welt“, besser gesagt die Panama Papers, auf süffisante Weise und auch so, dass die Dummen es verstehen. Und die Dummen sitzen für ihn eindeutig im Publikum. Nichts dagegen komplizierte Sachverhalte vereinfacht darzustellen, doch der Ton macht die Musik, da kann auch die kongeniale Meryl Streep nichts reißen, die das Herz des Filmes ist.

Ihre Figur, Ellen Martin (Meryl Streep) ist zunächst einfach eine Frau mittleren Alters aus den USA, die mit ihrem Mann zu den Niagara Fällen fährt, um ihren 40. Hochzeitstag zu feiern. Dort machen beide mit Freunden eine Bootstour, doch das Schiff kentert und ihr Mann stirbt. Der Kapitän und sein Schiff wiederum sind versichert für solche Fälle, denken sie, doch ihre Versicherung wurde refinanziert und wiederverkauft und durch ein ganzes System geschleust, an dessen Ende ein Mann sitzt, der einfach nur Firmen in seinem Namen unterschreibt, weil er auf einer kleinen Insel in der Karibik lebt, deren Steuergesetze von Vorteil sind. Er, der kleine Fisch, wird alsbald erwischt von den amerikanischen Steuerbehörden, doch das nutzt Ellen nichts. Die Kompensation für ihren toten Mann, so man einen Menschen überhaupt mit Geld kompensieren könnte, ist klein. In Las Vegas will sie sich deshalb mit dem Geld aus seiner Lebensversicherung ein Apartment kaufen, aus dem heraus sie die Straßenecke sehen kann, wo die beiden sich das erste Mal sahen. 

Doch daraus wird nichts, zwei reiche Russen kaufen es ihr vor der Nase weg. In bar. All diese und noch eine Handvoll anderer kleiner Geschichten nutzt der Film, um Stück für Stück zu erklären, wie man ordentlich Geld mit Offshore-Firmen wäscht, die den kleinen Mann und die kleine Frau ordentlich ausnehmen und verrecken lassen. Alle Geschichten führen dabei nach und nach dichter an die Erzähler heran: Mossack & Fonseca, die Anwälte, die all diese Geldwäschereien erst möglich und legal gemacht haben.

Ellens Leid soll den Zynismus der Advokaten konterkarieren, sie soll stellvertretend sein für all die Menschen, die nicht nur Geld verlieren, sondern leiden unter den Konsequenzen dieser Geldwäscherei. Doch das gelingt nicht. Ellen ist und bleibt einfach nur die Dumme, die Anwälte die grinsenden Gewinner und auf aller Erklärerei liegt, eben vor allem, weil sie nicht als Drama sondern eher komödiantisch angelegt ist, ein großes Haha an all die Dummen und Armen, die ihre Gelder eben nicht in Firmen im Ausland schleusen, um nie auch nur einen Cent Steuern dafür zu zahlen.

Da hilft auch nicht, dass die eigentliche Intention des Filmes die ist, noch einmal darauf hinzuweisen, was für Schweinereien da eigentlich abgehen, an denen die Panama Paper Leaks auch nichts verändert haben. Diese Dimension ginge fast gänzlich verloren, würde sie am Ende des Filmes nicht noch einmal passioniert vorgetragen werden.

Die Geldwäscherei (2019)

„The Laundromat“ folgt einer Gruppe von Journalisten, die mehr als 11,5 Mio. Dokumente veröffentliche, in denen mächtige Politiker, Wirtschaftslenker und Prominente mit geheimen Bankkonten in Verbindung gebracht werden, mit deren Hilfe sie massiv und systematisch Steuern hinterziehen.

 

 

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Meinungen
Vittorio · 25.10.2019

Nichts für ungut: Vielleicht hab ich den Film ja falsch verstanden, aber ich habe es keineswegs so empfunden, dass die Intention von Soderbergh gewesen sein soll zu zeigen dass die Dummen im Publikum sitzen. Sondern vielmehr übt der Film doch Kritik am entfesselten neoliberalen Kapitalismus, und das sehr effektiv! Stimme meinem Vorredner also zu.

Ich finde den Film absolut genial!

Münchnerin · 17.10.2019

Schade, dass die Kritikerin den Film offenbar nicht wirklich gesehen und seine Aussage gründlich missverstanden hat. Nur eine, aber eine wesentliche Kleinigkeit: die Wohnung wollte Ellen kaufen, BEVOR sie erfuhr, dass die sog. Entschädigungssumme wesentlich kleiner ausfällt als erwartet. Die von ihrem Anwalt ersatzweise vorgeschlagene Traumreise führt sie nach Nevis. Ellen will die betrügerische Versicherung finden und recherchiert genau die Indizien, die (zufällig?) zu Boncasts Verhaftung führen. Die Journalistin in Ellens Heimatstadt interessiert sich nicht für Ellens brisante Informationen, bringt Ellen aber auf die Idee, es in Panama zu versuchen... Am Ende des Films entledigt sich Meryl Streep ihrer beiden (!) Filmmasken und steht als sie selbst vor den Kinozuschauern. Stark!

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