Der Rote Baron

Der Rote Baron

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Zwischen Größenwahn und Bodenhaftung

„Ich will doch nur spielen“ – so könnte man die Lebenseinstellung eines der größten Helden der deutschen Luftwaffe umreißen. Aber das Spiel ist ein Kriegs-Spiel. Und das macht aus dem Geschichtsdrama um das Flieger-Ass Baron Manfred Freiherr von Richthofen einen wuchtigen Film zwischen Größenwahn und Bruchlandung.
Nichts gegen das Spielen. Vor allem nicht im Kino, wo das Probehandeln per Identifikation mit dem Helden ja Programm ist. Und wo es den größten Teil des Vergnügens ausmacht, dass alles am Ende ohne reale Konsequenzen bleibt. Die Filmfigur des Manfred von Richthofen, genannt der „rote Baron“ wegen seiner rot angestrichenen Maschine, möchte etwas Ähnliches: Krieg führen als eine Art Sport, als fairen Wettstreit unter Gegnern nach humanen Regeln, ohne sinnloses, hasserfülltes, mörderisches Abschlachten. „Unser Ziel ist es Flieger abzuschießen, keine Piloten“, trichtert der „Baron“ seinen Schützlingen ein. Ob die reale Person wirklich so naiv war, mag man bezweifeln. Aber eine hervorragende Figur für großes Kino gibt so einer allemal ab: die Geschichte von einem, der auszog, seine Jungenhaftigkeit dem realen Leben auszusetzen. Schließlich ist der publikumswirksame Film eine der aufwendigsten und teuersten deutschen Produktionen.

Es geht um die letzten beiden Jahre des Ersten Weltkriegs. Manfred von Richthofen (Matthias Schweighöfer) ist mit nur 24 Jahren das größte Talent der deutschen Luftwaffe. Mit jedem Abschuss wächst sein Ruhm. Er wird überhäuft mit Orden, eilt von Beförderung zu Beförderung. Die Truppe braucht einen wie ihn, einen „Gott“, der die Moral stärkt und den Nimbus der Unbesiegbarkeit verbreitet. Der „Baron“ kann es sich deshalb leisten, sogar dem Kaiser zu widersprechen. Immer wollte er der Beste sein, nun scheint er es geschafft zu haben. Nur die realitätstüchtige Krankenschwester Käte (Lena Headey), seine ebenso schwierige wie herzzerreißende Liebe, stutzt dem Herren der Lüfte die Flügel.

Den Krieg am Himmel der Jahre 1916 bis 1918 kann man nicht vergleichen mit dem scheinbar anonymen, weitgehend automatisierten Hightech-Bombenterror der beiden Irak-Kriege. Die Doppel- und Dreidecker des Ersten Weltkriegs sind offen, den Piloten weht der Wind um die Ohren. Es ist ein Kampf Mann gegen Mann, bei dem es nicht darum geht, Bomben abzuwerfen, sondern die gegnerischen Maschinen mit Gewehrfeuer vom Himmel zu holen. Geschossen wird erst, wenn man 50 Meter am anderen dran ist, so lehrt es Richthofen seinen jungen Leuten.

Dementsprechend sehen die Kampfszenen in Der Rote Baron zeitweilig aus wie Autorennen in der Luft. Den nachgebauten Maschinen ohne Motor, die per Computeranimation fliegen „lernten“, sieht man zwar den künstlichen Ursprung ihrer Bewegungen nicht an. Doch sie sind in anderer Weise unrealistisch. Regisseur Nikolai Müllerschön hat sie ganz aus der Innenperspektive von Richthofens drehen lassen. So erscheinen sie wie ein (Computer)Spiel: Flugzeuge in choreographiert anmutenden Formationen, ständiges Auf und Ab, wundersame Loopings und Sturzflüge, alles leicht und frei wie ein Vogel auf der Jagd. „Hat Spaß gemacht“, sagt Richthofen einmal zu seinem Kumpel Werner Voss (Til Schweiger). Da steigen die beiden ein wenig abgekämpft aus ihren Maschinen und sehen aus, als kämen sie von einem Fußballmatch. Redlich müde, ein bisschen verschmiert, aber glücklich, sich einmal wieder so richtig ausgetobt zu haben.

Verstehen kann man diese abgehobene, realitätsferne Haltung eigentlich nur vor dem aristokratischen Familienhintergrund dieser Piloten. Sie stammen aus den edelsten Häusern, sind wohlerzogene Gentlemen, gebildet, mit besten Manieren und scharfem Verstand. Aber ihre Perspektive ist am Ende doch nur das Militär. So parliert Richthofen mit dem gegnerischen Flieger Roy Brown (Joseph Fiennes) auf dem Schlachtfeld wie in einem englischen Klub: geistreich, ironisch, lässig. Zwei vornehme Menschen, die aus ihrer Zeit gefallen scheinen, einer Klasse angehörend, deren Zeit am Ende des Kaiserreichs unwiderruflich abgelaufen ist.

Auch die schöne Käte ist nicht auf den Mund gefallen. Aber sie schwebt als Lazarettschwester nicht in den Wolken, sondern steht mit beiden Beinen auf dem blutigen Boden des Grauens. Käte Otersdorf – auch sie eine historische Figur – öffnet dem Filmhelden die Augen und lässt ihn zum Kriegsgegner werden. Von dem historischen Richthofen lässt sich das nicht behaupten. Aber Pazifismus hin oder her – entscheidend ist in der Logik des Films etwas anderes: dass der Überflieger Bodenhaftung gewinnt und der Realität ins Auge sieht. Und die ist in den letzten Kriegsmonaten alles andere als ein Spiel.

Der Rote Baron

„Ich will doch nur spielen“ – so könnte man die Lebenseinstellung eines der größten Helden der deutschen Luftwaffe umreißen. Aber das Spiel ist ein Kriegs-Spiel.
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Meinungen
michael · 09.06.2008

Wo kann man diesen Film denn noch sehen???

hauser · 01.06.2008

Der Film ist ja schon nicht mehr in den Kinos. Kein Wunder.

Hansi · 30.05.2008

feini feini der tolle film

· 25.05.2008

Wirklich sehr gut und authentisch...ein echt klasse film

S. · 30.04.2008

Nicht so doll. Hatte bei den Schauspielern mehr erwartet. Das Ganze wirkt wenig glaubhaft.

Sascha · 21.04.2008

Einfach geil!

N. Shawn · 19.04.2008

Habe besseres erwartet

HuiBuh · 19.04.2008

Ich war letztes im Film und muss echt sagen, dass ich total begeistert war. Die ganzen Kritiker kann ich echt nicht verstehen

· 17.04.2008

Dieser Film ist mit einer der besten von deutschen gedreht und gespielten Filme die ich gesehen habe

jens immenhofer · 16.04.2008

ersparen sie sich diesen film! "die Welle" ist auf jeden fall sehenswerter.

habermann · 15.04.2008

es ist beispiellos wie diffamierend die kritik mit "dem roten baron" umgegangen ist. am film kann es nicht liegen, denn der ist unterhaltend. zumindest ging es mir und den anderen besuchern so.

übrigens bin ich historiker und was dem film angelastet wird ist haltlos! leider ist das ist häufig so wenn sich halbwissen verbreitet.

Ellen Darius · 15.04.2008

Kein empfehlenswerter Film! Ich sass 2 Stunden lang gelangweilt im Kino. Fim ist voellig unglaubwuerdig und teilweise einfach nur peinlich.

Isabell von Ohlshausen · 15.04.2008

Der Film zeigt sehr beeindruckende Flugbilder, das Kostüm hat hervoragende Arbeit geleistet, die Outfits sind trendsicher!Und man sollte sie Vermarkten!!Die Schauspieler waren sehr gut ausgewählt und konnten die Leidenschaft des Fliegens vermitteln.
Leider stimmen so viele Fakten nicht.Viele Kleinigkeiten auch nicht, z.B. eine Krankenschwester würde niemals zu dieser Zeit nicht in diesem Ton mit einem Baron reden und auch nicht vor totkranken sagen,dass diese bald sterben.
Desweiteren war die Liebengeschichte zu gefühllos und nur oberflächlich angekratzt, man konnte sie nicht wirklich nachvollziehen.
Den Karrierefördernden Abschuss hat man gar nicht wirklich mitbekommen und man war sich gar nicht sicher ob Manfred v. R.es war.Zu wenig Luftkampfszenen,zu wenig Tiefe. Schade für die Besetzung und einem so erfolgsversprechendem Thema,das hätte wirklich was werden können.

D.Nhuk · 14.04.2008

Dass man hier in Deutschland filmtechnisch auf so hohem Niveau ist war mir nicht bekannt. Meinen Respekt. Inhaltlich und schauspielerisch natürlich ein hohes europäisches Niveau. Also besser als dieser altbekannte übertriebene Heldenquatsch aus Hollywood.
Ich kann diesem Filme nur jedem empfehlen.

Blubb · 13.04.2008

ich fand den Film super!! Es sind nicht nur geniale Flug- sondern auch viel emotionale und ergreifende Szenen dabei.
Der Soundtrack ist übrigends auch nicht von schlechten Eltern :). Meiner Meinung nach nur weiterzuempfehlen

Kommentare

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