Der Fluch der Tang-Dynastie

Der Fluch der Tang-Dynastie

Eine Filmkritik von Stefan Dabrock

Die Rache des fehlenden Humors

Manchmal ist die Ungewissheit vor dem Film, in welche Welt man hineingezogen wird, das Beste an der Auseinandersetzung mit einem Werk. Immer dann, wenn eine schwache Produktion nicht einmal dazu in der Lage ist, tief greifende Reibungspunkte zu erzeugen, dann ist sie nur noch ein technisches Produkt.
Zhenmu Li (Simon Yam) war einst ein brillanter Kunstfälscher, aber seitdem ihn seine Frau mit der damals noch ungeborenen Tochter verlassen hat, will er davon nichts mehr wissen. Er arbeitet inzwischen als Redakteur für eine Zeitschrift, deren Parfumkolumne er schreibt. Seine Vergangenheit holt ihn wieder ein, als Gangsterboss Ying Zhao (Jack Kao) mithilfe zweier Handlanger ein wertvolles Bild in seinen Besitz bringt. Auf der Flucht vor einem Wachmann wurde es durch eine glühende Zigarette beschädigt. Die attraktive Yue Min (Annie Yi) macht sich an Li heran, um ihn zur Restauration des gestohlenen Kunstwerkes zu überreden. Gleichzeitig taucht Lis inzwischen 20 Jahre alte Tochter Xin Miao (Na Wei) auf, weil seine Ex-Frau gestorben ist. Da sich die beiden noch nie gesehen haben, behaken sie sich immer wieder. Erst als Miao von Zhao entführt wird – wobei die ungezogene Tochter fleißig mitmacht, um ihrem Vater eins auszuwischen -, lässt sich Li auf die Restaurierung des Bildes ein.

Die beste Szene des Films ist eine Montage, die den reaktivierten Kunstfälscher Li dabei zeigt, wie er abstruse Dinge für die Restaurierung des Bildes beschafft. Von Hornissengift über drei Jahre alte Bienenwaben bis zu den mit zerfallenen Knochen vermischten Kopfschuppen eines alten Mannes reicht die Liste der Merkwürdigkeiten. Schnell aneinandergereiht entsteht eine Komik, die man im restlichen, ebenfalls komödiantisch angelegten Film, schmerzlich vermisst.

Dabei ist nicht der infantile Humor an sich das Problem, sondern die Art und Weise, wie er dargeboten wird. Es gibt wunderbare asiatische Komödien, in denen pubertäre Späße mit einer unbändigen Rasanz auf den Zuschauer einprasseln, dass es keine Möglichkeit gibt, sich auf intellektuelle Weise mit ihnen auseinanderzusetzen. Diesen Filmen gelingt es dann, auch die Reserviertheit des erwachsenen Zuschauers niederzureißen und ihn in ein kindliches Stadium zu versetzen, in dem nur noch diebische Freude existiert. Das hat angesichts der Regelhaftigkeit gesellschaftlicher Beziehungen etwas Befreiendes, das sich sonst kaum finden lässt. In Der Fluch der Tang-Dynastie wurden alle Scherze jedoch quälend langsam inszeniert. So flüchtet der persönliche Beschützer von Lis Tochter Xin Miao in deren Kleiderschrank, in dem sich bereits die Handlanger des Gangsterbosses befinden. Sie wollen Miao entführen. Ruhige Kameraeinstellungen leiten die unvermeidliche Konfrontation ein, als sei ein existenzielles Drama im Gange. Auch der Schnitt oder die Tongestaltung lassen jegliche Pointierung vermissen.

Die Zerdehnung des Gags ist symptomatisch für den Film, der auf der Drama- und der Krimiebene ebenfalls keinen Stich macht. Für den Konflikt zwischen Vater und Tochter ist angesichts der langsamen Inszenierung der Komödienteile ohnehin kein Platz, zumal sich der Drehbuchautor auch noch aufgebürdet hat, Parallelisierungen zu einer Begebenheit aus der Tang-Dynastie vorzunehmen. Nach ein paar Minuten historischer Erzählung zu Beginn legt Regisseur Yuan Li die Ereignisse um die Frau auf dem gestohlenen Bild jedoch vollständig beiseite, um dann im Finale für ein paar Minuten wieder darauf zurückzukommen. Besser lässt sich diese Erzählidee, die darauf angewiesen ist, dass beide Teile immer wieder miteinander in Bezug gebracht werden, nicht an die Wand fahren.

Angesichts der schwachen Qualität des Films stört es kaum, dass das Bild ein wenig zu matschig ausgefallen ist. Ein aktuelles Werk sollte aber besser aussehen. Auch das Konturenflimmern ist eine Schwäche. Details gehen bei dieser DVD ein wenig unter. Die Farben sehen demgegenüber frisch aus und auch der Kontrast ist in Ordnung.

Die DD 5.1 Abmischung klingt wenig druckvoll, räumliche Qualitäten sind nur selten wahrnehmbar. Das liegt natürlich auch an der Machart des Films, der als ruhige Komödie ohne Höhepunkte daher kommt. Insofern kann man mit dem Ton zufrieden sein, mehr braucht das Werk nicht.

Der Fluch der Tang-Dynastie

Manchmal ist die Ungewissheit vor dem Film, in welche Welt man hineingezogen wird, das Beste an der Auseinandersetzung mit einem Werk. Immer dann, wenn eine schwache Produktion nicht einmal dazu in der Lage ist, tief greifende Reibungspunkte zu erzeugen, dann ist sie nur noch ein technisches Produkt.
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