Dead Girl

Dead Girl

Eine Filmkritik von Mirela Halac

Der Tod und das Mädchen

Regisseurin Karin Moncrieff ist ein noch unverbrauchter Name in Hollywood. Ihr Kino-Debüt Blue Car konnte einige Nominierungen kleinerer Festivals verzeichnen und sich sogar die „Honorable Mention“ des Woodstock Filmfestivals sichern. Das zweite Werk, das die junge Kalifornierin auf die Kinoleinwand bringt, spielt nun in einer anderen Liga: Dead Girl / The Dead Girl fesselt in der Manier eines David Lynch, erzählt mit eindrucksvollen Bildern wie Linklater und hinterlässt eine nachhaltige Wirkung à la Scorseses Taxi Driver.
Episodenfilme sind nicht jedermanns Angelegenheit. Verworrene und ganzheitlich unintelligente Plots hinterlassen oft das Gefühl einer netten aber unausgegorenen Idee, die durch die Einbindung einiger Slapsticks oder Gastauftritte von Kultschauspielern über die mangelnde Geradlinigkeit hinweghelfen sollen. Ganz anders geht Dead Girl an die Sache: exzellente Schauspieler, eine nachhaltige Story sowie eine narrative Meisterleistung sorgen hier für uneingeschränkten und erstklassigen Filmgenuss.

Auf einem abgelegenen Feld beginnt die Geschichte des toten Mädchens, welche aus fünf Perspektiven beleuchtet wird. Eine Collage die verschiedene menschliche Schicksale und Abgründe aufzeigt. Arden (Toni Colette) findet die verwahrloste Leiche eines Mädchens (Brittany Murphy). In der ersten Episode lernen wir Arden und ihr trauriges Leben näher kennen. Sie ist ein Mauerblümchen und wird von ihrer pflegebedürftigen, bettlägrigen Mutter (Piper Laurie) tyrannisiert. Die Entdeckung der Toten ermöglicht ihr den Weg aus der Tristesse. Bei der jungen Medizinstudentin (Rose Byrne) reißt Krista, das tote Mädchen, schwere Wunden auf, als sie in der Leiche ihre seit langem verschollene Schwester wieder zu erkennen glaubt und sich auf einen Konflikt mit ihrer Mutter einlässt, welche den Tot der Tochter nicht wahrhaben möchte. Im Gegensatz hierzu steht Kristas Mutter (Marcia Gay Harden), die den Tod Ihrer Tochter und das gleichzeitige Vorfinden einer Enkelin verarbeiten muss und dabei herausfindet, nichts über das eigene Kind und ihre Ehe zu wissen. Eine ebenso unglückliche wie frustrierte Ehefrau (Mary Beth Hurt) führt uns zum eigentlichen Höhepunkt, denn durch sie kommt ganz beiläufig der Mörder ins Spiel bevor Krista letzter Tag in der finalen Episode geschildert wird.

Das tote Mädchen dient als Bindeglied für eine beeindruckende wenngleich bedrückende Geschichte über das schicksalgeplagte Leben Einzelner. Wie ein roter Faden durchdringen die komplizierten, schmerzhaften und schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungen den Film, mal dargestellt in einem komplexen Mutter-Kind-Verhältnis oder in einer von Trott durchzogenen Ehe. Das kann auch als das Glanzleistung von Dead Girl gesehen werden: Authentizität ohne viel Drumherum.

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Regisseurin Karin Moncrieff ist ein noch unverbrauchter Name in Hollywood. Ihr Kino-Debut Blue Car konnte einige Nominierungen kleinerer Festivals verzeichnen und sich sogar die „Honorable Mention“ des Woodstock Filmfestivals sichern.
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