Black Butterflies

Black Butterflies

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Das Leben einer Dichterin

Eigentlich hat Black Butterflies alles, was ein großes Drama benötigt. Das Thema der Apartheid allein reicht schon für eine emotionale Reaktion, in Verbindung mit einem Vater-Tochter-Konflikt und dem Umstand, dass hier eine wahre Geschichte erzählt wird, sollte das eigentlich für einen bemerkenswerten, zumindest aber einen sehenswerten Film sorgen. Bedauerlich nur, dass die Einzelteile nie ineinander übergehen. Der Funke, der diesem filmischen Golem Leben einhauchen würde, fehlt einfach.
Südafrika in den 1960er Jahren: Ingrid Jonker (Carice van Houten) ist eine Poetin, die mit ihrer Arbeit, die vom Drang nach Freiheit zeugt, nicht nur im Regime, sondern vor allem auch bei ihrem Vater, der als Minister der Zensurbehörde tätig ist, aneckt. Er verstößt sie, die nur nach Liebe sucht und hofft, diese beim Schriftsteller Jack Cope (Liam Cunningham) zu finden. Doch ihre Liebe kann er nicht erwidern, wie sie es sich wünscht.

Der spannendere Teil ihres Lebens ist sicherlich, dass Nelson Mandela in seiner ersten Rede vor dem südafrikanischen Parlament ihr Gedicht Das Kind, das von Soldaten in Nyanga erschossen wurde vorgetragen hat. Wie dieses zustande kam, offenbart der Film zumindest.

Black Butterflies ist sehr unaufgeregt, sogar ereignislos. Er beackert ein paar Stationen im Leben von Ingrid Jonker, bietet aber keinen echten Plot. Einzelmomente, Vignetten, Facetten, all das ist diese Geschichte, mehr aber nicht. Statt einer mitreißenden Lebensgeschichte hat Paula van der Oest nur ein zähes Melodram erschaffen, in dem Jonkers Poesie immer wieder schlafwandelnd dargeboten wird. Carice van Houten spielt die obsessive, durchaus talentierte Dichterin überzeugend, auch und gerade weil sie es schafft, die promiskuitive Ader der Frau, die nicht nur selbstzerstörerisch ist, sondern auch die Männer in ihrem Leben auslaugt, zur Geltung zu bringen.

Rutger Hauer als ihr Vater – hier übrigens von Joachim Kerzel, nicht von Thomas Danneberg synchronisiert – wäre gut, wenn seine Rolle nicht so extrem eindimensional gestaltet wäre. Liam Cunningham wiederum ist routiniert wie eh und je. An den Schauspielern liegt es nicht, dass dieses Melodram scheitert.

Man wird nie das Gefühl los, dass in Black Butterflies ein durchaus guter Film steckt. Aber van der Oest ist es nicht gelungen, dieses Potenzial auch umzusetzen. Ingrid Jonkers Leben war interessant, nach Sichtung des Films zweifelt man daran aber ein wenig.

Black Butterflies

Eigentlich hat „Black Butterflies“ alles, was ein großes Drama benötigt. Das Thema der Apartheid allein reicht schon für eine emotionale Reaktion, in Verbindung mit einem Vater-Tochter-Konflikt und dem Umstand, dass hier eine wahre Geschichte erzählt wird, sollte das eigentlich für einen bemerkenswerten, zumindest aber einen sehenswerten Film sorgen.
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