Alyce - Außer Kontrolle

Alyce - Außer Kontrolle

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Der Abgrund blickt zurück

Einen Film wie Alyce zu vermarkten, ist eine der schwierigsten Aufgaben, die man sich im Bereich der Film-PR wohl vorstellen kann. Man kann den leichtesten Weg gehen und das Werk wie einen blutrünstigen Thriller oder Horrorfilm wirken lassen. Man könnte ihn aber auch schön umschreiben: Was wäre, wenn Amelie nicht in ihrer fabelhaften Welt leben, sondern langsam dem Wahnsinn verfallen würde?

Alles beginnt mit zwei jungen Frauen, Carroll und Alyce, die ausgehen und sich betrinken. Als Carroll erfährt, dass ihr Freund sie abgeschossen hat, wird die Party nach Hause verlegt. Volltrunken und unter Drogen gehen die beiden Frauen aufs Dach. Ein Unfall führt dazu, dass Alyce ihre Freundin vom Dach stößt. Völlig allein beginnt nun der seelische und geistige Abstieg der jungen Frau. Heimgesucht von Visionen ihrer Freundin gibt sie sich dem Drogenrausch hin, bis endgültig etwas in ihr kaputtgeht – und sich gewalttätig Bahn bricht.

Alyce ist ein ungewöhnlicher Film. Anfangs sehr geschwätzig, wirken die ersten 20 Minuten fast lähmend auf den Zuschauer, ist das Gerede der beiden Frauen doch alles andere als spannend. Generell weist der Film kaum Spannung auf, ist aber zumindest technisch so interessant umgesetzt, dass man bei der Stange bleibt und wissen will, wie diese Mixtur aus Gruselmär und Psychodrama ihr Ende finden wird.

Filme dieser Couleur gab es immer wieder mal, dabei auch durchaus deutlich besser, so etwa Lucky McGees May – Die Schneiderin des Todes, der Unterschied ist jedoch, dass Jay Lee in seinem Film – vermutlich sehr bewusst – die Tonalität ändert. Was anfangs wie ein psychologisches Drama erscheint, wird in der letzten halben Stunde zur überdrehten und abgefahrenen Horrorkomödie. Auch wenn man dafür einen etwas schrägen Sinn für Humor haben muss. Aber was Lee seine Hauptfigur im letzten Akt tun lässt, passt kaum noch zum Zuvorgekommenen.

Alyce spielt dabei mit den Erwartungen des Zuschauers. Zuerst erfüllt er diese, als man sieht, wie Alyce von ihrer Schuld aufgefressen wird, dann geht Lee jedoch in eine völlig andere Richtung und macht ein Drogendrama draus, nur um im letzten Drittel noch mal eine Kehrtwende hinzulegen. Das wirklich Kuriose dabei ist jedoch, dass der Film zuerst sehr leichtherzig daherkommt, dann plötzlich immens düster wird und am Ende trotz aller Übersteigerung eine Mischung aus beidem darstellt.

Alyce ist kein spannender Film. Aber er ist etwas, das man in dieser Form auch nur selten zu sehen bekommt: langweilig und faszinierend zugleich. Dank der exzellenten Hauptdarstellerin Jade Dornfeld wird man immer wieder in den Film gezogen. Und aufgrund des sprunghaften Wechsels der Erzählform bleibt der Film überraschend genug, dass man auch die Momente bleierner Schwere zu ertragen gewillt ist, weil man wissen will, wie das Ganze enden wird. Das wiederum lohnt, denn das Ende ist einfach perfekt.
 

Alyce - Außer Kontrolle

Einen Film wie „Alyce“ zu vermarkten, ist eine der schwierigsten Aufgaben, die man sich im Bereich der Film-PR wohl vorstellen kann. Man kann den leichtesten Weg gehen und das Werk wie einen blutrünstigen Thriller oder Horrorfilm wirken lassen. Man könnte ihn aber auch schön umschreiben: Was wäre, wenn Amelie nicht in ihrer fabelhaften Welt leben, sondern langsam dem Wahnsinn verfallen würde?

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