TRANS - I Got Life (2021)

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In ihrem Dokumentarfilm „Trans – I Got Life“ beleuchten Imogen Kimmel und Doris Metz die Vielfalt an Lebensentwürfen und Erfahrungen von trans Menschen.

TRANS - I Got Life (2021)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Unser Weg und unser Glück

Sieben Menschen, sieben Geschichten. Vom Rennwagen ins Jugendzimmer, von der Kulturbühne aufs Eishockeyfeld. Das Regie-Duo Imogen Kimmel und Doris Metz begleitet seine Protagonist_innen im Dokumentarfilm „Trans – I Got Life“ an die Orte, an denen diese sich zu Hause fühlen. Was alle Personen im weitesten Sinne verbindet, ist, dass sie trans sind. Doch auch in diesem Punkt versucht das Werk nicht, Identitäten festzulegen.

So definiert sich etwa Rikku aus den USA gar nicht als trans. Jede_r findet ganz eigene Worte, um sich selbst zu beschreiben. Und jede_r hat individuelle Erfahrungen gemacht. Rikku erzählt davon, wie es immer wieder nötig war, Menschen aus dem Leben zu streichen – darunter auch die eigene Mutter. Bei anderen ist eine deutliche Unterstützung im engeren Umfeld spürbar, so etwa bei der Jugendlichen Jana. Mit ihrer besten Freundin zieht sie perfekt gestylt durch die Innenstadt, um Schnappschüsse für Instagram zu machen. Sie berichtet, wie ihr erster Freund gelassen darauf reagierte, als Jana ihn nach einigem Zögern in Kenntnis setzte. Und vor allem sehen wir, wie Janas alleinerziehende Mutter mit voller Überzeugung ihrer Tochter zur Seite steht. Dabei spart der Film Momente der Irritation keineswegs aus. „Das wird zu persönlich“, wirft Jana an einer Stelle ein, als die Mutter in einer Interviewsituation über den Prozess der Geschlechtsangleichung spricht. Jana kennt ihre Grenzen – und hat keine Scheu, diese klar zu benennen.

„Ich habe gekämpft, gekämpft, gekämpft“, sagt Verena, die in der Provinz aufwuchs und dort mit Vorurteilen konfrontiert wurde. Gewiss wollen wir alle glauben, dass die Zeiten, in denen queere Menschen (auch) in Deutschland auf Intoleranz und Hass stoßen, langsam hinter uns liegen. Aber die Realität sieht leider oft noch immer anders aus. Trans – I Got Life gelingt hier eine gute Balance. Zu keinem Zeitpunkt kommt das Gefühl auf, dass alle Schwierigkeiten überwunden sind – und doch ist der Film sehr empowernd.

Es sei „unser Weg und unser Glück“, heißt es, wenn Elisabeth und ihre Ehefrau von ihrem Leben als Paar und Familie erzählen. Es sei nicht einfach gewesen. Dem Sohn sei plötzlich gewissermaßen die Vaterfigur abhandengekommen. Zugleich merken wir: Die beiden haben es gemeinsam geschafft, diesen Konflikten zu begegnen. Einen interessanten Weg ging etwa auch Conny, die seit 28 Jahren eine Werkstatt betreibt. Sie habe Harald, ihre einstige Identität, „komplett vernichtet“, indem sie alle Zeugnisse, Urkunden et cetera ändern ließ. So konnte sie schließlich leben, wie sie war.

Mit Dr. Jürgen Schaff, einem Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie, und Dr. Marci Bowers, einer amerikanischen Gynäkologin und Chirurgin, die selbst trans ist, stellt der Film auch zwei Personen vor, die Menschen wie Conny diesen Weg zu sich selbst medizinisch ermöglichen. Am Ende zeigt Trans – I Got Life eine Tanzveranstaltung, auf der ein Großteil der Protagonist_innen die Tanzfläche stürmt, um zu feiern. Ganz zum Schluss ist eine Interpretation des Songs Feeling Good zu hören: „It’s a new dawn / It’s a new day / It’s a new life / For me / And I’m feeling good“. Ein schönerer Ausklang wäre für diesen Film wirklich nicht denkbar gewesen!

TRANS - I Got Life (2021)

Der Kinodokumentarfilm TRANS — I Got Life ist eine Reise in die Welt jenseits der Geschlechternormen. Der Film bietet Einblicke in das häufig zerrissene Lebensgefühl von trans Menschen und zeigt, wie sie mit Mut und Entschiedenheit ihr Leben in die Hand nehmen – um die Person zu werden, die sie sind. Die Regisseurinnen Imogen Kimmel und Doris Metz haben das Vertrauen von sieben Menschen gewonnen, die auf sehr unterschiedliche Weise den Weg der Transition gehen. TRANS — I Got Life ist ein hochaktuelles Plädoyer für Freiheit, Selbstbestimmung und mehr Toleranz im gesellschaftlichen Miteinander. 

 

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