Mina und die Traumzauberer (2020)

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Die neue Stiefschwester mag den Hamster nicht – das hat traumhafte Folgen.

Mina und die Traumzauberer (2020)

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Inception im Kinderzimmer

Patchwork-Familien sind eine schöne Sache, aber der Weg dorthin ist nicht immer ohne Dornen. Vor allem, wenn man als Tochter die Mutter vermisst, den Vater gerne für sich allein hätte und die neue Stiefschwester, die sich nur für Instagram interessiert, den geliebten Hamster für eine Ratte hält. Man hat‘s nicht leicht.

Minas vorher sehr harmonisches Leben im Haus mit Garten bekommt also erheblich Schlagseite, als sie mit Jenny ein Zimmer teilen muss und diese verfügt, dass das süße Hamstertier bitte zukünftig in einem Käfig und eigentlich am besten auch außerhalb des Schlafzimmers übernachten soll. Und der Vater, der mit Kompromissen versucht, seine Verlobte und ihre Tochter in das Leben mit Mina (Stimme: YouTube-Star Julia Beautx) einzubinden, gibt ihrer Meinung nach viel zu leicht nach.

In seinem Debüt als Regisseur schickt Kim Hagen Jensen seine Protagonistin also flott in eine Situation, in der ihr bisher so friedliches Leben von außen bedroht wird. Ausflucht bieten ihre nächtlichen Träume. Aber auch da geht etwas schief, denn eines Nachts stößt sie dabei wortwörtlich gegen die Grenzen ihrer Welt – Die Truman-Show lässt schön grüßen, denn hinter den als bunter Himmel bemalten Kulissen wirken blaue Männchen daran, die Träume der Menschen zu inszenieren, als allnächtliches Theaterstück mit festem Drehbuch und überzeugend echten Maschinen.

Als Mina das erste Mal bewusst auf die Welt dieser Traumfabrik schaut, packt der dänische Animationsfilm Mina und die Traumzauberer seine visuellen Stärken aus: Ein riesiger Wal schwebt durch eine weite Leere, bis in die Ferne werden überall kleine Traumbühnen sichtbar werden. Überhaupt sieht die Animation dieses Films großartig aus, von den Bewegungen der Figuren über den milde steampunkigen Look der Traumtechnologie bis zum Fell des Hamsters.

Wo der Film etwas schwächelt, ist die Erzählung. Das Drehbuch, vom Regisseur zusammen mit Søren Grinderslev Hansen geschrieben, schafft zwar eine überzeugende Grundkonstellation mit nachvollziehbaren Figuren und Konflikten, die dann aber im Verlauf der Handlung nicht wirklich an Tiefe und Komplexität gewinnen. (Und vielleicht bin ich auch nur genervt davon, dass weibliche Teenager, die dauernd auf Instagram gucken, immer nur als Stand-in für zickige Oberflächlichkeit präsentiert werden.) Das führt leider auch dazu, dass die Auflösung unter angemessen dramatischen und actionreichen Bedingungen zwar spannend ist, aber eben auch mehr behauptet als gezeigt.

Mina nämlich bringt im Traumreich sehr viel durcheinander, indem sie sich gewissermaßen der Produktionsmittel bemächtigt und nicht nur ihre eigenen Träume aufmischt, sondern den Effekt von Träumen auch nutzen will, um Jenny gewissermaßen im Schlaf umzuprogrammieren, damit sie zum Beispiel ihren Hamster lieben lernt. Den Gesetzen solcher Geschichten brav folgend, klappt das natürlich zuerst ganz gut, bis es kippt und Mina in ihrer Verzweiflung, Fehler auszubügeln, alles nur noch schlimmer macht, bevor eine ganz große Katastrophe droht.

Unterschwellig stört auch ein wenig, wie sehr die Ideen der Handlung aus anderen Kontexten zusammengestöpselt zu sein scheint; von Christopher Nolans Inception wirkt natürlich nur eine Grundidee auch in Mina und die Traumzauberer hinein, aber der Pixar-Erfolg Alles steht Kopf stand doch vielleicht bei mehr als nur einigen Elementen Pate: Auch dort gab es quasi Fernsehstudios für die Traumproduktion und auch dort gab es ganz unten eine Abräumhalde des Vergessens, in der eine wichtige Figur verloren zu gehen droht.

Mina und die Traumzauberer bringt noch genug eigene und auch originelle Elemente mit, dass man ihn gerne sehen mag, aber für ein wirkliches Meisterwerk, das hinter der gelungenen Animationskunst lauern könnte, fehlt dem Film der letzte Funken Originalität; vor allem aber eine wirklich überzeugende erzählerische Idee, wie die Konflikte zwischen Mina und Jenny sich überzeugend lösen ließen.

Mina und die Traumzauberer (2020)

Minas Leben wird komplett auf den Kopf gestellt als Helena, die neue Verlobte ihres Vaters, und deren Tochter Jenny bei ihnen einziehen. Ihre neue Stiefschwester Jenny entpuppt sich als unausstehlich und bald ist Mina mit ihrer Geduld am Ende. Jenny muss verschwinden! Eines Nachts entdeckt Mina im Schlaf die Kulissen hinter ihren Träumen, in der Traumzauberer die Träume der Menschen auf Theaterbühnen zum Leben erwecken. Schnell findet sie heraus, wie sie Jennys Träume manipulieren kann. Was sie aber nicht weiß: Das Eingreifen in die Träume der Menschen hat schreckliche Folgen! Als Mina eines Nachts zu weit geht, bleibt Jenny in ihrem Traum gefangen und kann nicht mehr aufwachen. Mina muss ein letztes Mal in die Traumwelt zurück, um sich den Träumen zu stellen und Jenny zu retten.

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