Love Sarah - Liebe ist die wichtigste Zutat (2020)

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Eliza Schroeder lädt uns in „Love Sarah – Liebe ist die wichtigste Zutat“ in eine britische Konfiserie ein – und schildert eine Trauerbewältigung.

Love Sarah - Liebe ist die wichtigste Zutat (2020)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Dieser Hunger!

Eine Bäckerei in Notting Hill. Lässt sich ein schönerer Ort denken? Wohl kaum. Als Schauplatz für eine Tragikomödie ist so eine Anlaufstelle für Süßwaren-Suchende deshalb perfekt geeignet. Und zugleich natürlich eine Gemeinheit: So nah (und so groß, auf der Kinoleinwand) sind all diese feinen Köstlichkeiten – und doch können wir sie nicht ergreifen, sie nicht verspeisen. Aber gut sehen sie aus! Und erfreulicherweise sind sie nicht das Einzige, wodurch sich „Love Sarah – Liebe ist die wichtigste Zutat“ auszeichnet.

Der Film beginnt mit dem Unfalltod der Titelfigur Sarah (Candice Brown); und zeigt, wie deren Mutter Mimi (Celia Imrie), Tochter Clarissa (Shannon Tarbet) und beste Freundin Isabella (Shelley Conn) damit umzugehen versuchen. Sarah und Isabella wollten gerade gemeinsam eine Bäckerei eröffnen, die 19-jährige Clarissa strebt eine Karriere als Tänzerin an; und Mimi, einst eine Akrobatik-Künstlerin, hatte sich mit Sarah überworfen, da sie nicht in den Laden investieren wollte. Auch zwischen Großmutter und Enkelin gab es kaum noch Kontakt. Als Isabella die Immobilie wieder aufgeben will, überredet Clarissa sie dazu, die Bäckerei-Pläne weiterzuverfolgen. Und auch Mimi lässt sich von Clarissa dazu bringen, mitzumachen. Als Matthew (Rupert Penry-Jones), ein Ex-Freund von Sarah, der mit Isabella und der Verstorbenen zusammen in der Kochausbildung war, auftaucht und sich als Konditor bewirbt, führt das bald zu Konflikten. Obendrein bleibt die Kundschaft zunächst aus.

Die Hindernisse, die das Frauen-Trio samt Sternekoch zu überwinden haben, sind durchaus überschaubar. Love Sarah zieht seinen Reiz weniger aus der Frage, was wohl als Nächstes passieren wird und wie sich die Dinge auflösen werden. Man ahnt ziemlich schnell, dass sich der Erfolg der charmant eingerichteten Konditorei einstellen wird – und dass auf dem Weg zum Ziel alle Figuren einen Selbstfindungsprozess durchlaufen werden, der ihnen neuen Mut und neue Kraft verleiht. Während die Story, die Drehbuchautor Jake Brunger mit der Regisseurin Eliza Schroeder sowie Mahalia Rimmer entwickelt hat, eher formelhaft daherkommt, sind viele Inszenierungsideen der in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Kinofilm-Debütantin Schroeder recht bemerkenswert.

Schon der Auftakt, der Sarahs Unfall nicht direkt ins Bild setzt, diesen aber deutlich vermittelt, ist sehr dicht und clever inszeniert. Und auch die Nahaufnahmen, die Schroeder und ihr Kameramann Aaron Reid häufig einsetzen, um die Gesichter der Handelnden ins Zentrum zu rücken, sind in ihrer Intensität, vor allem im ersten Drittel des Plots, gelungen. Denn nicht zuletzt lebt Love Sarah vom sympathischen Schauspiel. So verkörpert etwa Celia Imrie Mimis anfängliche Zurückgezogenheit überaus eindringlich – weshalb es eine Freude ist, der Figur später beim Wiederaufblühen zuzusehen. Nicht minder überzeugend ist die junge Shannon Tarbet als Clarissa, die sowohl in den traurigen als auch in den lustigen Momenten der Geschichte den richtigen Ton trifft. Die Trauer der Frauen aus drei Generationen wird spürbar; die aufkeimende Liebe zwischen Isabella und Matthew ist derweil etwas spannungslos geraten.

All das macht Love Sarah zu einem soliden, wenn auch nicht allzu innovativ erzählten Werk, das durch seine gekonnte visuelle Umsetzung und sein einnehmendes Ensemble gute Unterhaltung bietet. Der anschließende Bäckerei-Besuch sollte fest eingeplant werden – das Verlangen nach Süßem wird groß sein.

Love Sarah - Liebe ist die wichtigste Zutat (2020)

Die berühmte Konditorin Sarah hinterlässt ihren großen Traum, eine eigene Bäckerei zu eröffnen – und einen teuren Mietvertrag in London. Sarahs Tochter, ihre beste Freundin Isabella und Sarahs Mutter Mimi springen ins kalte Wasser. Eine Reise dreier Frauen durch Liebe, Verlust und Hoffnung. (Quelle: Neopol Filmproduktion)

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