Das große Abenteuer des kleinen Vampir (2020)

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Mit „Das große Abenteuer des kleinen Vampir“ hat Filmemacher und Zeichner Joann Sfar seine eigene Comic-Reihe „Petit Vampire“ adaptiert. Der Film basiert auf dem Band „Petit Vampire va à l’école“, versprüht denselben Charme wie die Comics und ist nicht nur ein Kinderfilm.

Das große Abenteuer des kleinen Vampir (2020)

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Langeweile unter Monstern

Lange hat es nun gedauert, bis „Das große Abenteuer des kleinen Vampir“ in die Kinos kommt. Schon 2011 hatte Joann Sfar angekündigt, seinen Comic „Petit Vampire“ beziehungsweise die ersten drei Bände und allen voran „Petit Vampire va à l’école“ („Der kleine Vampir geht in die Schule“) auf die große Leinwand zu bringen. 2020 dann feierte der Film seine Weltpremiere auf dem renommierten Animationsfilmfestival in Annecy. Er erzählt die Geschichte eines kleinen Vampirs, dem die Decke auf den Kopf fällt.

Dem kleinen Vampir ist langweilig: Seit 300 Jahren schon ist er zehn Jahre alt. Seinen Alltag verbringt er zwar mit einer lustigen Gruppe an Geistern und Monstern in einem „Haus des Schreckens“, im dort regelmäßigen stattfindenden Filmclub oder auf einem alten Piratenschiff, aber irgendwie passiert doch nichts Neues, und außerdem sind ihm seine Spielkameraden zu alt. Er würde gerne in die Schule gehen, gleichaltrige Freunde treffen, die Welt erkunden. Das alles geht aber nicht, denn er darf das Grundstück nicht verlassen. 

Draußen, außerhalb der Sicherheitsglocke nämlich, lauere Gefahr, vor der ihn der Kapitän der Geister gerne beschützen würde. Der Kapitän, ebenfalls ein Geist und Kommandeur eines Schiffs, das fliegen kann, ist wie ein Vater für den kleinen Vampir – hat er doch ihn und seine Mutter damals, vor 300 Jahren, aus den Fängen eines bösen Prinzen und des Gottes des Nichts gerettet, in seine Obhut genommen und zu lebenden Toten gemacht. Seither sucht dieser böse Prinz Gibbus, nun ebenfalls irgendwo zwischen Tod und Leben, Rache.

Dem kleinen Vampir aber ist die drohende Gefahr egal. Er will etwas erleben! Und so schleicht er sich eines Nachts zusammen mit seinem Hund, dem roten Bulldoggengeist Phantomato, über die Sicherheitsgrenzen des Anwesens hinweg und macht einen Ausflug in die angrenzende Stadt. Er sucht eine Schule auf, inspiziert Klassenzimmer und den Arbeitsplatz eines Jungen, der sein Matheheft hat liegenlassen. Und weil der kleine Vampir Spaß an Mathematik hat, macht er die Aufgaben für Michael.

Über das Heft entsteht schnell ein reger Briefverkehr zwischen den beiden Jungen, und eines Nachts suchen der kleine Vampir und Phantomato den Menschenjungen in seinem Zuhause auf. Michael ist begeistert, die beiden Gleichaltrigen freunden sich sofort an. Der kleine Vampir verspricht wiederzukommen, hat allerdings nicht mit Phantomatos Eifersucht und dem Feingefühl seiner Mutter gerechnet, die plötzlich merkt, dass etwas nicht stimmt. Außerdem hat der gefürchtete Gibbus Wind von den Ausflügen des kleinen Vampirs erhalten und weiß nun, wo er nach ihm suchen muss.

Joann Sfar ist mit Das große Abenteuer des kleinen Vampir eine wunderschöne Adaption seiner Comicreihe gelungen, handgezeichnete Kunst, die man sich – wie ein gutes Comicheft – immer wieder ansehen kann. Die dargestellte Welt hat denselben Charme, die Figuren haben dieselbe Liebenswürdigkeit und denselben Witz, die Handlungsverläufe dieselbe Originalität wie in der Vorlage – und damit ist der Film bestimmt auch für viele der Einstieg in die Welt von Petit Vampire

Wer (unter den jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauern) sich nicht von den sabbernden, schlagkräftigen und lautschreienden Monstern schrecken lässt, der hat Spaß mit der durchaus liebenswürdigen Truppe: darunter das dicke Monster Marguerite (im französischen Original gesprochen von Joann Sfar selbst), dem es an Selbstbewusstsein fehlt, oder der dreiäugige Wissenschaftler unter den Geistern, der seine Experimente schnell an seinen Freunden ausprobiert. Hier fungieren auch die Kinderfiguren der Geschichte als Identifikationsfiguren; schließlich ist der kleine Vampir mit all diesen Ungeheuern befreundet, und auch Michael strahlt sie begeistert an, schließt sofort Freundschaft mit ihnen und traut sich in ihrem Kreis endlich einmal so zu sein, wie er ist, ohne die Spaßvogel-Maske oder aufgesetztes Lachen. 

Das Beste an Das große Abenteuer des kleinen Vampir allerdings sind die vielen kleinen und großen Einfälle, Anspielungen und Zitate, die in die Geschichte eingewoben werden und von denen man vermutlich beim erstmaligen Sehen nur einen Bruchteil wahrnimmt. Das sind die Namen einzelner Figuren oder das Spiel mit der Sage vom Fliegenden Holländer, Details in den Zeichnungen, aber auch kleine Nebenplots, zum Beispiel wenn die Geister zum Zeitvertreib Verstecken in Gemälden spielen: Dann tauchen sie ein in andere Welten, in impressionistische Landschaften oder den Ozean, in dem gerade die Titanic – mit entsprechender musikalischer Untermalung – versinkt. Und das bringt auch das erwachsene Publikum zum Schmunzeln, Lachen und Begeistertsein.

Und das Kino ist wichtig in Das große Abenteuer des kleinen Vampir. Der Film ist eine Hommage an das Kino und insbesondere den Fantasy- und den Horrorfilm, vor allem die älteren Filme, worüber der Regisseur auch lange reden kann. Nicht nur in den Sequenzen, die den Filmclub zeigen, zitiert Sfar Filme wie Pandora und der Fliegende Holländer (1951) und andere Produktionen des britischen Kinos der 1950er Jahre und hofft, gerade beim jungen Publikum die Neugier auf diese Filme zu wecken.

Das große Abenteuer des kleinen Vampir (2020)

Der kleine Vampir ist 10 Jahre alt – und das schon seit 300 Jahren! Obwohl er in einem Spukhaus mit einer lustigen Gruppe von Monstern lebt, langweilt er sich zu Tode… Sein Traum? In die Schule zu gehen, um andere Kinder zu treffen. Leider erlauben ihm seine Eltern nicht, das Haus zu verlassen, denn für sie ist die Welt da draußen viel zu gefährlich! Begleitet von seiner treuen Bulldogge Phantomato begibt sich der kleine Vampir heimlich auf die Suche nach neuen Freunden. Bald lernt er einen Menschenjungen, Michael, kennen, doch ihre Freundschaft erregt die Aufmerksamkeit des furchterregenden Gibbus, eines alten Feindes, der den kleinen Vampir und seine Familie schon seit Jahrhunderten verfolgt….

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