Bruised (2020)

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Für ihr Regiedebüt steigt Halle Berry in den Ring. Als Mixed-Martial-Arts-Fighterin Jackie Justice boxt sie sich zurück ins Leben. Das pulsierende Drama, zu sehen bei Netflix, kämpft an zu vielen Fronten.

Bruised (2020)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Im Käfig

Filme über den Boxsport erfreuen sich bei den Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die jedes Jahr die Oscars vergeben, großer Beliebtheit. Wenn Halle Berry knapp zwanzig Jahre nach ihrem Gewinn für die Hauptrolle in „Monster’s Ball“ nun in den Ring steigt, dann gibt sie damit nicht nur ein beachtliches Regiedebüt, sie schielt auch auf die nächste goldene Statuette. Denn als Mixed-Martial-Arts-Fighterin Jackie Justice legt Berry eine preisverdächtige Performance hin.

Jackies letzter Kampf liegt vier Jahre zurück. Sie verlor die Nerven und warf überhastet das Handtuch. Inzwischen putzt sie Häuser. Und selbst bei dieser eintönigen Beschäftigung liegen ihre Nerven blank. Denn Jackie hängt an der Flasche. Ihr Partner und Möchtegern-Manager Desi (Adan Canto) macht sich gar nicht erst die Mühe, Jackies Sucht zu bekämpfen. Er macht sich lieber ihre Wutausbrüche zunutze, um Jackies Comeback zu starten und schlägt selbst zu, wie es ihm beliebt.

Eine abgewrackte Alkoholikerin und ein egoistischer Schläger hätten eigentlich ausgereicht, um aus Halle Berrys Regiedebüt eine bewegende Geschichte vom Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg einer Kampfsportlerin zu machen. Der Drehbuchautorin Michelle Rosenfarb war das aber wohl nicht dramatisch genug, weswegen Jackies Mutter Angel (Adriane Lenox) Jackies Sohn Manny (Danny Boyd Jr.) bei ihr ablädt. Jackie hat Manny seit Jahren nicht mehr gesehen. Zu allem Überfluss spricht der Junge kein Wort mehr, seit er den Mord an seinem Vater mitansehen musste. Traumata, wohin man blickt. Es bleibt nicht die letzte unvorhergesehene Wendung, die Rosenfarb ungelenk aus dem Hut zaubert.

Ursprünglich sollte Nick Cassavetes Regie führen und Blake Lively die Hauptrolle übernehmen. Als riesiger Mixed-Martial-Arts-Fan meldete Berry aber umgehend Interesse an, sollte Lively absagen. Als dann auch Cassavetes absprang, sprang Berry auch für ihn ein. Sie ist sichtlich bemüht, all die Versatzstücke und losen Enden, die ihr das Skript hinwirft, vor und hinter der Kamera zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Doch die Einzelteile passen nicht. Das größte Problem sind nicht die Twists an sich, sondern dass Rosenfarb diese so schlecht vorbereitet, dass sie einen beim Zusehen ein ums andere Mal wie ein Tiefschlag treffen, den man nicht kommen sah. Und das nicht in einem guten, augenöffnenden Sinn. Mehr als einmal kratzt man sich verwundert am Kopf und fragt sich, ob man zwischendurch nicht richtig hingesehen hatte.

Halle Berrys beeindruckende Darbietung hält all das zusammen. Nach so vielen Jahren im Geschäft weiß sie genau, wann sie beim Publikum welche Knöpfe drücken muss. Ihr Spiel ist mal nuanciert, mal expressiv – stets zur rechten Zeit. Und ihr Körpereinsatz ist phänomenal. Im Film wird Jackie von der toughen Buddhakan (Sheila Atim) auf Vordermann gebracht und vom umsichtigen Pops (Stephen McKinley Henderson) gecoacht. Jackies wiedergewonnene Fitness nimmt man auch Berry ab. Dass sie bereits auf die 60 zugeht, sieht man ihr nicht an. Ihre Stunts dreht sie übrigens selbst. In einer Talkshow verriet sie, dass sie sich dabei die Rippen brach.

Letzten Endes hielt Berry das bei der Fertigstellung dieses Films nicht auf, wie sie auch in ihrer Karriere nach Rückschlägen immer wieder aufgestanden ist. Wie bei nicht gerade wenigen Schauspielenden stellte sich der Gewinn eines Oscars auch für Berry nur anfänglich als Karriereschub heraus. Als sie die Trophäe 2002 – als erste Schwarze Hauptdarstellerin überhaupt – mit nach Hause nahm, war sie bereits zehn Jahre im Geschäft und Teil des X-Men-Franchise. Doch als die Comicverfilmungen ein Jahrzehnt später so richtig durchstarteten, wurde ihr Figur durch eine jüngere Version ersetzt. Zwar spielte sie an der Seite von Pierce Brosnan in James Bond 007 – Stirb an einem anderen Tag (2002), bleibt aber vor allem für die Szene in Erinnerung, in der sie in einem Ursula-Andress-Gedächtnis-Bikini aus dem Meer steigt. Mit ihrer Titelrolle in Catwoman (2004) ging sie gleich ganz baden. Danach folgte kaum Nennenswertes.

In Hollywood saß Berry in einem goldenen Käfig. Vielleicht kann sie sich aus deshalb so gut mit Jackie Justice identifizieren. Die kämpft nicht nur in einem Käfig, sondern steckt gleich in mehreren. Ihre Sucht, der Missbrauch, ihre (nicht ausgelebte) Sexualität, ihre Familie und ihr schlechtes Gewissen halten sie gefangen. Zum Glück ist es für Jackie noch nicht zu spät, daraus auszubrechen. All das in einen einzigen Film zu packen, ist allerdings zu viel. Vielleicht macht es Berry bei ihrem nächsten Projekt ja besser. Bruised startete so erfolgreich bei Netflix, dass der Streaming-Gigant Halle Berry einen Deal über weitere Filme angeboten hat. Man darf gespannt sein, was sie aus diesem späten Comeback macht.

Bruised (2020)

Mit „Bruised“ feiert Halle Berry ihr Regiedebüt. Die in Ungnade gefallene MMA-Kämpferin Jackie Justice (Halle Berry) zieht sich aus dem Sport zurück. Jahre nach ihrem letzten Kampf, als in ihrem Leben alles schiefläuft und sie von Wut und Schuldgefühlen gezeichnet ist, bringt sie ihr Manager und Freund Desi (Adan Canto) dazu, an einem illegalen brutalen Kampf teilzunehmen, wo sie einem Promoter der Kampfliga auffällt (Shamier Anderson). Dieser verspricht ihr, sie zurück in den Ring zu holen. Doch der Weg zur Erlösung wird für Jackie persönlich, als ihr Sohn Manny (Danny Boyd Jr.), den sie als Säugling weggab, plötzlich vor der Tür steht. 

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