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Regisseurin und Autorin Anika Decker packt zu viele Themen in ihren neuen Film – und darunter leidet der Spaß.

Liebesdings (2021)

Eine Filmkritik von Markus Fielder

Rom-Com mit zu vielen Zutaten

Die Regisseurin und Drehbuch-Autorin Anika Decker blickt auf eine wechselhafte Karriere zurück. Der Start geriet furios, denn sie war als Co-Autorin an Keinohrhasen beteiligt und gewann unlängst einen Prozess gegen Til Schweiger und Warner Bros., der ihr vermutlich auch endlich eine angemessene Bezahlung dafür verschafft. Ein weiteres Ausrufezeichen gelang ihr als Co-Autorin von „SMS für dich“, dem Langfilm-Regiedebüt von Karoline Herfurth. Ihre zweite eigene Regiearbeit hingegen, die selbst verfasste Komödie „High Society, überzeugte weder Kritik noch Publikum. Klappt „Liebesdings“, der dritte Versuch als Regisseurin und Autorin in Personalunion, besser?

Nein. Wie im Vorgänger verheddert sich Decker bei ihren Figuren in ärgerlichen Klischees, statt wirklich lebendige Charaktere zu erschaffen. Ob das der erfolgreiche, aber eigentlich todunglückliche Star (Elyas M’Barek) ist, die eiskalte Boulevard-Journalistin, gespielt von Alexandra Maria Lara, oder die vom Leben getretenen Mitglieder des LGTBQ-Theater-Ensembles – nichts davon ist originell oder glaubhaft. Natürlich arbeitet Comedy fast immer mit Klischees oder Übertreibungen, tatsächlich gut funktioniert das aber nur in der richtigen Dosierung. Loriot war beispielsweise ein Meister darin, nur genau so weit zu überdrehen, bis aus leicht schrägen Marotten brüllend komische Momente entstanden. Anika Decker verfügt zumindest in Liebesdings nicht über diese Fähigkeit. Hier wirken die Charaktere allesamt zu überzeichnet, um wirklich lustig zu sein, der Humor bemüht statt spontan. Ebenso wie die Handlung.

Was auch daran liegt, dass der Versuch, eine sehr konventionelle Story durch LGBTQ-Themen irgendwie inhaltlich aufzupeppen, in keinem Moment gelingt. Das Theater 3000 mit sicher gut gemeinten queeren Mitgliedern ist schon deshalb keine tolle Idee, weil der Film die Figuren nur als MacGuffin nutzt, um die Handlung in Gang zu setzen, sich für die einzelnen Menschen aber gar nicht interessiert. Und diese Handlung dann auch noch mehr schlecht als recht vor sich hin stolpert, als wirklich interessant oder witzig zu sein. Manche Stränge der Handlung versanden oder lösen sich in Wohlgefallen auf. So bleibt die angedeutete Liebe zwischen Marvins Managerin und Friedas Mitbewohnerin stets im Ungefähren, ein Verrat von Marvins Kumpel hat gleich gar keine Konsequenzen. 

An vielen Stellen wirkt das Drehbuch deshalb wie nicht komplett zu Ende gedacht oder es fehlen homogene Verbindungen zwischen einzelnen Teilen der Handlung. Und im Gegensatz zu manch anderen Autoren, denn es gelingt, mit wenigen Strichen einen komplexen Charakter zu erschaffen, beschreibt Decker hier mit manchmal vielen Worten eine Figur, die dennoch nie wirklich zum Leben erwacht. Das vielleicht schlimmste Beispiel in Liebesdings ist der von Rick Kavanian gespielte alternde Star, der sich so verzweifelt um Anerkennung bemüht, dass jeder seiner Auftritte nur noch peinlich ausfällt. Lustig aber leider nicht, sodass die Figur eher in eine Tragikomödie gepasst hätte, in dieser Rom-Com aber völlig deplatziert wirkt. 

Dazu kommt, dass zwischen Elyas M‘Barek und Lucie Heinze nicht gerade die Funken sprühen und so auch die Love-Story emotional nicht über fehlende Pointendichte hinweghelfen kann. Zumal der Zickzack-Kurs des Films zwischen Mediensatire, Kommentaren zur sexuellen Identität, Freundschaft, Schuld und Sühne und einigen anderen Themen an keiner Stelle richtig fesselt und meist nur unentschlossen wirkt.

Allerdings beweist Decker in ein paar Szenen auch ihr nach wie vor vorhandenes Gespür für Timing und witzige Situationen und sorgt so dafür, dass wohl kein Zuschauer den Kinosaal verlässt, ohne ein paar Mal gelacht zu haben. So gehören zwei hinreißend misslungene Heiratsanträge und ein Werbespot-Dreh sicher zu den Höhepunkten einer ansonsten leider durchschnittlichen Komödie, aus der mit etwas mehr Fokus eine bessere hätte werden können. 

Liebesdings (2021)

Roter Teppich, Scheinwerferlicht, Fans kreischen, Fotografen jagen nach dem besten Foto, Kamerateams erwarten Interviews – eine Premiere steht an und Deutschlands größter Filmstar, Marvin Bosch (Elyas M’Barek), wird sehnsüchtig erwartet. Doch Marvin lässt auf sich warten. Denn das Interview mit der bissigen Boulevardjournalistin Bettina Bamberger (Alexandra Maria Lara) ist gründlich schiefgegangen und der Star landet auf seiner Flucht vor den Medien ausgerechnet im feministischen Off-Theater „3000“ von Frieda (Lucie Heinze), das kurz vor dem Aus steht.

Werden es Marvin, Frieda und ihre Freunde unter Beobachtung der staunenden Öffentlichkeit schaffen, das Theater zu retten, Marvins Ruf wiederherzustellen und, vor allem, der Liebe eine Chance zu geben? (Quelle. Constantin Filmverleih)

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Meinungen

Meg · 10.07.2022

Lange nicht mehr so einen schlechten Film geschaut. Der Film hat durchgehend schlechte Gefühle vermittelt. Da war nichts lustig an diesem Film. Hatte das Gefühl, dass selbst die Schauspieler gemerkt haben, dass der Film sinnlos und schlecht ist. Zeit und Geldverschwendung!

M. Pohl · 06.07.2022

Wieder eine dieser deutschen Komödien die vollkommen belanglos sind und über Kindergartenhumor nicht hinauskommen. Ganz schlechter Film. Ich frage mich wer solchen Unfug produziert. Das Geld ist schlecht investiert. Kinobesuch ist Zeitverschwendung.

Florian · 09.07.2022

Kann nur zustimmen! Absolut grottenschlecht. Und noch dazu ideologisch belehrend bis zum geht nicht mehr… ein Trauerspiel