Zweimal sterben ist einmal zuviel

Zweimal sterben ist einmal zuviel

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Allzu ausgiebige Albernheiten

War er auch einst ein biederer Familienvater mit Frau und Tochter und einem ordentlichen, offensichtlich letztlich für ihn selbst unerträglichen Leben, ist der ebenso lebenslustige wie trinkfreudige Quincas (José Paulo) seit Jahren in das frivole Amüsier-Milieu abgetaucht, wo er den Ruf eines angesehenen Trinkers genießt. Anlässlich seines Geburtstags erwartet ihn eine ganze Horde einschlägiger Freaks und Fräuleins zu einer zünftigen Überraschungsparty, doch Quincas taucht nicht bei seinen Freunden auf, sondern wird am nächsten Morgen tot aufgefunden. Seine Tochter Vanda (Mariana Ximenes), die ihren Vater fünfzehn Jahre lang nicht gesehen hat, kümmert sich nun pflichtschuldig um das Prozedere der Beerdigung, die sie so rasch und diskret wie möglich über die Bühne bringen will. Doch Quincas’ treue Freunde aus den Bars und Bordellen sind nicht bereit, ihren verschlagen-gutherzigen Kiez-König in den Sarg bannen zu lassen, ohne noch einmal mit seiner Leiche durch die Lokale zu ziehen, um ihm und sich selbst einen angemessenen Abschied zu bereiten ...
Nach dem Roman Die drei Tode des Jochen Wasserbrüller / A morte e a morte de Quincas Berro d'Água des brasilianischen Schriftstellers Jorge Amado enstanden, auf dessen Grundlage Regisseur Sérgio Machado das Drehbuch zu Zweimal sterben ist einmal zuviel gestaltet hat, stellt diese Low-Budget Produktion von 2010 einen derben, lärmenden Klamauk dar, der die an sich durchaus ansprechende Idee, mit einem Toten eine letzte Tour durch sein Territorium zu unternehmen, zwischen geschmacklosen Witzen, obszönen Quatschereien und dramaturgischen Drögheiten verheizt. Eine Tante, die ständig ausgiebig furzt, allzu übertrieben heitere und dann wieder jammernde Käuze sowie die zuvor pikierte Tochter, die schließlich nach ein paar Drinks ihre Befreiung von bürgerlichen Moralvorstellungen feiert – da verdrängt die derart kultivierte Albernheit auch anregende, ironische Ansätze einer Kritik der Biederkeit sowie die wenigen filigranen Zwischentöne, die sich vor allem in den Voice-Over-Monologen des Verstorbenen andeuten.

Zehnfach für den Cinema Brazil Grand Prize nominiert und letztlich in den Kategorien Bestes Kostümdesign und Beste künstlerische Gestaltung ausgezeichnet sowie sieben Mal für den brasilianischen Prêmio Contigo Cinema nominiert, fand der Film in seinem Produktionsland offenbar einigen Anklang. Doch auch wenn bestimmte Derbheiten und groteske Einlagen mitunter nicht unvergnüglich daherkommen, häufen sich die atmosphärisch wenig förderlichen Flapsigkeiten dann doch zu stark, um noch als erträglich durchzugehen, so dass Zweimal sterben ist einmal zuviel insgesamt in seinem selbst produzierten Geplauder und Getöse versinkt.

Zweimal sterben ist einmal zuviel

War er auch einst ein biederer Familienvater mit Frau und Tochter und einem ordentlichen, offensichtlich letztlich für ihn selbst unerträglichen Leben, ist der ebenso lebenslustige wie trinkfreudige Quincas (José Paulo) seit Jahren in das frivole Amüsier-Milieu abgetaucht, wo er den Ruf eines angesehenen Trinkers genießt.
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