Vollmond

Vollmond

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Magische Kriminalgeschichte mit emotionalen Auswucherungen

Es ist wohl kaum möglich, einem Film mit dem Titel Vollmond nicht von vornherein einen magischen, mystischen Aspekt beizugesellen, der in dieser höchst seltsamen Geschichte des Schweizers Fredi Murer auch kräftig zum Tragen kommt. Den Einstieg wählt der Regisseur und Drehbuchautor, der in diesem Jahr für Vitus mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet wurde, über kriminalistische Ermittlungen im Fall eines verschwundenen Jungen, doch bald entspinnt sich ein Szenario mit zahlreichen Strängen und einem gewaltigen Aufgebot von Protagonisten, und auch thematisch berührt Murer zusehends Territorien unterschiedlicher Richtungen – seien es familiäre Strukturen und das Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen, eine moralisch schwer heruntergekommene Presseszene oder Autoritätsgerangel bei der Polizei. Der Fokus richtet sich jedoch auf die mahnende Botschaft, vom zerstörerischen Umgang mit der Natur abzulassen, die beinahe spielerisch durch die Phantasiewelten von Kindern transportiert wird, deren charmante Codes sicherlich das schönste Element von Vollmond darstellen.
Handelt es sich für Kommissar Wasser (Hanspeter Müller-Drossaart) bei seinen Ermittlungen zunächst nur um einen vermissten Jungen, stellt sich bald heraus, dass es insgesamt zwölf gleichaltrige Kinder sind, die landesweit in derselben Vollmondnacht spurlos verschwunden sind. Die Suche nach Verbindungen der Familien untereinander erbringt keine verwertbaren Ergebnisse, doch unglaublich ähnliche Träume der Mütter und andere kaum erklärliche Begebenheiten weisen auf einen undurchsichtigen Zusammenhang hin, der andeutet, dass alle Kinder wohlbehalten an einem sicheren Ort versammelt sind. Der Mond nimmt derweil erneut stetig zu, und wenige Tage vor dem nächsten Vollmond erhalten alle Familien einen Brief in der Handschrift ihres Kindes, der ein kryptisches Ultimatum für die nächste magische Nacht enthält. Mit der Ratlosigkeit wächst der Druck bei allen Beteiligten ins Unerträgliche. Kommissar Wasser als leitender Ermittler lässt sich von den merkwürdigen Ereignissen dieses rätselhaften Falles immer tiefer berühren, was ihn letztlich dazu bringt, in einer privaten Aktion gemeinsam mit der Mutter eines der vermissten Kinder, die inzwischen seine Geliebte geworden ist, alle Eltern in einer Fernsehshow zusammenzubringen, was in ein Chaos wild wuchernder Emotionen mündet.

Bei Zeiten gibt es durchaus symphatische Filme, die selbst den hart gesottenen Zuschauer dennoch ab und zu sein wirres Haar raufen lassen, so heftig entgleisen sie temporär in wenig erquickliche Übertreibungen. Humorige, skurrile und geradezu mutige Details lassen ihn dennoch der Geschichte bis zum Ende folgen, das mit Spannung erwartet wird und noch einmal ein Spektrum an Heftigkeiten versammelt, die es unbedingt sehenswert gestalten. Vollmond gehört eindeutig zu dieser Kategorie und erscheint wie ein schräger, doch immer fröhlicher Klamauk mit teilweise sehr ernster Thematik und rührender Symbolik, der den ausdauernden Zuschauer in knapp zwei Stunden durch ein weites Spektrum an Sentimenten jagt.

Vollmond

Es ist wohl kaum möglich, einem Film mit dem Titel Vollmond nicht von vornherein einen magischen, mystischen Aspekt beizugesellen, der in dieser höchst seltsamen Geschichte des Schweizers Fredi Murer auch kräftig zum Tragen kommt.
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