Voice from the Stone

Voice from the Stone

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Mit Voice from the Stone liefert Eric D. Howell auf Basis eines Drehbuchs von Andrew Shaw, welches wiederum auf dem Roman La voce della pietra von Silvio Raffo basiert, ein Mystery-Drama in der Tradition von (Schauer-)Literaturverfilmungen wie Alfred Hitchcocks Rebecca (1940, nach Daphne Du Maurier), Robert Stevensons Jane Eyre (1943, nach Charlotte Brontë) oder Jack Claytons The Innocents (1961, nach Henry James). Die Adaption ist im besten Sinne klassisch – ein düsteres Melodram in edlem haunted-house-Setting.
Die Geschichte spielt in den 1950er Jahren in der Toskana; im Zentrum steht die junge Kinderpflegerin Verena (Emilia Clarke), die in einem imposanten, alten Landhaus eine neue Arbeitsstelle bei dem verwitweten Künstler Klaus (Marton Csokas) antritt. Seit dem Tod von Klaus' Gattin Malvina (Caterina Murino) ist der gemeinsame Sohn Jakob (Edward Dring) verstummt. Verena ist bestrebt, dem Jungen zu helfen, bleibt aber vorerst erfolglos. Ebenso verhalten sich Klaus und dessen Bediensteter Alessio (Remo Girone) ihr gegenüber äußerst abweisend; einzig in der älteren Lilia (Lisa Gastoni) findet Verena eine Vertraute. Als sie mitbekommt, wie Jakob an den Steinwänden des Anwesens lauscht und dabei glaubt, seine Mutter zu hören, hält Verena dies zunächst für trauerbedingte Einbildungen des Halbwaisen – doch schon bald nimmt sie Malvinas Rufe selbst wahr.

Howell verzichtet in seiner Inszenierung auf Schockeffekte auf der Tonspur, wie man sie im heutigen Spannungskino zur Genüge kennt. Er setzt nicht auf raschen, lauten Grusel, vielmehr auf schleichendes, leises Unbehagen. Mit seinem Produktionsdesigner Davide De Stefano und seinem Kameramann Peter Simonite erzeugt er eine einnehmende Atmosphäre; es gelingt dem Film-Team, das Gemäuer im Inneren sowie im Äußeren stimmungsvoll zu gestalten und einzufangen – und dabei stets ein morbides Flair zu vermitteln. Dass Voice from the Stone noch mehr als ein berückend-schön arrangiertes Schauerstück ist, liegt an der Zeichnung der Hauptfigur und deren Interpretation durch die Britin Emilia Clarke (Game of Thrones).

Bereits zu Beginn zeigt eine Szene, in welcher sich Verena von einem von ihr betreuten Mädchen verabschieden muss, welch innige Verbindung die Protagonistin zu jungen, fragilen Menschen aufzubauen vermag. Auch in den Passagen, in denen sich der Film der Beziehung zwischen Verena und Jakob widmet, wird Verenas Empathie deutlich. Clarke spielt die Rolle der passionierten Pflegerin ausdrucksstark und vollauf überzeugend, wodurch Verenas späteres Abdriften in (mögliche) Halluzinationen und Albträume glaubhaft wird. Insbesondere der Moment, in welchem Verena erstmals die titelgebende Stimme zu hören meint, bleibt in seiner Intensität in Erinnerung. Während Clarke mit dem begabten Kinderdarsteller Edward Dring ganz wunderbar harmoniert, stimmt die Chemie zwischen ihr und Marton Csokas als Hausherr weitaus weniger. Die Annäherung zwischen Verena und Klaus wird betont sinnlich umgesetzt; an die ambivalente Romantik zwischen einer Jane Eyre und einem Mr. Rochester kann dieser Strang allerdings nicht heranreichen, da Klaus hierfür als Charakter zu blass ist und die Motivationen der Figuren in diesen Situationen zu sehr auf der Behauptungsebene bleiben, um uns als Zuschauer_innen mitzureißen. Alles in allem ist Voice from the Stone jedoch ein superb bebilderter Mix aus Tragik und Rätselhaftigkeit, aus stiller Trauer und aufkeimender Angst, in dem Clark ihr Talent abseits ihres bekannten Serienparts als Drachenkönigin eindrücklich demonstrieren kann.

Voice from the Stone

Die Toskana in den 1950er Jahren: Nach dem Tod seiner Mutter ist ein Junge verstummt. Als eine Krankenschwester dem Kind zu Hilfe eilt, muss sie feststellen, dass der Fall schwieriger ist als gedacht.
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