TiMER

TiMER

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Freier Wille vs. Schicksal

Was wäre, wenn die Suche nach dem oder der Richtigen einfach von selbst geschehen würde? Wenn man wüsste, wann man seinen Seelenverwandten findet? Wenn das Happyend vorausbestimmt ist und man es nur abwarten muss? Dann wäre das Leben doch um so vieles leichter. Oder nicht?
Der Frage geht Jac Schaeffers kleiner Independentfilm TiMER nach, der eigentlich eine RomCom ist, aber eben nicht nach dem üblichen Muster abläuft. Das Konzept des Timers ist natürlich fragwürdig. Man darf sich darüber nicht zu viele Gedanken machen, denn selbst, wenn er funktioniert und durch die Aktivierung zweier Timer Seelenverwandte gefunden werden, ließe sich doch nie abschätzen, wann oder ob sich diese Menschen überhaupt treffen. Aber darum geht es hier auch gar nicht. Worum es wirklich geht, ist die Frage, ob man sein Glück einer Maschine anvertrauen oder der eigenen Intuition folgen soll.

Oona O’Leary (Emma Caulfield) sucht noch immer nach dem Richtigen. Denn selbst die Anzeige ihres Timers, ein Gerät, das - einmal am Handgelenk befestigt - den Countdown bis zum Treffen mit dem Seelenverwandten anzeigt, bleibt leer. Heißt: Ihr Mr. Right hat noch keinen Timer. Als sie den Supermarkt-Kassierer Mikey trifft, will Oona etwas ändern. Erst will sie nur einen One Night Stand, dann aber das ganze Paket. Aber kann die Liebe funktionieren, wenn der Timer sich raushält?

In Zeiten, in denen Menschen ohne ihr Smartphone und das Navi vollkommen aufgeschmissen sind, ist die Idee eines solchen Timers so abwegig nicht. Er nimmt eine der großen Bürden des Lebens ab, ersetzt sie aber zugleich mit einer neuen. Denn was soll man in der Zwischenzeit tun, wenn der Timer noch Jahre anzeigt? Die Frage, die sich stellt, ist, ob man sich zum Sklaven dieser Uhr macht oder sein Leben einfach lebt.

Schaeffer bietet im Grunde beide Varianten an. Er hat das Ensemble so gestaltet, dass es ein Pro und ein Contra für den Timer gibt. Es ist freier Wille gegen Schicksal, die sich hier gegenüberstehen, wobei der Film den Mut findet, zu unangenehmen Ergebnissen zu kommen. Denn Schaeffer verweigert ein kristallklares Happyend, wie man es anhand der Geschichte erwartet hätte. Er fügt eine letzte Szene hinzu, die auf den Kopf stellt, wie man diese Geschichte wahrnimmt. Unser filmerprobtes Herz weiß, wie sich Oona entscheiden soll, wie sie sich entscheiden muss, aber das weiß Schaeffer auch - und entscheidet sich für einen anderen Weg. Das mag auf den ersten Blick irritieren, da der Film urplötzlich eine Art von Technikhörigkeit predigt, die vorher zumindest angezweifelt wurde, aber der Logik der Geschichte folgend, ist dies das einzig wahrhaftige Ende.

Es entspricht dem, wer diese Figuren sind. Und mehr noch, wer sie nicht sind, denn eine Beziehung muss mehr als nur auf körperlicher Anziehung basieren. Darum ist Oonas Entscheidung, ist der Epilog, die einzige Möglichkeit, der Geschichte gerecht zu werden.

Dies ist eine kleine Independent-Perle, die in warmen Farben gehalten ist. Andrew Kaisers an Spieluhren erinnernde Musik wirkt erstaunlich beschwingt und trägt dazu bei, dem Film eine märchenhafte Note zu verleihen.

TiMER

Was wäre, wenn die Suche nach dem oder der Richtigen einfach von selbst geschehen würde? Wenn man wüsste, wann man seinen Seelenverwandten findet? Wenn das Happyend vorausbestimmt ist und man es nur abwarten muss? Dann wäre das Leben doch um so vieles leichter. Oder nicht?
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