Supremacy

Supremacy

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Schauspielerisch beeindruckend

Tully saß 15 Jahre im Gefängnis. Als er rauskommt, ist er ein freier Mann – für einen Tag! Noch am selben Tag bekommt er eine neue Waffe, überfällt einen Laden und dreht durch, als der Wagen von einem Polizisten aufgehalten wird. Tullys Wut entlädt sich, ebenso wie das Magazin seiner Pistole. Zurück bleibt ein Toter und es beginnt eine groß angelegte Polizeiaktion.
Tully und seine Begleiterin verstecken sich im Haus der schwarzen Familie Walker. Die Emotionen kochen hoch, während der Druck immer höher wird. Die Möglichkeit zur Flucht wird immer mehr eingeschränkt – und Tully weiß nicht mehr, was er machen soll.

Supremacy ist kein American History X, es geht – dem Cover zum Trotz – nicht um eine Bestandsaufnahme der Neonaziszene. Es geht aber doch um einen Mann, in dem zumindest der Keim der Änderung gepflanzt wird. Nur dass es hier kein Happy End gibt, keines geben kann, weil das, was zuvor gekommen ist, jedwede Chance darauf sofort negiert. Der Film folgt geradlinig dem Absturz eines Mannes, der Selbstdemontage eines Ariers, der nach 15 Jahren Gefängnis nur noch Hass und Wut kennt. Wieder frei, kann er sich nicht sofort davon freimachen – und das ist sein Untergang.

Joe Anderson spielt das mit einer rohen Intensität. Seine Darstellung ist pure Emotion. Er ist ein Verbrecher, auch ein Mörder, aber Anderson gelingt es, auch Sympathie für seine Figur zu wecken. Weil Tully kein tumber Idiot ist. Er zitiert nicht nur Hitler, sondern auch Buddha, er weiß, dass Ignoranz nirgendwohin führt, kurz: Er ist ein Mann, der an seinem Leben ganz woanders stehen könnte, wenn die eine oder andere Weiche anders gestellt worden wäre. Das ist die Stärke des Films, der ganz und gar auf die Figur Tully konzentriert ist. Er lebt geradezu von Andersons Spiel.

Auch die übrigen Schauspieler liefern exzellente Darbietungen, vor allem ist Danny Glover zu nennen, aber das Schauspiel geht nicht ganz einher mit der Geschichte. Es ist mächtig, wie sich Anderson und Glover die schauspielerischen Bonmots zuwerfen, aber generell gilt, dass die Figuren sich teils auf eine Art verhalten, die nicht natürlich und schon gar nicht authentisch erscheint. Die Geschichte wirkt konstruiert, aber nicht nur das: Problematisch ist auch, dass die Figurenentwicklung nicht immer stimmig ist. Vieles von dem, was an Tully fasziniert, ist vor allem Interpretationssache, weil der Film es nicht wagt, seine Ideen konsequent zu Ende zu denken.

Diesen Schwächen zum Trotz ist Supremacy dennoch packende Unterhaltung, weil alle narrativen Defizite durch das immense Spiel der Hauptdarsteller aufgewogen werden.

Supremacy

Tully saß 15 Jahre im Gefängnis. Als er rauskommt, ist er ein freier Mann – für einen Tag! Noch am selben Tag bekommt er eine neue Waffe, überfällt einen Laden und dreht durch, als der Wagen von einem Polizisten aufgehalten wird. Tullys Wut entlädt sich, ebenso wie das Magazin seiner Pistole. Zurück bleibt ein Toter und es beginnt eine groß angelegte Polizeiaktion.
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