Sternenjäger - Abenteuer Nachthimmel (2018)

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Wenn auch die letzten dunklen Flecke auf der Welt, an denen sich der klare Nachthimmel noch bewundern lässt, verschwunden sind – bleibt dann nur das Kino als Ort für die unendlichen Weiten des Alls? Und ist Sternenjäger der richtige Film, diese Frage zu stellen?

Sternenjäger - Abenteuer Nachthimmel (2018)

Eine Filmkritik von Lars Dolkemeyer

Menschen, Leben, Sterne, Welt

Egal wo wir auf der Erde stehen, weit über uns erstreckt sich der Nachthimmel, funkelnd schön in seiner Vielfalt. Das heißt natürlich nur, solange wir nicht in einer Großstadt stehen, oder in der Nähe einer Großstadt. Oder überhaupt in der Nähe von anderen Menschen. Fünf Sternenfotografen werden von fünf Filmteams in Sternenjäger – Abenteuer Nachthimmel begleitet, auf der Suche nach den letzten verlassenen Orten, an denen sich ohne Lichtverschmutzung ein unverstellter Blick in die Schwärze offenbart.

Mit den ersten Bildern erzählt Rufus Beck, der Off-Sprecher des Films, eine uralte, mythische Geschichte von der Entstehung des Himmels und der Erde. Die atemberaubenden Zeitraffer-Aufnahmen nächtlicher Himmel, die sich hinter einem scheinbar statischen Horizont hinweg drehen und diesen Einstieg begleiten, weisen die Richtung, die der Film einschlagen wird: Faszination, Magie und Mythen ranken sich um die Sterne und ihre Beobachter auf dem kleinen Planeten Erde. Wissenschaftler mögen versuchen, mit einer vorläufigen „Arbeitsvorstellung“, wie einer der fünf Sternenfotografen im Films es nennt, die unerklärbare Tiefe des Alls greifbar zu machen, doch das wahre Wesen des Nachthimmels offenbart sich erst in der einsamen Betrachtung, im Fallenlassen, in der Öffnung für den Sog der Unendlichkeit.

Zwischen den allzu vereinzelten Aufnahmen des Nachthimmels, die von den Protagonisten des Dokumentarfilms angefertigt werden, steht immer auch deren persönliche Faszination im Vordergrund: Was bewegt jemanden wie Bernd Pröschold, sich in die eisige Einsamkeit Norwegens zu begeben, um dort Aufnahmen der Sterne anzufertigen? Oder den nach Kanada ausgewanderten Japaner Yuichi Takasaka, dessen großer Traum es ist, einmal die Polarlichter zu fotografieren? Oder den deutschen Gernot Meiser, der mit seiner Partnerin überall auf der Welt nach Sonnenfinsternissen jagt und deswegen den Spitznamen Schattenmann trägt?

Immer wieder suchen die Protagonisten des Films dabei auch den Kontakt zu den Einheimischen der fernen Länder, die sie auf ihrer Suche nach der perfekten Aufnahme bereisen, um mit ihnen in einigermaßen gezwungenen Unterhaltungen am Lagerfeuer oder vor dem Kamin über die Sternenmythen ihrer Vorfahren zu sprechen. Was Sternenjäger dabei schmerzlich vermissen lässt, ist das Gespür für außergewöhnliche Figuren und außergewöhnliche Geschichten, das etwa Werner Herzog immer wieder an den Tag legt. So wiederholen sich die immer gleichen, nichtssagenden Sätze über den Nachthimmel schnell und verpassen es, die Faszination zu vermitteln.

Auf der anderen Seite lässt der Film aber auch seinen eigentlichen Protagonisten, um den alles andere – nun ja – kreist, zu wenig zu Wort kommen: den Nachthimmel selbst. Zu selten sind die Aufnahmen der Sterne zu sehen, zu oft stattdessen wenig beeindruckende Drohnen-Aufnahmen von den Landschaften, in denen die fünf einsamen Fotografen den perfekten Ort und den perfekten Zeitpunkt für ihre Aufnahmen suchen. 

Wenn der Film schließlich ausläuft, ohne so richtig eine Pointe bereitzuhalten, wird deutlich, wie disparat seine Linien sind und wie wenig sich daraus etwas zusammensetzen lässt: Ein paar exotische Mythenerzählungen, ein bisschen Sternbilder-Deuten, eine Handvoll persönlicher Geschichten unterdurchschnittlich gesprächig daherkommender Menschen, verhüllt von Gemeinplätzen (Wir sind alle nichts weiter als Sternenstaub!) und einer mitunter aufscheinenden Abneigung gegenüber der Naturwissenschaft. Was überdies ein großes Anliegen des Films hätte sein können, fällt irgendwann gänzlich aus dem Fokus: Die letzten Flecke nächtlicher Dunkelheit auf der Erde sind bereits jetzt schwer zu finden. Es mag ein Tag kommen, an dem nur ein dunkler Raum mit farbig bestrahlter Leinwand noch die leuchtende Schönheit des Nachthimmels zu zeigen vermag. Doch dafür sind in diesem Film am Ende auch die Bilder der Sterne selbst nicht ausreichend in Szene gesetzt.

Sternenjäger - Abenteuer Nachthimmel (2018)

Vor allem für Großstädter ist die Sternenvielfalt am Nachthimmel fast ein Mysterium. Zu sehr beeinträchtigen Licht- und Luftverschmutzung die Sichtweite in die nächtlichen Höhen des Himmels. "Sternenjäger - Abenteuer Nachthimmel" begleitet fünf Sternenfotografen auf ihrer Reise zu den abgelegensten Orten der Welt, um uns von dort das Abenteuer Nachthimmel wieder greifbar zu machen.

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Meinungen
Ute Stritzinger · 17.06.2018

Ich hätte den Film als wunderschön empfunden, wenn ich auch wenigstens einmal die Stille, von der so oft gesprochen wurde, erleben hätte können. Diese Technomusik hat mich oft sehr gestört, hat den Eindruck der imposanten Bilder oft erdrückt, mich geradezu aus meiner Versunkenheit herausgerissen hat. Weniger wäre mehr gewesen - wo blieb die Stille? Es gibt noch Menschen, die keine Angst vor der Stille haben. Der Film hätte genug Gelegenheit gegeben, um endlich sie wahrnehmen zu können. Leider durfte ich das nicht. Schade, der Film wäre es wert gewesen, zumindest Musik mit richtigen Instrumenten unterlegt zu werden - ohne Synthetik-Laute. Ansonsten habe ich den Film genossen.

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