Stadt der Toten

Stadt der Toten

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Amerikanische Gotik

Stadt der Toten beginnt wie auch Mario Bavas Die Stunde, wenn Dracula kommt mit dem Aufgreifen und dem Töten einer Hexe. Der Übergang zwischen Vergangenheit und Gegenwart in Form von Christopher Lees mit großer Theatralik dargebotenem „Burn, Witch, Burn. Burn. Burn. Burn“ ist exzellent gelöst und bringt die Handlung in Gang.
Vor mehr als 250 Jahren wurde die Hexe Elizabeth Selwyn in der in Massachusetts gelegenen Stadt Whitewood als Hexe verbrannt. In der Gegenwart wird eine junge Studentin, Nan Barlow, von ihrem Professor ermutigt, die Stadt zu Recherchezwecken zu besuchen. Sie folgt dem Rat von Professor Driscoll und nimmt sich in Whitewood ein Zimmer im Raven’s Inn. Schnell bemerkt Nan, dass die Menschen von Whitewood sich eigenartig benehmen. Sie geht der Sache auf den Grund, zahlt dafür jedoch den ultimativen Preis. Nans Bruder Richard und ihr Freund Bill machen sich Sorgen, als sie nicht zurückkehrt. Darum fahren sie getrennt voneinander nach Whitewood und suchen nach ihr.

Der schwarzweiße Film kann schon in den ersten Minuten, die im Dorf Whitewood spielen, mit viel Stimmung überzeugen. Überhaupt sind es die exzellenten Bilder, die Llewelyn Moxey zusammen mit seinem Kameramann Desmond Dickinson entwarf, die sofort in den Bann ziehen. Der vollständig im Studio gedrehte Film ist bei den Szenen im College und Barlows Haus hell ausgeleuchtet, womit sich ein extremer Kontrast zu den Whitewood-Sequenzen ergibt, in denen Licht nur peripher vorzukommen scheint. In Whitewood selbst gibt es auch Außenszenen, doch auch diese wurden direkt im Studio gedreht.

In praktisch jeder Einstellung gelingt es, hier ein Gefühl der Bedrohung aufzubauen, beginnend beim Nebel, der sich durch die Straßen zieht, und endend mit den wenigen Menschen, die durch Whitewoods Straßen ziehen und erstarren, wenn sie einen Fremden erblicken. Hier erzeugt der Film eine enorm surreale Stimmung, der das Studioambiente inklusive des Filmnebels sehr entgegen kommt. Die Stadt wirkt wie aus einem bösen Traum, unwirklich, ungreifbar, nebulös.

Stadt der Toten verlässt sich nicht nur auf die Atmosphäre, sondern nutzt auch Klischees – zumindest nach heutigen Maßstäben. Hier fällt etwa der Mann ein, der die unglückselige Nan vor Whitewood warnt, oder der von Valentine Dyall gespielte Jethrow Keane, der mit noch tieferer Stimme als Christopher Lee per Anhalter mit den Opfern in spe mitfährt – nur um in Whitewood selbst von einem Augenblick auf den anderen zu verschwinden. Dies sind Szenen, die gerade heutzutage ein wenig zum Schmunzeln anregen. Und es sind auch Szenen wie jene, in der Nan ihrer Vermieterin Mrs. Newless davon vorliest, wie der Hexenzirkel dem künftigen Opfer im Vorfeld einen persönlichen Gegenstand geraubt hat, nur um dann unvermittelt nachzufragen, ob sie ihr Armband gesehen hätte, bei denen man sich ein Zähneknirschen nicht verkneifen kann.

Wegen Momenten wie diesen ist Stadt der Toten auch kein großer Klassiker des Genres geworden, aber er ist ein nichtsdestotrotz effektiver Film, der auch und vor allem durch das grandiose, sehr expressionistisch angehauchte Finale überzeugen kann, bei dem die Teufelsanbeter durch den Schatten des Kreuzes in Flammen aufgehen.

Christopher Lee höchstpersönlich war sehr angetan von diesem Film und bezeichnete ihn, recht passend, als „an American Gothic with a Lovecraftian Flavour“. Stadt der Toten hat ein paar logische Schwächen, bügelt diese jedoch durch die stimmungsvolle Zurschaustellung der Geschichte aus und hält das Interesse des Zuschauers Dank knackiger Kürze und hohen Spannungslevels bis zum finalen Moment, der einen Bogen zum Anfang des Films schlägt.

Stadt der Toten

„Stadt der Toten“ beginnt wie auch Mario Bavas „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ mit dem Aufgreifen und dem Töten einer Hexe. Der Übergang zwischen Vergangenheit und Gegenwart in Form von Christopher Lees mit großer Theatralik dargebotenem „Burn, Witch, Burn. Burn. Burn. Burn“ ist exzellent gelöst und bringt die Handlung in Gang.
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