Some Velvet Morning

Some Velvet Morning

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Liebe kann so grausam sein

Neil LaBute hat als Theaterautor begonnen. Er interessierte sich in seinen Stücken immer um Menschen, gerade auch um deren abgründigere Seiten, um die Negativität, die sich in normale Leben einschleicht, um Konflikte, die brodeln und irgendwann ausbrechen. Seine Figuren sind oft grausam, nicht in dem, was sie tun, sondern dem, was sie sagen. Im Kino konnte er diese Stärken nur bedingt ausspielen. Gerade in den letzten Jahren waren seine Filme eher enttäuschender Natur. Umso schöner, dass er nun mit Some Velvet Morning zu alter Form zurückfindet.
Velvet (Alice Eve) öffnet die Tür. Davor steht Fred (Stanley Tucci), ihr Liebhaber, den sie seit vier Jahren nicht mehr gesehen hat. Er hat seine Frau verlassen und möchte nun die alte Beziehung zu Velvet neu aufleben lassen. Sie ist perplex, eigentlich muss sie längst weg, aber sie lässt sich auf ein Gespräch ein, das immer mehr von Obsessionen geprägt ist.

LaBute präsentiert hier ein Kammerspiel mit zwei Schauspielern. Es ist praktisch ein Theaterstück, das er mit einfachen filmischen Mitteln präsentiert, diese aber nie in den Vordergrund rückt. So gibt es auch Momente mit statischer Kamera, wenn er minutenlang auf seine beiden Hauptdarsteller draufhält und diese einfach spielen lässt.

Die Chemie zwischen Tucci und Eve ist vorhanden, die Spannungen sind es ebenso. Es ist eine ungewöhnliche Situation, in der LaBute den Zuschauer hier manövriert. Er lässt ihn Mäuschen sein am Scheidepunkt zweier Leben, wenn buchstäblich alles möglich ist, es aber eigentlich enden soll. Denn in dem in Echtzeit präsentierten Film will Velvet ihren ehemaligen Liebhaber mit schönen, mit sanften Worten dazu bringen, es sich noch einmal zu überlegen, ob er seine Frau wirklich verlassen will. Was sie damit erreicht, ist ihn aufbrausender und zorniger zu machen.

Man spürt, dass die Situation eskalieren wird. Was anfangs eine erkenn- und fühlbare Nähe ist, die zwischen beiden Figuren herrscht, wird von Minute zu Minute gespannter, weil der eine nicht bekommen kann, was die andere nicht zu geben bereit ist. LaBute führt diese Geschichte auf einen dramatischen Höhepunkt zu, der überzogen erscheinen mag. Der Zuschauer fragt sich, ob dies so wirklich passieren würde, wenn zwei Menschen sich nach so langer Zeit wiedersehen. Man fühlt sich etwas unwohl, nicht nur wegen dem, was man sehen muss, sondern auch, weil man das Gefühl hat, LaBute würde sich hier irgendwelchen Konventionen unterwerfen.

Aber weit gefehlt. Am Ende zaubert er ein Kaninchen aus dem Hut, das alles auf den Kopf stellt, das den Zuschauer zwingt, die gesamte Geschichte zu hinterfragen, das alles auflöst und doch mit einem nachdenklichen Moment endet, der auch im Kopf des Publikums noch lange nachwirkt.

Some Velvet Morning

Neil LaBute hat als Theaterautor begonnen. Er interessierte sich in seinen Stücken immer um Menschen, gerade auch um deren abgründigere Seiten, um die Negativität, die sich in normale Leben einschleicht, um Konflikte, die brodeln und irgendwann ausbrechen. Seine Figuren sind oft grausam, nicht in dem, was sie tun, sondern dem, was sie sagen.
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