Passion Play

Passion Play

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein modernes Märchen im Gangster-Milieu

Zweifellos hat der alternde Jazz-Trompeter Nate Poole (Mickey Rourke) bessere Tage erlebt, doch nun hangelt sich der ehemalige Junkie recht trostlos an kleinen Gigs entlang, obwohl er offensichtlich bei Frauen noch recht erfolgreich landen kann. Doch genau dieser Umstand wird ihm zum Verhängnis: Als Nate sich mit der Frau des kriminellen Geschäftsmannes „Happy“ Shannon (Bill Murray) einlässt, wird er von dessen Schergen in die Einöde verschleppt, um dort eliminiert zu werden. Doch bevor der tödliche Schuss fällt, wird Nate von einem plötzlich auftauchenden Krieger gerettet.
Im Niemandsland der Wüste stößt er bald darauf auf eine seltsame Schaustellertruppe, die ihren Gästen im Inneren eines Zeltes das Erlebnis von Himmel und Hölle verheißt. Auch wenn Nate nur telefonieren will, trifft er dort auf die äußerst anmutige Lily Luster (Megan Fox), die in einem Glaskasten als beflügelter Engel ausgestellt wird, und nach der Show sucht er sie in seinem Wohnwagen auf, wo sie ihm nach anfänglicher Abwehr einen Drink spendiert. Fasziniert stellt Nate fest, dass die Flügel am Rücken dieser Vogel-Frau, wie sie sich selbst nennt, tatsächlich angewachsen sind, und aus einem spontanen Impuls heraus bietet er ihr an, mit ihm zu kommen, was Lily jedoch ablehnt, obwohl sie offensichtlich unglücklich mit ihrer Situation ist.

Dass die mysteriöse Schönheit sich letztlich doch in rasanter Flucht mit dem Fremden auf den Weg macht, liegt an der Zudringlichkeit ihres eifersüchtigen Gönners Sam Adamo (Rhys Ifans), der Nates Annäherungsversuche so gar nicht dulden will. Plant Nate auch zunächst, seine neue Gefährtin Lily als Sensation an den immer noch gegen ihn aufgebrachten Shannon zu verhökern, gestaltet sich die Situation nach einer innigen Liebesnacht der beiden vollkommen anders. Doch der skrupellose Shannon ist es gewohnt, zu bekommen, was immer er wünscht, und so ist es nur eine Frage der Zeit, dass er Lily in seine Gewalt bringt, die gute Miene zu dem üblen Spiel macht, um Nate zu schützen …

Vordergründig als recht unspektakulärer Krimi mit einer außergewöhnlichen kleinen Liebesgeschichte inszeniert stellt Passion Play im Grunde ein romantisches, modernes Fantasy-Märchen im Gangster-Milieu dar, das innerhalb seiner schlichten Geschichte auf mythische Überhöhungen und Spekulationen verzichtet. Ohne nähere Erklärungen nehmen die Ereignisse ihren Lauf, bis das überraschende Ende das gut gehütete Geheimnis der Dramaturgie in einem märchenhaften Finale enthüllt, das eine völlig neue Perspektive auf den Handlungsverlauf eröffnet und einmal mehr betont, dass es in diesem Film letztlich nicht um Spannung oder Konflikte geht, sondern um ganz leise Stimmungen und Sehnsüchte der menschlichen Kreatur, die sich Rettung und Geborgenheit erhofft.

Wenn die Charaktere der Figuren dieses ungewöhnlichen Dramas auch in reduktionistischer Einfachheit präsentiert werden, ensteht durch die überwiegende Langsamkeit ihrer Entwicklung doch eine berührende Intensität. Mickey Rourke beeindruckt auch hier als großer Melancholiker, und Bill Murray lässt sich zunehmend zu ebensolchen Tendenzen hinreißen. Auch die weiblichen Protagonistinnen überzeugen durch ihr engagiertes Spiel: Neben Megan Fox als sensible Flügel-Frau ist Kelly Lynch als treue Freundin des abgetakelten Jazz-Trompeters von jener Art zu sehen, die sich jeder nur wünschen kann. Auch in dieser Darstellung kommt erneut das Motiv der Unterstützung, der Wärme und schließlich der Rettung zum Ausdruck, das bei atmosphärisch stimmiger und ansprechend tragischer Musik von Dickon Hinchliffe den ganzen Film durchzieht.

Auch wenn Passion Play ein paar kleine dramaturgische Schwächen aufweist, die ebenfalls mit dem pfiffigen wie rührenden Schluss relativiert werden, hat der US-amerikanische Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent Mitch Glazer mit seinem Regiedebüt zwar einen gewaltigen kommerziellen Flop, nichtsdestotrotz aber einen bewegenden, anregend anderen Film präsentiert, dessen sensible Weichheit mitunter von derbem Gangster-Jargon flankiert wird: Ein schlichter, romantischer Streifen mit gutem Gespür für existenzielle menschliche Sehnsüchte, deren Imagination eine Geschichte erschafft, deren Erschließung sich jenseits oberflächlicher Betrachtungen ereignet.

Passion Play

Zweifellos hat der alternde Jazz-Trompeter Nate Poole (Mickey Rourke) bessere Tage erlebt, doch nun hangelt sich der ehemalige Junkie recht trostlos an kleinen Gigs entlang, obwohl er offensichtlich bei Frauen noch recht erfolgreich landen kann.
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