Mekong Rush - Renn um dein Leben

Mekong Rush - Renn um dein Leben

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Dr. Lake auf der Flucht

Gute Absichten bringen manchmal schlimme Ereignisse hervor. Diese Erfahrung macht auch der eigentlich tugendhafte Protagonist im Spielfilmdebüt des kanadischen Regisseurs und Drehbuchautors Jamie M. Dagg, das 2015 beim Filmfestival von Toronto seine Uraufführung feierte. Mekong Rush – Renn um dein Leben erweist sich als inhaltlich selten origineller, allerdings atmosphärisch dichter Thriller, der mit einem starken Hauptdarsteller auftrumpfen kann. Geschaffen hat Dagg sicherlich kein Werk für die Ewigkeit, sehr wohl aber eine weitestgehend überzeugende Kostprobe seines inszenatorischen Könnens.
Fernab seiner amerikanischen Heimat, die ihm nicht mehr viel zu bieten hat, arbeitet Dr. John Lake (Rossif Sutherland, der Sohn von Kino-Veteran Donald Sutherland) für eine NGO in Laos und reibt sich tagein, tagaus für die dortige Bevölkerung auf. Als er bei einem Notfall die Anweisungen seiner Vorgesetzten (Sara Botsford) missachtet, wird er für einige Wochen vom Dienst freigestellt und auf einen Erholungsurlaub geschickt. Den passionierten Arzt verschlägt es auf eine Insel im Süden des Landes, wo er in einer Bar zwei englischsprachigen Männern begegnet, die sich mit einheimischen Frauen bei einem Trinkgelage amüsieren. Als sich der stark alkoholisierte John mitten in der Nacht auf den Heimweg macht, wird er auf einen der beiden Touristen (Aiden Gillett) aufmerksam, der offensichtlich gerade eine junge Laotin vergewaltigt hat. Es kommt zu einer wilden Prügelei. Und kurz darauf liegt der Unbekannte, bei dem es sich um den Sohn eines australischen Senators handelt, tot im Fluss, während der Arzt panisch das Weite sucht. Nach dem Fund der Leiche am nächsten Morgen muss sich der merklich derangierte John einem polizeilichen Verhör unterziehen, ergreift aus Angst vor den laotischen Behörden aber die erstbeste Gelegenheit zur Flucht.

Mit seiner Prämisse – ein US-Staatsbürger wird im Ausland zum Gejagten – reißt der Thriller sicher niemanden vom Hocker. Gleichzeitig dreht Dagg jedoch an kleinen Stellschrauben, die der Geschichte immerhin ein wenig Eigenständigkeit verleihen. John, der überdeutlich als Helfer und Gutmensch eingeführt wird, ist keiner dieser in vielen Filmen anzutreffenden Amerikaner, die in einer fremden, weniger modernen Umgebung ignorant und überheblich auftreten. Vielmehr pflegt er einen höflichen bis freundschaftlichen Umgang mit der einheimischen Bevölkerung und parliert sogar – zumindest in der Originalfassung – in fließendem Französisch. Eine Sprache, die aufgrund der kolonialen Vergangenheit des Landes noch immer eine gewisse Rolle spielt. Angesichts seines integren Charakters ist es umso tragischer, dass dem jungen Arzt seine Hilfsbereitschaft und Zivilcourage plötzlich zum Verhängnis werden.

Was den Fluchtverlauf betrifft, arbeitet das Drehbuch bevorzugt mit Standardsituationen – etwa einer überraschenden Buskontrolle – und einigen soliden Wendungen, die jedoch keine große Innovationskraft erkennen lassen. Dass die Hetzjagd dennoch halbwegs spannend ausfällt, ist zum einen Rossif Sutherland zu verdanken, der die Panik und Überforderung des Mediziners mit jeder Faser seines Körpers spürbar macht. Seine Performance lässt den Zuschauer die Daumen drücken, obwohl sich John – bei Licht betrachtet – der Verantwortung für sein Handeln entziehen will. Großen Anteil an der eindringlichen Wirkung des Films hat nicht zuletzt Adam Marsden, dessen äußerst agile Handkamera schon sehr früh eine fiebrige Stimmung evoziert. Zusammen mit einem treibend-unheilvollen Score und dem lokalen Kolorit – gedreht wurde an Originalschauplätzen – entsteht eine vibrierende Spannung, die zwar gelegentlich etwas nachlässt, den kleinen, rauen Thriller aber über weite Strecken trägt. Der letzte Akt, der eine andere Richtung einschlägt, verhandelt thematisch interessante Aspekte, erscheint – gerade vor dem Hintergrund der finalen Wendung – allerdings zu stark gerafft. Als Kontrast zum nervenaufreibenden Mittelteil hätte Dragg die hier stattfindende Entwicklung ruhig noch etwas genauer unter die Lupe nehmen können.

Mekong Rush - Renn um dein Leben

Gute Absichten bringen manchmal schlimme Ereignisse hervor. Diese Erfahrung macht auch der eigentlich tugendhafte Protagonist im Spielfilmdebüt des kanadischen Regisseurs und Drehbuchautors Jamie M. Dagg, das 2015 beim Filmfestival von Toronto seine Uraufführung feierte. „Mekong Rush – Renn um dein Leben“ erweist sich als inhaltlich selten origineller, allerdings atmosphärisch dichter Thriller, der mit einem starken Hauptdarsteller auftrumpfen kann.
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