Man to Man - Berlinale Wettbewerb 2005

Man to Man - Berlinale Wettbewerb 2005

Entäuschender Auftakt

Es ist schon auffällig, dass in den letzten Jahren stets Abenteuerliches und Entdeckungsreisen das grundlegende Thema eines jeden Berlinale-Eröffnungsfilmes waren — erinnert sei hier an Cold Mountain. Auch in diesem Jahr war es ein Werk dieses Genres, das — so wohl die Absicht der Programmmacher — das geneigte Publikum auf die zehntägige Entdeckungsreise ins Land der Filme aufmerksam machen wollte — Man to Man von Régis Wargnier. Doch wie bereits bei Cold Mountain, so beherrschte auch dieses Jahr nach dem Auftaktfilm Enttäuschung das Parkett.

Begleitet von der attraktiven Abenteurerin und Leiterin der Expedition Elena van den Ende (Kristin Scott Thomas) und den Jägern eines Eingeborenenstammes durchstreift der schottische Anthropologe Jamie Dodd (Joseph Fiennes) den zentralafrikanischen Tropenwald auf der Suche nach einer seltenen Spezies, die nach den Theorien Charles Darwins den Missing Link zwischen Mensch und Affe darstellen soll. Als er schließlich auf einen Stamm Pygmäen stößt, wähnt sich der Forscher am Ziel seiner wissenschaftlichen Träume und fängt zwei „Exemplare“ wie wilde Tiere ein, um sie per Schiff nach Europa ins unwirtliche Schottland zu bringen. zu bringen

Zuhause wird das „Studienmaterial“ bereits sehnsüchtig erwartet, denn Jamies Kollegen Auchinleck und MacBride sehen in den beiden Pygmäen in erster Linie eine Stufe auf der wissenschaftliche Karriereleiter.

Doch bald entdeckt Jamie Todd an den Pygmäen Toko und Likola menschliche Züge und so setzt er alles daran, deren unwürdige Lebensumstände zu verbessern und die beiden zu befreien, was für ihn aber definitiv den Abschied von seiner hoffnungsvollen wissenschaftlichen Karriere bedeutet. Doch Jamie kann nicht anders…

Die gut gemeinte Botschaft der Menschlichkeit und des gegenseitigen Verstehens des jeweils Anderen in einem ignoranten gesellschaftlichen Klima kam wohl an beim Publikum, allerdings hinterließ der Film trotz unbestreitbar großer und wichtiger Themen keinen guten Eindruck. So plötzlich und unmotiviert kam die Wandlung des Anthropologen Jamie vom Saulus zum Paulus daher, und das Drehbuch geriet reichlich dünn, so dass – zugegebenermaßen – nett anzusehende Bilder gegen die Schwächen der Story ankämpften. Was ein flammender Appell an Mitmenschlichkeit und ein Fanal gegen Rassismus und Ignoranz hätte werden können, versandete am Schluss in relativer Bedeutungslosigkeit und ließ die Zuschauer ratlos bis enttäuscht zurück. Dazu passt dann auch die Nachricht, dass der Film bislang keinen deutschen Verleih gefunden hat. Nach der Ernüchterung, die die Premiere hinterließ, ist es fraglich, ob sich das ändert. Einen Trost immerhin gibt es: Die Möglichkeit zur Steigerung ist definitiv gegeben. Und das ist auch ein Abenteuer…

Man to Man - Berlinale Wettbewerb 2005

Es ist schon auffällig, dass in den letzten Jahren stets Abenteuerliches und Entdeckungsreisen das grundlegende Thema eines jeden Berlinale-Eröffnungsfilmes waren — erinnert sei hier an Cold Mountain.

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Meinungen
· 15.04.2005

Die vernichtenden deutschen Kritiken sind z.T. eine Frechheit und z.T. von unterstem Niveau. Die, welche sich Filmkritiker nennen, kommen mit Ausdrücken wie "zum Kotzen", "hat sich 'ne Perücke übergestülpt","hat das Set mit der Theaterbühne verwechselt"...u.s.w.
Was sind das für Leute?
Es geht um etwas ganz anderes. Man sollte dem Zuschauer seine Mündigkeit zur Interpretation nicht nehmen. Solche Kritiker brauchen wir nicht. Eine Schande solche Kritiken in solch' einer Wortwahl zu schreiben - damit schadet man nicht nur sich selbst.
Ich sah den Film heute in Frankreich. Die frz. Kritiken sehen zum Glück anders aus. Ob das am "Heimvorteil" von Wargnier liegt, mag ich doch sehr bezweifeln. Mich als Anthropologe hat der Film sehr berührt. Er überläßt dem Zuschauer die Interpretation, stellt keine Schilder auf, ganz nach Wargniers Intention und die der Akteure. Ich reflektiere noch immer. Ein herausragender Film.

Kommentare

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