Kiss and Run

Kiss and Run

Eine Filmkritik von Gesine Grassel

Jenseits der Spaßgesellschaft

Kiss and Run geht ein erfolgversprechender Ruf voraus: Bestes unverfilmtes Drehbuch auf der Berlinale 2000, Silver Award in der Kategorie Comedy beim Filmfestival Houston 2003 und ein Grimme-Preis 2005 für Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller. Nach all diesen Auszeichnungen kommt der Film über das Leben in einer Frankfurter Plattenbausiedlung jetzt bundesweit in die Kinos.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Emma (Maggie Peren), eine junge erfolglose Schauspielerin. Da sie einfach kein Engagement bekommt, jobbt sie seit viel zu langer Zeit in einer Videothek mit verklebten Scheiben. Beim Sortieren der Hollywoodblockbuster fühlt sie sich wenigstens ein bisschen als Teil des Geschäfts. Emma wartet auf die große Rolle, träumt von Oscars und Dominik Schwarz, dem deutschen Robert DeNiro. Eines Morgens bleibt sie mit ihrem alten Freund Max (Ken Duken) im Fahrstuhl stecken. Sie verpasst ein Casting und fasst den Entschluss, dass sich in ihrem Leben etwas ändern muss. Wenig später erfährt sie, dass auch die Videothek geschlossen werden soll. Max, der ständig in der Videothek und bei Emma rumhängt, denkt auch den ganzen Tag an Videos. An Sex-Videos. Mit seinen Kommentaren vergrault er auch die hartgesottensten Kunden. Emma und Max sind wir Bruder und Schwester. Allmählich fängt es aber an zwischen ihnen zu knistern.

Ganz andere Probleme haben Christo (Hinnerk Schönemann) und Malia (Anja Herden). Zwei Wochen vor ihrer Hochzeit läuft bei den beiden im Bett gar nichts mehr und sie zweifeln am Partner. Malia hat Schreckensvisionen von Christo als Opa, der mehr für seine Schildkröten empfindet als für sie. Christo dagegen hat regelmäßig Alpträume, in denen er mit einer gesichtlosen Frau Sex hat. Die beiden können über diese Ängste nicht miteinander sprechen. Da muss erst Max als Orakel einspringen. Noch weniger Sex, nämlich gar keinen, haben Banu (Michael Munteanu) und Leo (Martin Kiefer). Die beiden sechzehnjährigen Jungs versuchen alles, um die Mädchen des Viertels auf sich aufmerksam zu machen. Mit mäßigem Erfolg. Da ändert auch der Menstrip in der Waschküche nichts. Die Objekte der Begierde, Jeanette (Karoline Schuch) und Nicole (Tamara Samonte) haben nur die älteren und cooleren Jungs im Kopf.

Die Geschichte umfasst einen Tag und die Nacht, in der Emma 25 wird. Als die Freunde schon die Kerzen angezündet und den Sekt verteilt haben, schlägt die Uhr Mitternacht. Von Emma ist weit und breit nichts zu sehen.

Kiss and Run ist ein kurzweiliger und mit frechen, originellen Dialogen gespickter Film, der in keine Schublade passen möchte. Ängste, Glück, Alttagsprobleme und die Sehnsucht nach einem vermeintliche besseren oder anderen Leben treiben die Personen durch die Schluchten der Hochhäuser. Der Blick von Regisseurin Annette Ernst geht dabei vom Individuum auf globale Themen. Ihr Spielfilmdebüt zeigt Menschen jenseits der Spaßgesellschaft, ohne dass es deprimiert. Ganz im Gegenteil: die Charaktere sind frisch und haben trotz aller Probleme Spaß am Leben. Ein kleiner Geheimtipp mit Darstellern, von denen einige den Weg nach oben im wahren Leben schaffen werden.
 

Kiss and Run

Kiss and Run geht ein erfolgversprechender Ruf voraus: Bestes unverfilmtes Drehbuch auf der Berlinale 2000, Silver Award in der Kategorie Comedy beim Filmfestival Houston 2003 und ein Grimme-Preis 2005 für Regie, Drehbuch und Hauptdarsteller.

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Meinungen
· 12.06.2005

voll der gute film!

maxi · 12.06.2005

sehr schoener film und tolle schuaspieler. Es werden einem alltaegliche probleme normaler menschen gezeigt und das in lustiger und unaufdringlicher art und weise.. me encantó!

Kommentare

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