Kill Billy

Kill Billy

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Entführung mit Redundanzen

In den letzten Jahren gibt es in der skandinavischen Komödie eine Tendenz zum lustigen alten Grantler, der auf eine Reise geht: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg wurde auf einen abenteuerlichen Trip geschickt, in The Grump verbreitet die Titelfigur während eines Besuchs bei seiner Schwiegertochter konstant schlechte Laune und nun kommt da noch Harold (Bjørn Sundquist) hinzu, der seit Jahrzehnten im norwegischen Åsane lebt und dort ein Möbelgeschäft hat.
Dann aber eröffnet direkt neben seinem Laden ein großer IKEA-Markt – und innerhalb von sechs Monaten ändert sich Harolds gesamtes Leben: Sein Geschäft geht pleite, er muss die darüber liegende Wohnung verlassen und seine demente Frau in ein Pflegeheim geben, in dem sie noch vor ihrem Einzug stirbt. Daraufhin will sich Harold das Leben nehmen, verteilt sorgsam Möbelpolitur im Laden und auf seinem Körper, zündet es an – doch ehe er sich versieht, geht die Sprinkleranlage an und er scheitert abermals. Also greift er kurzerhand zu einem alternativen Plan: Nach einem kurzen Besuch bei seinem Sohn Jan (Vidar Magnussen), der in Oslo als Journalist arbeitet, will er nach Schweden reisen und den IKEA-Gründer Ingvar Kamprad entführen. Denn schließlich ist der irgendwie für einen Gutteil des Elends verantwortlich.

Damit beginnt in Gunnar Vikenes Film Hier ist Harold nach einem Roman von Frode Grytten eine turbulente Reise, die insbesondere in dem ersten Drittel durch Tragikomik besticht. Harold ist nicht einfach nur ein unterhaltsam-naiver Geschichtenerzähler oder ein grantiger Alter, sondern mit seinem Geschäft und seiner Frau Marny (Grethe Selius) verliert er gewissermaßen sein gesamtes Leben. Er fühlt sich schuldig an ihrem Tod, da er ihr einst versprochen hat, sie müsse nicht in ein Pflegeheim – und doch brachte er sie letztlich genau dorthin. Um dieses zu verarbeiteten, entschließt er sich zu der Entführung, ohne sie auch nur im Ansatz zu durchdenken. Deshalb gibt es zwar komische Elemente wie Harolds uralten Saab, mit dem er seine Reise beginnt. Aber diese Rostlaube ist nicht einfach nur ein Beispiel für Harolds Schrulligkeit, sondern hat einen konkreten Hintergrund: Sein neueres Auto musste er aus finanziellen Gründen verkaufen.

Der Einstieg in die Geschichte überzeugt durch eine sehr gute Mischung aus Tempo und Witz, die jedoch im Verlauf des Films nicht immer gehalten werden kann. Zum einen wird mit Harolds Besuch bei seinem Sohn ein Subplot etabliert – die Beziehung zwischen Eltern und Kindern –, der sich nicht vollends in den Film einfügt, zum anderen schleichen sich hier erste Längen ein, als es Harold nicht gelingt, seinem Sohn zu sagen, dass seine Mutter gestorben ist und zudem wiederholt auf die Wackligkeit eines jeden IKEA-Möbels verwiesen wird.

In der zweiten Hälfte des Films wird dann ersichtlich, warum Harolds Beziehung zu seinem Sohn eine Rolle spielt. Hier trifft er auf die 16-jährige Ebba (Fanny Ketter), die von zu Hause abgehauen ist, weil ihre Mutter mal wieder auf Sauftour gegangen ist, nachdem sie von ihrem aktuellen Freund verlassen wurde. Im Gegensatz zu Harolds Sohn, der kaum für sich selbst sorgen kann, muss sich Ebba noch um ihre Mutter kümmern. Zu einer Entwicklung kommt es jedoch nicht, so dass sie lediglich zu einer Komplizin wird, die Harold nicht wirklich gebraucht hätte.

Auch aus der Entführungssituation gewinnt der Film erstaunlich wenig. Die ersten Versuche sind insbesondere durch den kreativen Einsatz von Luftpolsterfolie unterhaltsam, in dem Moment jedoch, in dem die Entführung gelingt, weiß Gunnar Vikene mit der Situation nur wenig anzufangen. Stattdessen kommt es trotz einer Laufzeit von nur 87 Minuten zu Redundanzen, bei denen beständig auf Kamprads (Björn Granath) Sparsamkeit und seine Nazi-Vergangenheit verwiesen wird. Dadurch vergibt Vikene die Gelegenheit, eine fiktionalisierte Version des IKEA-Gründers zu entwickeln. Stattdessen bleibt er eine Karikatur, so dass er diesem Aufeinandertreffen zwischen dem auf Qualität bedachten, traditionellen Möbelhändler und dem Gründer eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt, der immer mehr Profite durch immer größere Einsparungen erzielt, wenig abgewinnt. Deshalb bleiben von Hier ist Harold vor allem ein sehr guter Anfang und einige lustige Momente in Erinnerung.

Kill Billy

In den letzten Jahren gibt es in der skandinavischen Komödie eine Tendenz zum lustigen alten Grantler, der auf eine Reise geht: "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg" wurde auf einen abenteuerlichen Trip geschickt, in "The Grump" verbreitet die Titelfigur während eines Besuchs bei seiner Schwiegertochter konstant schlechte Laune und nun kommt da noch Harold (Bjørn Sundquist) hinzu, der seit Jahrzehnten im norwegischen Åsane lebt und dort ein Möbelgeschäft hat.
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