Kabei

Kabei

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Berlinale 2008: Wettbewerb

Im Wettbewerb der Berlinale gab es bis auf einige Ausnahmen bislang viele traurige, erschütternde Filme zu sehen. Der japanische Beitrag Kabei von Yôji Yamada gehört auch dazu. Erzählt wird eine Familientragödie Anfang der 1940er Jahre am Stadtrand von Tokio.
Es ist die Geschichte von Kayo Nogami (Sayuri Yoshinaga), deren Ehemann Shigeru (Mitsugoro Bando) und Töchter sie liebevoll „Kabei“ nennen. Dies ist ein japanisches Kosewort für Mutter. Der Vater, auch genannt „Tobei“, ist Professor und Schriftsteller, die beiden Töchter gehen noch zur Schule. Die vier führen ein idyllisches Familienleben in einem dieser hübschen japanische Holzhäuser – bis der Vater eines Nachts von der Polizei abgeholt und inhaftiert wird. Er fällt in die Kategorie „thought criminal“, also jemand der für seine Gedanken weggesperrt wird, für seine staatsfeindlichen Gedanken. Er hat sich als Kommunist für den Frieden eingesetzt und das wurde in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, bevor Japan den USA und England den Krieg erklärt hat, als verräterisch eingestuft.

Während der Vater im Gefängnis Hunger, Kälte und Dreck ausgesetzt ist, zieht die Mutter ihre Töchter tapfer allein groß und unternimmt immer wieder aufs Neue den Versuch, endlich ihren Mann im Gefängnis zu besuchen. Unterstützung im Haushalt bekommt sie von ihrer hübschen Schwägerin Hisako und dem lauten, unangenehmen Onkel Senkichi, aber ganz besonders von Yamazaki Toru (Tadanobu Asano), einem ehemaligen Studenten ihres Mannes. Er kümmert sich liebevoll um die Töchter und das Haus und ist überhaupt immer dann da, wenn gerade ein Mann gebraucht wird. Er ist da, wenn die Stunden ohne den Vater zu lang werden, wenn Mutter und Töchter sehnsüchtig auf ihren „Tobei“ warten. Aber „Tobei“ kommt in diesem Leben nicht mehr zurück.

Die Geschichte ist eine Tragödie, doch anders als es uns Hollywood erzählen würde, inszeniert Yoji Yamada sie leise, gefühlvoll, unblutig. Jede Einstellung ist liebevoll arrangiert, mit der gleichen Hingabe mit der ein japanischer Garten gepflegt wird. Alles ist fließend, keine Szene zuviel. Und auch wenn der Film seine zwei Stunden dauert, wirkt er weder schwerfällig noch unangenehm episch.

Yôji Yamada hat in den vergangenen 45 Jahren rund achtzig Filme gedreht. Am bekanntesten ist vor allem seine Samurai-Trilogie, bestehend aus den Filmen Love and Honor (2006) The Hidden Blade (2004) und The Twilight Samurai (2002), die allesamt auf der Berlinale gezeigt worden. Dass jemand wie Yoji Yamada sein Handwerk versteht und perfektes, solides Kino machen kann, beweist er auch mit Kabei. Yamada hat Erfahrung, er ist ein Meister, von dem so viele Filmemacher, die mit einem Film auf dem Festival vertreten sind, sehr viel lernen können.

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Im Wettbewerb der Berlinale gab es bis auf einige Ausnahmen bislang viele traurige, erschütternde Filme zu sehen. Der japanische Beitrag Kabei von Yoji Yamada gehört auch dazu.
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