House Of Last Things

House Of Last Things

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Der Golfball als Apfelkern

Das Haunted-House-Subgenre ist in den letzten Jahren gründlich durchexerziert worden und hat sich dabei, bei aller Repetition, auch gründlich modernisiert; nach ganz klassischen Versuchen wie Ti Wests (übrigens großartigem) The Innkeepers kamen natürlich zwangsläufig die Found Footage-Streifen wie Paranormal Activity – keineswegs immer helle Lichter ihres Fachs. Aber auch Filme wie The Pact oder When the Lights Went Out machten aus den klassischen Spukgemäuern Alltagsgebäude mit zuweilen recht zweifelhafter Bauqualität.
Und auch das Haus in House of Last Things hat keine lange Geschichte. „Ein sehr junges Haus“, sagt eine der rätselhafteren Figuren des Films einmal. „1952 geboren. Und bereits so schrecklich depressiv.“ Dabei ist dann das Haus nur vages Zentrum des Geschehens, das sich vor den Augen der Zuschauer ausbreitet in einem Teppich von Momenten, scheinbaren und echten Kausalitäten und assoziativen Verbindungen.

Kelly (Lindsey Haun) soll für ein Ehepaar deren Haus in Portland hüten, während sie auf Reisen sind; ihr Freund Jesse (Blake Berris) und ihr Bruder Tim (RJ Mitte) nisten sich noch mit im Haus ein, aber schon bald kommt es zu seltsamen Ereignissen – die Badewanne läuft von selbst voll, ein Teppichmesser liegt darin; überall tauchen Golfbälle auf (einmal sogar im Kerngehäuse eines Apfels), Schlüssel liegen herum oder fallen aus dem Nichts herab. Gleichzeitig scheinen auch die eigentlichen Bewohner des Hauses unterwegs von seltsamen Erinnerungen und Halluzinationen verfolgt zu werden.

Der Hintergrund für diese Ereignisse und Wahrnehmungen ist am Ende nur Standardware des Gruselkinos und wird auch in großer Klarheit aufgelöst und ausgebreitet; aber für eine volle Stunde gelingt Michael Bartlett in seinem vierten Film (der erste nach fünfzehn Jahren Pause) etwas stellenweise Magisches: da flirren die nacheinander gezeigten Bilder in ein Mit- und Ineinander, verwirren sich die Geschichten, stetig wiederkehrenden Dinge und Motive (rote Äpfel, gelbe Luftballons usw.) zu einem traumartigen Bewusstseinsstrom, der seine ganz eigene Faszination ausstrahlt.

Dem Film dann bis ans Ende mit der gleichen Hingabe zu folgen, wird schwierig; denn sobald die Bilder expliziter sind (sobald also Blut auftaucht und Geister durchscheinend werden), verlieren auch Bartletts Schnitte und Gegenüberstellungen ihren Charme; zu schnell ahnt man dann auch, was es mit dem schweigsamen kleinen Jungen Adam (Micah Nelson) auf sich hat, den Jesse eines Tages eingeschleppt hat.

Das letzte Rätsel bleiben dann allenfalls noch die ersten Minuten von House of Last Things. Sie werden kurz vor Ende nochmals zitiert – und scheinen mit nichts in rechtem Zusammenhang zu stehen. Aber vielleicht ist auch das gewollt: Als Durchscheinen willkürlichen Lebens in der etwas zu sehr auf Sinnproduktion konzentrierten Fiktion.

House Of Last Things

Das Haunted-House-Subgenre ist in den letzten Jahren gründlich durchexerziert worden und hat sich dabei, bei aller Repetition, auch gründlich modernisiert; nach ganz klassischen Versuchen wie Ti Wests (übrigens großartigem) „The Innkeepers“ kamen natürlich zwangsläufig die Found Footage-Streifen wie „Paranormal Activity“ – keineswegs immer helle Lichter ihres Fachs.
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