Habermann

Habermann

Eine Filmkritik von Peter Gutting

In der Mühle des Zeitgeists

Ein deutscher Regisseur hätte diesen Film wohl kaum drehen können. Aber wenn ein Slowake wie der Routinier Juraj Herz von dem Unrecht erzählt, das den Sudetendeutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs widerfuhr, dann hat das einen anderen Stellenwert. Fern also von revanchistischen Gelüsten wird hier im Spielfilm ein Thema aufgegriffen, das bisher tabu war. Ein wichtiger Beitrag zur historischen Wahrheit, allerdings um den Preis plakativer Botschaften. Der Film erhielt den Bayerischen Filmpreis für die beste Regie und den besten Hauptdarsteller.
Der 76-jährige Juraj Herz erzählt von dem deutschen August Habermann (Mark Waschke), der in der Nazizeit ein Sägewerk und eine Mühle in einem sudetendeutschen Dorf betreibt. Der junge Mann fühlt sich sichtbar wohl in seiner Rolle als erfolgreicher Unternehmer, der das Herz am rechten Fleck hat und gute Freundschaften zu schätzen weiß. Seine Familie hat Wurzeln geschlagen im Sudetenland, schon der Urgroßvater hatte das Unternehmen aufgebaut. So ist die damalige (1937) Tschechoslowakei wie selbstverständlich Habermanns Heimat, ein Begriff wie das deutsche "Vaterland" für ihn nur eine überflüssige Kopfgeburt. Das Glück scheint perfekt, als Habermann die Tschechin Jana (Hannah Herzsprung) heiratet. Aber als die Nazis 1938 das Sudetenland "heim ins Reich" holen, gerät der angesehene Unternehmer zwischen alle Fronten. So fremd ihm die Ideologie der Nazis ist, so passiv bleibt er gegenüber dem tschechischen Widerstand, den Mitarbeiter seines Werks organisieren. Habermanns gesunder Menschenverstand, bislang ein verlässlicher innerer Kompass zum Erfolg, gerät ins Schlingern zwischen den Polen der Weltpolitik.

Es ist das große Verdienst von Habermann, dass der Film von der Vertreibung von drei Millionen Deutschen erzählt – und von den damit verbundenen Gewalttaten -, ohne den Terror der Nazis zu relativieren. Obersturmbannführer Koslowski (Ben Becker), der nach der Besetzung des Sudetenlandes durch die Nazis das Dorf terrorisiert, ist ganz klar ein Sadist, wie man ihn schon in vielen Filmen über die NS-Zeit gesehen hat – kein Befehlsempfänger, der nur seine Pflicht tut. Während hier also das Böse eindeutig lokalisiert ist, werden die Opfer dieses Regimes differenzierter gezeichnet. Habermann ist zwar ein aufrechter Menschenfreund, wird aber in Zeiten wie diesen zur tragischen Figur, die gegen ihren Willen Schuld auf sich lädt. Und im tschechischen Widerstand gibt es moralisch einwandfreie Märtyrer, aber auch Verräter und Menschen, die ihren egoistischen Vorteil suchen. So bereitet Juraj Herz den Boden für eine Betrachtungsweise, die das Unrecht an den Deutschen benennt, aber nicht auf dieselbe Stufe stellt mit dem Unrecht, das die Nazi-Schergen und ihre Mitläufer begangen haben.

Die packend und emotional erzählte Geschichte hat freilich da ihre Schwächen, wo im Dienste der historischen Ausgewogenheit die Szenen und Dialoge so angelegt werden, dass sie auf keinen Fall missverstanden werden können. Dann wandeln sich die Charaktere in Statthalter von Ideen, werden zu Marionetten der politischen Korrektheit. Die Filmfigur August Habermann ist eben nur zum Teil ein Charakter mit seinen ganz eigenen Stärken und Schwächen. Zum anderen Teil ist er der Nicht-Nazi, der wegen seiner Zugehörigkeit zum Volk der Täter unter die Räder kommt. Und weil es diese Schicksale tatsächlich gegeben hat, ist es so verdienstvoll, sie auf die Leinwand zu bringen.

Habermann

Ein deutscher Regisseur hätte diesen Film wohl kaum drehen können. Aber wenn ein Slowake wie der Routinier Juraj Herz von dem Unrecht erzählt, das den Sudetendeutschen am Ende des Zweiten Weltkriegs widerfuhr, dann hat das einen anderen Stellenwert. Fern also von revanchistischen Gelüsten wird hier im Spielfilm ein Thema aufgegriffen, das bisher tabu war.
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Meinungen
matera tomas · 29.01.2013

ein harter genuss.emotional.für jenigen die beide sprachen verstehen und keine untertitel brauchten ein genuss.ein schauspiel späktakel von K.Roden,M.Waschke,B.Becker und G.Ochsenknecht.
man muss es sehen.

he · 15.03.2011

Schade dass der Film überhaupt nicht in Frankfurt gezeigt wird,

Kommentare

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