Gallowwalkers

Gallowwalkers

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Doppelt gekillt hält besser

Nomen est omen, mag sich der Regisseur Andrew Goth gedacht haben, als er 2006 seinen postapokalyptisch angehauchten Spätwestern-/Zombie-/ Horror-/Steampunk-Hybrid mit düsteren Zutaten würzte – Goth eben. Dass diese Mixtur reichlich ungewöhnlich klingt, mag ja eine Sache sein, was Goth aber aus den Zutaten zusammen mischt, ist weit jenseits von schräg. Selbst Wesley Snipes, in den 1990ern und durch die SAW-Reihe eigentlich ein Publikumsgarant, kann daran nichts ändern. Denn als einsamer Rächer in der Wüste kämpft er nicht nur gegen Untote, sondern vor allem auch mit einem Drehbuch, für das das Prädikat besonders hanebüchen durchaus angemessen wäre. Doch der Reihe nach…
Der Revolverheld Aman (Wesley Snipes) ist ein einsamer Rächer, der seit der Vergewaltigung und dem Tod seiner Frau Sueno (Alyssa Pridham) nur noch beseelt ist vom Wunsch nach Rache an den Schurken, die für das Verbrechen verantwortlich sind. Doch sein Feldzug gegen die Gauner unter der Führung von Kansa (Kevin Howarth) unterliegt seinem eigenen Gesetz, denn durch einen Fluch sterben die von Aman getöteten Bösewichte nicht, sondern kehren als Untote, als „Gallowwalkers“, zurück. Den Einzug in die ewigen Jagdgründe finden sie nur, wenn ihnen der Kopf vom Rumpf abgetrennt wird. Und so macht sich Aman alsbald gemeinsam mit dem Sträfling Fabulos (Riley Smith) auf und tauscht die Colts gegen ein Hackebeilchen, um die Rache zu vollenden. Allerdings fungieren die Gangster-Zombies über einige Fähigkeiten, die ein rabiateres Vorgehen nötig werden lassen…

Wäre da nicht Wesley Snipes, um den es in den letzten Jahren auch aufgrund seines Knastaufenthaltes wegen Steuerhinterziehung ziemlich ruhig geworden ist, wäre es wohl am besten, man würde Gallowwalkers völlig ignorieren. Denn abgesehen von einigen visuell beeindruckenden Szenen, halbwegs gelungenen Anleihen bei Spaghettiwestern und anderen Oberflächenreizen passt hier kaum etwas zusammen: Die Story ist vollkommen gaga und strotzt nur so vor Logiklöchern sowie platten Be- und zahllosen Enthauptungen, so dass man meint, nicht nur die Untoten, sondern auch der Regisseur samt seiner Drehbuchautoren hätten hier den Kopf verloren. Der im Zentrum stehende Fluch, der Aman in die Bredouille bringt, wird an keiner Stelle jemals erklärt. Ebenso rätselhaft (im dümmlichen Sinne) bleibt die Frage, warum Aman so viele Jahre ins Land streichen ließ, bevor er sich auf seinen Rachefeldzug machte. Man könnte bei dieser Aufzählung narrativer Bockschüsse noch endlos fortfahren, doch selbst die Rekonstruktion der Fehlleistungen befördert so viel Ödnis ans Tageslicht, dass man das besser unterlässt- und sei es nur aus Respekt vor Wesley Snipes, dem das Wasser offenbar bis zum Kragen stehen muss, wenn er es nötig hat, seinen einstmals guten Namen für solche Direct-to-DVD-Gurken herzugeben.

Fast noch mehr als der offensichtliche Niedergang des Protagonisten, der hier sichtlich oft gedoublet wurde (was ebenso sehr auffällt wie die zum Teil unterirdischen visuellen Effekte), nerven aber die darstellerischen „Leistungen“ der Nebendarsteller, von denen man sich spätestens am Ende des Films wünscht, sie hätten auf ihre Eltern gehört und etwas Anständiges gelernt. Anscheinend fiel das beinahe schon grotesk wirkende Unvermögen seiner Darsteller auch Goth irgendwann im Laufe des Drehs in der Wüste Namibias auf, weswegen er vor allem auf hinlänglich bekannte Muster aus Western setzt, in denen lange Blickwechsel und coole Posen zum guten Ton gehörten. Dargeboten von Dilettanten aber erschöpfen sich diese Zitate schnell und tragen einiges dazu bei, dass spätestens nach einer halben Stunde trotz ausführlicher Gore-Einlagen das Interesse an diesem C-Movie rapide nachlässt. Was für ein Quark!

Gallowwalkers

Nomen est omen, mag sich der Regisseur Andrew Goth gedacht haben, als er 2006 seinen postapokalyptisch angehauchten Spätwestern-/Zombie-/ Horror-/Steampunk-Hybrid mit düsteren Zutaten würzte – „Goth“ eben. Dass diese Mixtur reichlich ungewöhnlich klingt, mag ja eine Sache sein, was Goth aber aus den Zutaten zusammen mischt, ist weit jenseits von schräg.
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