Fräuleins in Uniform (Blu-ray)

Fräuleins in Uniform (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Martin Beck

"Ja sind wir denn hier im Puff?"

Nazikreuze, dichtes Schamhaar und zottelige Kalauersprüche – Fräuleins in Uniform hat alle Trümpfe für launige Sexploitation…und geht am Ende doch ohne Stich nach Hause. Das was die deutsche Version von Ilsa – she wolf of the SS hätte werden können (und zumindest nach dem amerikanischen Verleihtitel She devils of the SS auch geworden ist), entpuppt sich als lahme Sexklamotte, die Blut nur vom Hörensagen kennt und Hakenkreuzträger vorwiegend als nette, ältere Herrschaften portraitiert.
Der Grund für all dies und leider noch viel mehr heißt Erwin C. Dietrich, der diesen Film wohl speziell für Deutschland gedreht und sich deswegen die ganz dreisten Nazi-Karikaturen, die ansonsten ja einen guten Teil des Naziploitation-Spaßes ausmachen, verkniffen hat. Fräuleins in Uniform sollte vielmehr ein Kriegsdrama mit Bahnhofskino-Schlagseite werden, was die Exzesse generell auf Sparflamme stellt und den gestrengen SS-Führern nicht nur gutes Deutsch, sondern eben auch ein Verhalten kurz vor Menschenfreundlichkeit ermöglicht.

Erwin C. Dietrich war ja nie ein Verfechter der ganz üblen Exploitationschiene und auch hier entsteht eine ganz komische Mischung aus erkennbarem Anspruch, inszenatorischem Unvermögen und hübschen Mädels, die mal dringend zum Friseur müssten. Und Sprüche ablassen wie „wo andere Mädchen hübsch sind, da bin ich gesprenkelt. Das ist meine persönliche Note.“ Fräuleins in Uniform bekennt sich weder zu Exploitation noch zu respektabler Filmkunst, was schon bald eine gewisse Ungeduld aufsteigen lässt. Wie kann man denn bitte brave arische Mädels an die Front und dann vorwiegend in die Arme arischer Jungs schicken und dabei auf barbusige Folterexzesse in Reiterstiefeln verzichten?

Was Fräuleins in Uniform stattdessen auftischt, sind etliche Subplots, die einfach so im Sand verlaufen, eine Kalauersynchro, die vor allem im letzten Drittel stramm nach Rainer Brandt riecht, und natürlich Sex. Viel Sex. Aber ohne Hardcore. Sondern vielmehr diese typische siebziger-Jahre-Quatsch-Kopulation, bei der die Frauen wirklich mal einen Rasierer in die Hand nehmen sollten und unter fast vollständig angezogenen Kerlen liegen, die wie wild die weibliche Haut abrubbeln und dabei den Anschein machen, hier die ersten zwei Hupen ihres Lebens liebkosen zu dürfen.

Das alles sieht eigentlich ziemlich erbärmlich aus und kann eben auch keine Exzess-Punkte abräumen, was die durch zum Beispiel Salon Kitty oder eben Ilsa – she wolf of the SS genährte Erwartungshaltung schnell auf gelangweiltes Vorspulen eindampft. Bei Fräuleins in Uniform reduziert sich die Haben-Seite auf ein paar hübsche Mädels, ein paar überraschend aufwändig inszenierte Kampfszenen und –falls der Geschmack Schnodder-Dialoge toleriert- ein paar hirnverbrannt-geniale Dödelsprüche. Der Rest ist eine bunte Mischung aus Langeweile, notgeilen Mädels und noch mehr Langeweile, alles garniert natürlich mit Hakenkreuzen und unfähigen Schauspielern.

Kaum zu glauben, dass dieses Thema und so ein appetitliches Cover nicht mehr Zunder entfachen können. Die deutsche Blu-Ray von Ascot Elite ist demzufolge ungeschnitten und weist passable Bild- und (Mono-)Tonqualität auf. Sehr schön ist der Audiokommentar von Erwin C. Dietrich, der mal wieder unterhaltsame Anekdoten zum Besten gibt, und die unvermeidliche Trailershow hat immerhin den Vorteil, etliche weitere Dietrich-Produktionen zu bewerben. Schon blöd irgendwie, wenn die hier vorgestellten Filme allesamt klar besser sind als die verschenkte Hauptveranstaltung.

Fräuleins in Uniform (Blu-ray)

Nazikreuze, dichtes Schamhaar und zottelige Kalauersprüche – „Fräuleins in Uniform“ hat alle Trümpfe für launige Sexploitation…und geht am Ende doch ohne Stich nach Hause. Das was die deutsche Version von „Ilsa – she wolf of the SS“ hätte werden können (und zumindest nach dem amerikanischen Verleihtitel „She devils of the SS“ auch geworden ist), entpuppt sich als lahme Sexklamotte, die Blut nur vom Hörensagen kennt und Hakenkreuzträger vorwiegend als nette, ältere Herrschaften portraitiert.
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