Erich Mendelsohn - Visionen für die Ewigkeit

Erich Mendelsohn - Visionen für die Ewigkeit

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Spurensuche nach einem großen Baumeister

Dass der Name Erich Mendelsohn heute vor allem Experten der Architekturgeschichte bekannt ist, liegt wohl vor allem daran, dass viele seiner Gebäude nicht mehr existieren. Bekannt sind vor allem der Einsteinturm in Potsdam, der De La War Pavillion in Bexhill-on-Sea und das Kaufhaus Schocken in Chemnitz, zahlreiche seiner realisierten Gebäude stehen in Israel. Am bekanntesten wurde Mendelsohn vor allem durch sein Schaffen in den 1920er Jahren, das ihn in der Tradition des Expressionismus verortet. Trotz seines enormen Rufs als einer der bedeutendsten Baumeister des 20. Jahrhunderts gilt Mendelsohn nach wie vor als einer der großen Unbekannten der Architektur. Mit seinem Dokumentarfilm Erich Mendelsohn — Visionen für die Ewigkeit macht sich der aus Israel stammende Regisseur Duki Dror daran, die Lücke zu schließen.
Sein Film ist nicht nur eine Werkschau, sondern koppelt ganz nebenbei zudem noch nicht nur eine, sondern gleich zwei Biografien zusammen: Zum einen diejenige Erich Mendelsohns, zum anderen die von Luise Maas, der Ehefrau des Architekten, die in vielerlei Hinsicht eine mehr als bemerkenswerte Frau war und die eine leidenschaftliche Affäre mit dem Dramatiker Ernst Toller verband. Beginnend mit dem Briefwechsel der beiden im Ersten Weltkrieg zeichnet der Film sowohl das Leben wie auch das Schaffen der beiden nach, besucht die Bauten des Architekten und folgt den Lebensspuren dieses Paares, dessen Leben und Schaffen immer wieder von Rückschlägen geprägt war: 1933 etwa wurde Mendelsohn als Jude per Ministerschreiben aus der preußischen Akademie der Künste geworfen und siedelte nach England über – seine Heimat Deutschland sollte er nie wieder sehen. Später erfolgte der Umzug nach Palästina, dann in die USA, wo Mendelsohn 1953 stirbt. Mit jedem Ortswechsel ist ein Neustart verbunden, der den Architekten oft genug wieder bei Null starten lässt.

Duki Dror versucht mit seinem Film vieles anders zu machen, als man das gemeinhin erwartet. Das liegt wohl auch daran, dass er aufgrund der Dürftigkeit des Materials gezwungen war, andere Wege der Bebilderung zu gehen. Doch die Tricks und Kniffe, die sich der Regisseur dafür überlegt hat, erzielen nicht immer die gewünschte Wirkung: Wenn beispielsweise während einer Recherchereise ein Schaffner der Deutschen Bahn Passagen aus dem Briefwechsel vortragen muss, wirkt das ehrlich gesagt eher bizarr als erhellend und fast tut einem der wackere Mann ein wenig leid, weil er in diese Bredouille geraten ist. Ähnliches lässt sich von den fingierten Interviews mit Erich und Luise Mendelsohn sagen, die von deutschen Stimmen eingesprochen werden – die nämlich wirken so aufgesagt und mit Verlaub dröge, dass es kein Genuss ist, diesen Passagen zu folgen. Die Absicht hinter diesen künstlerischen Entscheidungen ist durchaus verständlich und auch löblich – statt mit „talking heads“ Statik zu erzeugen, setzt Dror auf Fantasie, Kreativität, Dynamik. Allein: Es funktioniert leider nicht immer.

Für Architekturliebhaber ist der Film dennoch sehenswert; wer aber Mendelsohn und sein Leben und Wirken bislang nicht kannte, gewinnt anhand des Films über ihn allenfalls einen bruchstückhaften Eindruck von diesem Mann. Wenn man so will, könnte man dies als Aufforderung verstehen, sich selbst auf Spurensuche zu machen – zu entdecken gibt es wahrlich genug.

Erich Mendelsohn - Visionen für die Ewigkeit

Dass der Name Erich Mendelsohn heute vor allem Experten der Architekturgeschichte bekannt ist, liegt wohl vor allem daran, dass viele seiner Gebäude nicht mehr existieren. Bekannt sind vor allem der Einsteinturm in Potsdam, der De La War Pavillion in Bexhill-on-Sea und das Kaufhaus Schocken in Chemnitz, zahlreiche seiner realisierten Gebäude stehen in Israel.
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