Die Lust der Frauen

Die Lust der Frauen

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Lust und Liebe Ü60

Andreas Dresen hat in seinem Film Wolke 9 davon erzählt, wie es sein kann, wenn man in späteren Jahren noch einmal Lust und Leidenschaft für sich entdeckt. Doch von dieser zudem fiktionalen Ausnahme einmal abgesehen, spricht kaum jemand darüber, wie das ist mit der Lust und der Liebe, wenn man die 60 überschritten hat. „Das schickt sich nicht“, bekommt man dann zu hören, erntet Kopfschütteln oder gar (vor allem bei Jüngeren) deutliche Anzeichen eines Widerwillens. Dabei suggeriert uns doch die Werbung das, was die Realität und der medizinische Fortschritt längst geschafft haben: Dass wir immer älter werden und dass das Altern für viele längst den Schrecken früherer Zeiten verloren hat. Doch die Moralvorstellungen von Anno Dazumals und die biologischen Veränderungen während und nach der Menopause sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen Vorurteile haben eine weitaus größeren Einfluss auf unser Denken und Fühlen, als wir das wahrhaben wollen.
In ihrem Film Die Lust der Frauen hat sich die österreichische Dokumentarfilmerin Gabi Schweiger auf die Suche nach der Lust der Frauen über 60 begeben und fördert dabei Geschichten zutage, die sicher nicht der Norm entsprechen, die jedoch als Plädoyer für einen anderen, offeneren Umgang mit der Lust im „reiferen“ Alter verstanden werden will.

Fünf Frauen sind es, die hier vor der Kamera Rede und Antwort stehen: Bernadette und Christa beispielsweise orientieren sich bei ihrer Partnersuche und Partnerwahl hin zu jüngeren Männern, denn wie es die erste der beiden auf den Punkt bringt: „Männer in meinem Alter sind alt.“ Während Bernadette via Internet auf die Suche geht, hat Christa das Glück mit einem jüngeren Mann bereits gefunden – 24 Jahre trennen sie und ihren aus Afrika stammenden Partner voneinander. Zwei Lebens- und Liebesentwürfe, die nicht der Norm entsprechen und erst recht den gesellschaftlichen Vorstellungen von gemütlich strickenden älteren Damen mit Häkelzeug, die dem Sex längst abgeschworen haben. Auch Ina, Birgit und Brigitte geben freimütig Auskunft über ihre Wünsche und Leidenschaften und zeigen so die ganze Bandbreite dessen, was auch jenseits der 60 noch möglich ist.

Zwar ergeben sich mitunter in den offen geführten Gesprächen, die sich nicht selten durch augenzwinkernden Humor und Selbstironie auszeichnen, Wiederholungen. Insgesamt aber zeichnet der Film ein ebenso heiteres wie fundiertes Bild des Liebeslebens seiner Protagonistinnen. Ob diese repräsentativ sind für diese ältere Generation, steht auf einem anderen Blatt, sicher aber können viele gleichaltrige Frauen vom Mut und der Offenheit der fünf Befragten einiges lernen. Und sei es nur das Bewusstsein, dass im Oma-Alter nicht vorbei ist – schon gar nicht das Begehren.

Nach den Frauen sind nun die Männer dran: Für das Nachfolgeprojekt Die Lust der Männer sucht die Regisseurin noch Teilnehmer über 60, die bereit sind, vor der Kamera über ihre Lüste und Leidenschaften Auskunft zu geben. Bewerben kann man sich über die Homepage der Regisseurin.

Die Lust der Frauen

Andreas Dresen hat in seinem Film „Wolke 9“ davon erzählt, wie es sein kann, wenn man in späteren Jahren noch einmal Lust und Leidenschaft für sich entdeckt. Doch von dieser zudem fiktionalen Ausnahme einmal abgesehen, spricht kaum jemand darüber, wie das ist mit der Lust und der Liebe, wenn man die 60 überschritten hat.
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