Der Sohn von Rambow

Der Sohn von Rambow

Eine Filmkritik von Peter Gutting

Eine ungewöhnliche Freundschaft

Die Protagonisten eines Films schnappen sich eine Kamera und spielen einen Klassiker der Kinogeschichte nach: Diese Variante des Films im Film scheint derzeit im Trend zu liegen. Aber für Regisseur Garth Jennings ist das Wiedersehen mit Rambo mehr als nur Zitaten-Spielerei. Er macht daraus eine Komödie über eine wunderbare Freundschaft.
Es braucht nur zwei Einstellungen und einen Schnitt, um zu erkennen, wie unterschiedlich die beiden jugendlichen Protagonisten sind. Der elfjährige Will trägt ein Gebet vor, während sich sein späterer Freund Carter im Kinosessel fläzt. Carter hält ganz ungeniert eine auffällige Kamera auf die Leinwand und dreht eine Raubkopie von Rambo – First Blood. Aber Will und Carter haben auch etwas gemeinsam: Sie sind Außenseiter. Will kann schon froh sein, dass ihn die streng religiöse Brethren-Gemeinde, der seine Familie angehört, überhaupt in eine öffentliche Schule lässt. Denn in Wills Familie ist vieles verboten: zum Beispiel Uhren, weltliche Bücher und natürlich Film und Fernsehen. Selbst wenn im Schulunterricht ein Lehrfilm gezeigt wird, muss Will draußen bleiben. Er landet auf dem Flur.

Dort trifft er Carter, der aus ganz anderen Gründen das Klassenzimmer verlassen muss. Der Junge ist ein solcher Wildfang und Draufgänger, dass die Lehrer einfach nicht mit ihm fertig werden. Selbst auf dem Gang ist er nicht zu bändigen. Sofort fängt er Streit mit Will an, ein Aquarium geht zu Bruch. Trotzdem biegt Carter die Sache so hin, dass Will am Ende in seiner Schuld steht. Zur „Strafe“ soll Will als Stuntman in einem Film mitwirken, für den Carter schon erste Szenen gedreht hat. Schon bald fängt der schüchterne Will Feuer und spinnt sich als „Drehbuchspezialist“ eine Geschichte zusammen, in der er als Rambos Sohn seinen Vater retten muss.

Regisseur Garth Jennings lässt sich in seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm nicht zwei Mal bitten und nutzt die Rambo-Vorlage zu vielen Einfällen und Parodien. Da segelt Will – statt sich eine Felswand hinabzustürzen – mit einem Regenschirm den Baum hinab. Da schwingt er sich mit einer Liane in den Fluss, kann aber leider nicht schwimmen. Und schließlich sorgt ein Fluggerät für Unheil, das diesmal kein Polizeihubschrauber ist, sondern ein von den Jungs als Drachen zusammengebastelter „fliegender Hund“. Solche Szenen lassen an Michael Gondrys Abgedreht / Be Kind Rewind denken, in dem zwei Amateure ebenfalls Filmklassiker nachdrehen – und unfreiwillig verulken. Oder an Jennings Debüt Per Anhalter durch die Galaxis / The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy, in dem er aus den gängigen Science-Fiction-Mustern parodistische Funken schlug. Mit Bildwitz und lustigen Montagen frönt Jennings auch in Der Sohn von Rambow / Son of Rambow seiner Freude am Spiel mit dem, was man irgendwo schon mal gesehen hat.

Dennoch verkommt die Film-im-Film-Handlung nicht zum Selbstzweck. Dafür ist die „eigentliche“ Geschichte um die facettenreiche Annäherung der beiden Jungs zu stark, zu gut nachempfunden und zu gut geschrieben. Jennings und sein Kompagnon, der Produzent Nick Goldsmith, der auch am Drehbuch mitgewirkt hat, sind selbst in den 1980er Jahren aufgewachsen, der Zeit der Filmhandlung. Jennings Familie lebte direkt neben Nachbarn, die der Brethren-Gemeinde angehörten. Und in die Figur des Carter sind viele Züge eines Kindes eingeflossen, das in derselben Straße wohnte. Das hat dem Drehbuch sichtlich gut getan. Die Figuren haben Tiefgang, die zaghaft sich entwickelnde Freundschaft ist realistisch gezeichnet. Und zwar besonders da, wo sich die Hierarchie umkehrt, wo der schüchterne Will plötzlich den Ton angibt und damit den aufmerksamkeitsverwöhnten Carter auf eine ungewohnte Probe stellt.

Zwar gewinnt im letzten Filmdrittel das Gefühlsdrama zu sehr die Oberhand, wenn sich die existenziellen Konflikte ohne Not verdoppeln und verdreifachen. Aber dafür entschädigt uns Jennings, indem er mit einigen Wendungen der Geschichte wieder Fahrt verleiht. Der Regisseur spielt halt gern. Und das ist gut so.

Der Sohn von Rambow

Die Protagonisten eines Films schnappen sich eine Kamera und spielen einen Klassiker der Kinogeschichte nach: Diese Variante des Films im Film scheint derzeit im Trend zu liegen.
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Meinungen
olli · 14.08.2008

hi
sehr geiler film hab ihn in der sneak gesehen

vlt kann mir jemmand sagen wie das lied im abspann heißt
danke

queenie · 21.07.2008

also RAMBO ist ja nicht grundsätzlich ein schlechter film, und den hier schau ich mir auf alle fälle an!! schule macht eben krank, nur im film lacht man drüber

Kommentare

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