Der ewige Gärtner

Der ewige Gärtner

Im Netz unsichtbarer Machenschaften

Eigentlich kann man sich kaum einen größeren Gegensatz vorstellen, als den zwischen dem britischen Diplomaten im mittleren Dienst Justin Quayle (Ralph Fiennes) und seiner Gattin Tessa (Rachel Weisz): Er ist merkwürdig leidenschaftslos, zeigt nur wenig Ehrgeiz und interessiert sich leidenschaftlich lediglich für seine Pflanzen, die er liebevoll hegt und pflegt. Sie hingegen ist eine engagierte Aktivistin, voller Aggressivität und Leidenschaft, die alles daran setzt, die Machenschaften international agierender Pharmakonzerne aufzudecken. Als ihr Mann nach Kenia versetzt wird, sieht Tessa Quayle ihre Chance gekommen, ihren Kampf fortzusetzen, zumal sie in Dr. Arnold Bluhm (Hubert Koundé) einen leidenschaftlichen Mitstreiter findet. Doch von einer Recherchetour in den Norden des Landes kehren die beiden nicht mehr zurück; während Tessas Leiche gefunden wird, bleibt der schwarze Arzt spurlos verschwunden. Obwohl Justins Kollegen an der Botschaft und die Ermittlungsbehörden von einem Verbrechen aus Leidenschaft ausgehen, für das vermutlich Koundé verantwortlich sein soll, will er sich mit den fadenscheinigen Ausreden und Erklärungsversuchen nicht abgeben und ermittelt auf eigene Faust. Unversehens kommt er einem Pharmaskandal auf die Spur, den auch seine Frau aufgedeckt hatte. Doch weil auch die britische Regierung in die Affäre verwickelt ist, kann er niemandem mehr über den Weg trauen, denn im milliardenschweren Pharma-Geschäft ist ein Menschenleben nichts wert, schon gar nicht in Afrika…
Stilsicher, exquisit besetzt und durchaus komplex konstruiert erzählt der brasilianische Regisseur Fernando Mereilles seine brisante Geschichte, die auf einem Roman von John Le Carré basiert. Immer wieder fühlt man sich dabei an Mereilles fulminanten Debütfilm City of God erinnert, vor allem in jenen eingeschobenen Passagen, in denen der Film die eigentliche narrative Ebene verlässt und das Elend in den Slums Nairobis auf sehr eindringliche Weise zeigt. In den USA hat sich der Film bereits zu einem der erfolgreichsten Independent Filme des vergangenen Jahres entwickelt. Der ewige Gärtner / The Constant Gardener ist ein Film über die Erneuerung der Liebe über den Tod hinaus und zugleich ein engagierter Politthriller, der auf eindringliche Weise einige der vordinglichsten Probleme Afrikas aufzeigt, nachdem der Kontinent in den letzten Jahren immer mehr zu einem cineastischen Zufluchtsort für zivilisationsmüde Europäer zu werden drohte. Der ewige Gärtner / The Constant Gardener hingegen zeigt, dass die Interessen der westlichen Welt am afrikanischen Kontinent keinesfalls nur idealistisch, sondern durchaus handfest sind. Und selbst, wenn man sich als Zuschauer versichert, dass das alles nur Fiktion ist, so besteht doch nach Verlassen des Kinosaales kaum ein Zweifel daran, dass der Kern der Geschichte bereits längst erschreckende Realität ist.

Der ewige Gärtner

Eigentlich kann man sich kaum einen größeren Gegensatz vorstellen, als den zwischen dem britischen Diplomaten im mittleren Dienst Justin Quayle (Ralph Fiennes) und seiner Gattin Tessa (Rachel Weisz).
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Meinungen
antoine · 29.12.2006

tja - aber laufen gute Filme im Kino nur ein Jahr lang. In welchem Kino kann ich den Film jetzt sehen (in OL, HB, OS, HH) ????

Björn · 04.12.2006

Ein unfassbar guter Film und eine super Rahel Weisz! Schön, dass endlich mal nicht nur glühende Romantik über Afrika gezeigt wird sondern die realen Probleme angesprochen werden!

indaba · 02.08.2006

der film hat mich berührt. besonders der wahre kern der geschichte regt zum nachdenken an. ich habe die slums auch so erlebt wie sie im film gezeigt werden. ein guter film, sehenswert

Apryl · 26.07.2006

Ich habe mir gestern den Film angeschaut und war zutiefst berührt von dessen Geschichte. Es mag - wie der Autor bereits gesagt hatte - eine einfache Filmproduktion sein, aber genau solche Grausamkeiten passieren auf der Welt. Leider bemerken das viele nicht. Afrika ist ein interessantes, aber gleichzeitig unglaublich armes Land und der Film hat auf brilliante Weise erneut auf das Elend in Nordafrika gezeigt.

andy · 11.03.2006

wow, hier gibts ja echte cineasten! da poste ich doch gern...

tolle rezension, interessanter, bewegender film - das letzte bild mit ralph fiennes werde ich bestimmt nicht so schnell vergessen. die ganze tragik der geschichte in nur einem blick, das ist schauspielkunst!! und rachel weisz steht dem wirklich in nichts nach. warum sind nur die besucherzahlen in deutschland bislang so mäßig?

· 16.02.2006

Der Film ist einfach bewegend. Man verlässt das Kino ganz sicher mit einem guten Gefühl - denn neben einer sehr guten Besetzung ist er einfach in sich stimmend und regt zum nachdenken an. Wer diesen Film nicht anschaut verpasst etwas!

· 30.01.2006

dann bin ich doch hin. einer der besten filme der letzten jahre: farben, kammeraeinstellungen, regie, umgebung, schauspieler.

· 29.01.2006

hab ihn nicht gesehen, aber thema schein gut zu sein.

@Gerd · 27.01.2006

Die Musik stammt von dem spanischen Komponisten Alberto Iglesias und wurde für den Film komponiert.

Gerd · 26.01.2006

Für mich zweifelsohne der beste Film, den ich seit langer Zeit gesehen habe. Kann mich allen positiven Feststellungen anschließen und muß darüberhinaus feststellen, dass die Musik erheblich zu dem positiven Empfinden beiträgt.
Wer kennt bitte Interpreten oder/und Titel aus dem Film. Wäre über Nachricht hier im Chat sehr dankbar.

Steffen · 20.01.2006

Hallo Kino-Zeit Team!
Fand den Film sehr interessant. Das Gefühl das Sie beschrieben haben, das empfunden wird nachdem der Film zu Ende ist, möchte ich bestätigen..man spürt, dass das Ganze nicht so abwägig ist wie man es eigentlich hofft..
Kleine Verbesserung: In Ihrem Bericht über Fernando Meirelles steht,dass er Mexikaner ist. Das trifft nicht zu, er wurde in Sao Paulo/Brasilien geboren.
Mit freundlichen Grüßen

icke · 13.01.2006

nach HOTEL RUANDA und DIE DOLMETSCHERIN wieder eine große Produktion, die Afrika als zentrales Thema hat

man muß sich dran gewöhnen, eigentlich ein guter, kritischer Film

Markus · 12.01.2006

Interessante Kameraführung und bewegende prachtvolle Bilder Kenias. Der durgehend rote Faden der Handlung zusammen mit guten Dialogen machen den Film auch ohne der spannenden politischen Brisanz des Szenarios bereits sehenswert. Viel zu selten beschäftigen sich Filme erfolgreich mit der brutalen Realität, obwohl die Handlung ja nur "frei erfunden" ist. Am besten gleich Tickets reservieren!

Baerchen · 12.01.2006

Mit The Constant Gardene ist wieder einmal eine Literaturverfilmung im Kino zu sehen. Und es ist nicht der erste Versuch mit einem Thriller von John Le Carre, diesmals zweifelsohne ein sehr gelungener!

Der britische Diplomat Justin verliebt sich in die politische Aktivistin Tessa. Gegensaetze ziehen sich an, sagt man, und hier sieht man es. Zusammen landen sie in Kenia, wo Tessas Engagement fuer die Armen Afrikas die Diplomaten in Verlegenheit bringt. Justin laesst sie gewaehren ohne richtig zu wissen (oder wissen zu wollen) was seine Frau da eigentlich genau treibt. Bis sie ermordet wird und er rausfinden muss, was dahinter steckt.

Es ist eine sehr gewagte Balance zwischen Liebesgeschichte und Thriller, getragen von ausgezeichneten Schauspielern, allen voran Ralph Fiennes in der Rolle des gaertnernden Diplomaten Justin. Ich hab Ralph Fiennes seit "Schindler's List" immer schon als einen brillianten Schauspieler gemocht. Allerdings hab ich ihm nie den Liebhaber abkaufen koennen, hat mich in derartigen Rollen wie z.B. in "The English Patient" eher enttaeuscht. Hier ist er aber perfekt besetzt: die Liebesszenen sind sehr ueberzeugend, die innere Wandlung Justins im Laufe des Films sehr bedrueckend zu verfolgen.

Der Film ist durchaus emotional, als Liebesgeschichte ebenso wie als Pladoyer fuer Afrika und seine Bewohner. Dabei aber nicht zu sehr auf die Traenendruesen drueckend.

Absolut sehenswert!!!!

Noch eine Anmerkung: die Kritiker ueberhaeufen sich mit Lob, allen voran Roger Ebert, der bekanntest amerikanische Filmkritiker, der diesen Film schon "one of the year's best films" genannt hat. Vor allem die Kamerafuehrung wird hervor gehoben. Mir persoenlich war es allerdings etwas zu viel der hektischen handgehaltenen Kameraeinstellungen. Davon wird mir schlicht uebel

@Sebastian · 12.01.2006

Uuups - das stimmt natürlich. Vielen Dank für den Hinweis.

Sebastian · 12.01.2006

Hallo!
Habe den Film heute in einer Sneak Preview gesehen, und war recht zufrieden.
Jedoch muss ich Ihre Kritik kurz verbessern. Der Arzt heisst im Film Dr.Arnold Bluhm und nicht der Schauspieler.

· 10.01.2006

Ein Klasse Buch, ich hoffe die Verfilmung ist genauso spannend. Werde ihn mir auf jeden Fall ansehen.

· 08.01.2006

kenne den film vom festival in venedig. glaube, dass ihm ein anderer titel trotz der literaturvorlage gut getan haette. ansonsten spannend, gute schauspieler, politisch brisant.
gianpi, freiburg

Kommentare

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