Der blaue Nachtfalter

Der blaue Nachtfalter

Eine Filmkritik von Stefan Dabrock

Melo-Mutterliebe

Mitte der 1950er Jahre widmete sich die schwedische Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander, die ihre größten Kinoerfolge im deutschen Unterhaltungsfilm der 1930er und frühen 1940er Jahre feierte, verstärkt ihrer Gesangskarriere. Vor diesem Hintergrund markierte das ganz auf Leander zugeschnittene Meldodram Der blaue Nachtfalter ihre Rückkehr auf die Leinwand.
Noch während der Herrschaft der Nationalsozialisten wird Julia Martens (Zarah Leander) wegen Mordes an einem Erpresser verurteilt, der damit drohte, die Fluchthelfertätigkeit ihres Mannes an die Gestapo zu verraten. Nach Verbüßung ihrer Gefängnisstrafe – der Zweite Weltkrieg ist inzwischen Geschichte – erfährt Julia von der Mutter (Lotte Brackebusch) ihres während der Haft erst geschiedenen und dann verstorbenen Mannes, dass ihr Sohn Thomas (Christian Wolff) im Glauben aufgewachsen ist, seine Mutter sei tot. Emotional angeschlagen, aber dazu bereit, die Situation nicht noch komplizierter zu machen, akzeptiert Julia die Isolation von ihrem Sohn. Sie nimmt ein Engagement im Klub „Der blaue Nachtfalter“ an, wo sie nicht nur als Sängerin das Publikum begeistert, sondern auch immer wieder auf ihren Sohn trifft, der sie für eine Bekannte seiner Großmutter hält. Denn Thomas hat mit der Tänzerin Irina (Marina Petrova) angebandelt, die ebenfalls im blauen Nachtfalter arbeitet. Als Julia mitbekommt, dass Irinas Manager Steve Owens (Werner Hinz), ihrem Sohn schaden will, sieht sie sich gezwungen, zum Schutz ihrer Familie erneut einzugreifen.

Die zerstörerische Auswirkung der Nazi-Diktatur auf den familiären Zusammenhalt in Deutschland bildet nur den Aufhänger für die bedingungslos melodramatischen Ereignisse, mit denen Julia Martens konfrontiert wird. Weder der zugrunde liegende Kolportageroman, noch das Drehbuch enthalten Szenen zur Vertiefung politischer Aspekte. Stattdessen stehen die Gefühlsverwicklungen im Vordergrund, die möglichst dick aufgetragen werden. Julia Martens muss einen Nackenschlag nach dem nächsten einstecken. Nach ihrer bitteren Gefängnisstrafe folgt ein bitteres Gespräch mit der Mutter ihres verstorbenen Ex-Mannes, die mit verhärmter Gefühlskälte auftritt. Doch in der Isolation von ihrem sozialen Umfeld gibt es auch Lichtblicke. Denn im Haus ihrer früheren Schwiegermutter trifft sie den Anwalt Dr. Frahm (Paul Hartmann), der ihr mit Wärme begegnet. Momente der Hoffnung wechseln sich mit dramatischen Schwierigkeiten ab, um ein atmosphärisches Wechselbad der Emotionen zu erzeugen.

Regisseur Wolfgang Schleif hält dabei das Tempo, mit dem die Ereignisse aufeinanderfolgen, so hoch, dass die Konstruktion in den Hintergrund tritt. Deswegen entwickelt der melodramatische Kampf der Mutter um die Integrität ihres Sohnes, der Opfer eines Verbrechens zu werden droht, seine emotionale Kraft. Souverän spitzt sich alles so weit zu, dass die unterschiedlichen Fäden der verzwickten Situation in einer Gerichtsverhandlung zusammenlaufen. Hier kann das Glück der Hauptfiguren zerstört oder restauriert werden. Das ist sauber konstruiertes Drama-Kino mit menschlicher Note ohne den Anspruch auf Vertiefung. Und mittendrin thront eine Zarah Leander, deren Stimme bei den Gesangseinlagen immer noch überzeugen kann, und die eine in sich ruhende Ausstrahlung ohne falsche Übertreibung besitzt. Während sie zwischen Hoffen und Bangen zu zerbrechen droht, entpuppt sie sich doch als ruhender Pol, der die Anflüge der Unglaubwürdigkeit in der Handlung vergessen macht.

Der blaue Nachtfalter

Mitte der 1950er Jahre widmete sich die schwedische Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander, die ihre größten Kinoerfolge im deutschen Unterhaltungsfilm der 1930er und frühen 1940er Jahre feierte, verstärkt ihrer Gesangskarriere. Vor diesem Hintergrund markierte das ganz auf Leander zugeschnittene Meldodram „Der blaue Nachtfalter“ ihre Rückkehr auf die Leinwand.
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