Deadfall

Deadfall

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Ein Starensemble im freien Fall

Da räsoniert zu Beginn des Films ein Gauner in einem Voice-over, das den Verlauf der Handlung bis zum Schluss begleiten wird, über die trügerische Annahme, Kontrolle über sein Leben zu haben. Dieser philosophisch-melancholische Einstieg über den Preis, den ein Betrüger für das missbrauchte Vertrauen seiner Opfer zahlen muss, stimmt den Zuschauer darauf ein, dass hier vor der Kulisse eines Gangsterfilms die Läuterung eines Ganoven zu erwarten ist. Doch zunächst wird der Anfang vom Ende einer kriminellen Karriere erzählt, denn während des Sinnierens über sein Schicksal befindet sich der Protagonist bereits auf dem Weg zu jenem Coup, der sein gewohntes Leben schlagartig verändern wird.
Joe Dolan (Michael Biehn) und sein Vater Mike (James Coburn) stellen in der kriminellen Kunst, durch inszenierte illegale Scheingeschäfte andere zwielichtige Gestalten gewaltig über den Tisch zu ziehen, ein eingespieltes Team dar. Der smarte, symphatisch erscheinende Joe tritt dabei als harmloser Lockvogel und Vermittler auf, der seine Kunden mit einem lukrativen Angebot ködert, während Mike in der Regel den Part des Verkäufers der heißen Ware übernimmt. Doch der Ausgang dieser Transaktionen gestaltet sich dann so völlig anders, als das Opfer erwartet hatte, denn durch einen schauspielerischen Streich bringen die Gangster das Geld an sich, ohne den Stoff herauszurücken.

Auch dieses Mal gelingt der geschickt eingefädelte Coup zunächst bestens, bis nach dem ersten Jubel der kleinen Gang entdeckt wird, dass Mike tödlich von einer Kugel aus Joes Waffe getroffen wurde, die eigentlich nur mit Platzpatronen geladen war. In gestammelten letzten Worten bittet er den verzweifelten Joe, seinen Zwillingsbruder Lou (in einer Doppelrolle: James Coburn) in Santa Monica aufzusuchen und den „Kuchen“ zurückzuholen, wobei sein Sohn weder von seinem Onkel noch von einem Kuchen jemals etwas gehört hat. Auf Drängen seiner Komplizen macht sich Joe nach der Beerdigung seines Vaters, bei der eine mysteriöse Frau seine Aufmerksamkeit erregt, auf den Weg nach Kalifornien, um seinen Onkel Lou zu suchen.

Angekommen in Santa Monica dauert es nicht lange, bis Joe über den schrägen, lärmenden Ganoven Eddie (Nicolas Cage) seinen Onkel auftreibt, der ebenfalls als Trickbetrüger im großen Stil unterwegs ist. Lou lässt Joe über seinen Handlanger Eddie auf die einschlägigen Talente der Familie testen, während sein Neffe seinerseits ihm auf den Zahn fühlt. Joe entdeckt bald, dass zwischen seinem Vater und Lou eine distanzierte Rivalität herrschte, die mit dem Kampf um die Gunst seiner lange verstorbenen Mutter begann, und auch das Rätsel um den Kuchen ist bald gelüftet. Derweil bändelt hinter Eddies Rücken seine hübsche Geliebte Diane (Sarah Trigger) mit Joe an, der sich aufrichtig in sie verliebt.

Währenddessen bereitet Lou einen lukrativen Raubzug vor, bei dem auch Joe einsteigen soll, der sich inzwischen trickreich das Vertrauen seines Onkels erschlichen hat. Derweil rastet der wüste Eddie aus und verdächtigt irrtümlicherweise Lou, ein Verhältnis mit Diane zu haben, doch Joe greift ein und bringt Eddie schließlich zur Strecke. Nun will Lou seinen Coup gemeinsam mit Joe durchziehen, und auch wenn zunächst alles so aussieht, als würde die Sache wie geplant über die Bühne gehen, zeigt sich bei der Übergabe der Ware, die dieses Mal aus lupenreinen Diamanten bestehen soll, dass es jemand ganz anderer ist, der aus dem Hintergrund die Fäden zieht ...

Da hat Regisseur Christopher Coppola aus der berühmten US-amerikanischen Filmfamilie neben seinem Bruder Nicolas Cage einschlägige Stars wie James Coburn, Michael Biehn, Peter Fonda und Charlie Sheen in seinem Actionthriller Deadfall von 1993 versammelt, der sich seinerzeit an den Kinokassen als ordentlicher Reinfall erwies. Dieser geringe Publikumszuspruch verwundert nicht, denn trotz des einzeln betrachtet ansprechenden Ensembles, dessen Zusammenspiel allerdings selten funktioniert, und einer in Ansätzen nicht übel angelegten Dramaturgie verläuft sich der Film in unausgewogenen Tendenzen, überflüssigen Nebenfiguren und einer allzu vorhersehbaren Handlung.

Auch wenn es zweifellos Vergnügen bereitet, wenn Nicolas Cage hemmungslos als desolater Ganove aufdreht und die Szenarien der Gangsterwelten beinahe parodistisch und liebevoll stilisiert gezeichnet werden, fügen sich diese sehenswerten Sequenzen nur holprig und unstimmig in das Gesamtkonzept der Geschichte ein. Die Dialoge sind überwiegend entweder allzu flach oder aber unpassend sentimental gestaltet, so dass auch die philosophische Ausrichtung in mauen Plattitüden verpufft. Dass hier ein düsterer Thriller mit Elementen des Film noir entstehen sollte, ist stark zu vermuten, doch scheitert dieses Vorhaben an der unausgewogenen Gewichtung der einzelnen Tendenzen, die letztlich jämmerlich abstürzen.

Deadfall

Da räsoniert zu Beginn des Films ein Gauner in einem Voice-over, das den Verlauf der Handlung bis zum Schluss begleiten wird, über die trügerische Annahme, Kontrolle über sein Leben zu haben.
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