Ben & Mickey vs. The Dead

Ben & Mickey vs. The Dead

Eine Filmkritik von Falk Straub

Unterwegs

Stillstand ist der Tod — so könnte das Motto vieler Endzeitfilme lauten, sind deren Protagonisten doch häufig permanent in Bewegung. Dass sie auf diese Weise auch immer Abbild und Kritik eines wachstumshörigen Kapitalismus sind, bringt Ben & Mickey vs. The Dead viel unverschlüsselter zum Ausdruck als manch anderer Vertreter des Genres.
Ein Haus idyllisch im Wald gelegen. Ein beinahe jugendlich aussehender Mann in kurzen Hosen und gelbem T-Shirt steht im Vordergrund. Er zieht tief an seiner Zigarette. Die Musik, die über seine großen blauen Kopfhörer an sein Ohr dringt, ist auf der Tonspur zu hören. Als sie versiegt, geht er auf die Veranda, um die Batterien in seinem Disc-Man zu wechseln. Während der Zuschauer Mickey (Adam Cronheim) kennenlernt, verharrt die Kamera auf einer Position, lediglich Mickey bewegt sich im Raum. Doch die Idylle trügt.

Auftritt Ben (Jeremy Gardner): Mit einer Pistole stürmt der Bärtige aus dem Haus, feuert in Richtung Tür. Auch dort waren Untote. Ein weiteres Mal musste sich Ben den unliebsamen Wesen mit der Waffe in der Hand entledigen. Was wie ein Independent Film über das Leben eines Adoleszenten beginnt, entpuppt sich bereits am Ende der Exposition als Zombiestreifen. Nicht die letzte Volte, die Ben & Mickey vs. The Dead in seinen 97 Minuten schlägt.

Denn in der großen Masse der Zombiefilme ist Ben & Mickey erfrischend anders. Das fängt bereits bei den Figuren an. Ben und Mickey sind Außenseiter im besten Sinne. Als Mitglieder derselben Baseballmannschaft hatten die beiden vor dem Ausbruch der Plage so gut wie nichts miteinander zu tun. Aus ihrer Abneigung machen sie keinen Hehl. Zwei Slacker gegen die Untoten, eine Zweckgemeinschaft auf Raten.

Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur Jeremy Gardner lässt seinen Figuren dabei genügend Luft sich zu entwickeln. Anstatt der nächsten blutigen Konfrontation räumt Ben & Mickey – wohl auch aus Kostengründen – der Reise seiner Protagonisten weitaus mehr Zeit ein. Und so wandert der Zuschauer mit den beiden durch die Landschaft Neuenglands, lauscht ihnen beim Philosophieren und sieht ihnen immer wieder beim Baseballspielen zu. Der Film mäandert. Ein Balanceakt zwischen existenzialistischem Drama und skurrilem Humor.

Schnell wird klar, dass Ben und Mickey mit ihren Ängsten auf ihre eigene Weise umgehen, ohne diesen je Herr zu werden. Emotional Verklemmte mit ihren ganz gewöhnlichen Sehnsüchten in einer Welt voll triebgesteuerter Monster. So ganz nebenbei wirft Ben & Mickey dadurch die Frage auf, wer die eigentlichen Zombies sind. Letztlich also doch ein Independent Film über die Sorgen und Wünsche der Twentysomethings – eben nur mit Untoten.

Ben & Mickey vs. The Dead

Stillstand ist der Tod — so könnte das Motto vieler Endzeitfilme lauten, sind deren Protagonisten doch häufig permanent in Bewegung. Dass sie auf diese Weise auch immer Abbild und Kritik eines wachstumshörigen Kapitalismus sind, bringt „Ben & Mickey vs. The Dead“ viel unverschlüsselter zum Ausdruck als manch anderer Vertreter des Genres.
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