Weg mit der Ex

Weg mit der Ex

Eine Filmkritik von Martin Beck

Abserviert, tot und vegan

Joe Dante hat wahrscheinlich bis ins Grab einen dicken Stein im Brett jedes Horrorfans, der selbst halbherzige Horrorkomödien wie Weg mit der Ex wegstecken kann. Die einstigen Großtaten des Mannes werfen mächtige Schatten auf die versprengten Regiearbeiten der letzten Jahre, die weder besonders erfolgreich waren noch allzu viel gekostet haben. Ähnlich wie sein Weggefährte John Carpenter scheint Joe Dante inzwischen ein bisschen aus der Zeit gefallen zu sein und zieht weit unterhalb seiner größten Hits mit guten Ansätzen und heimeligen Markenzeichen gegen preisgünstige B-Drehbücher ins Heimkino-Feld.
Doch immerhin, The Hole, sein letzter Film, war eine gelungene Revitalisierung des Dante-Stempels, der bei Weg mit der Ex nun allerdings deutlich blasser scheint. Dem Film fehlt die rechte Zugkraft, was vor allem dadurch bedingt ist, dass die Geschichte a) nur wenig Interesse an wilden Überraschungen zeigt und b) zu sehr an Life after Beth erinnert – bedingt durch die Prämisse einer von einem Bus überfahrenen Frau (Ashley Greene), die als Zombie wiederkehrt und erneut ihren genervten Freund (Anton Yelchin) heimsucht. Der die Tote eigentlich gar nicht vermisst und viel lieber bei einem horroraffinen Feger (Alexandra Daddario) landen würde.

Weg mit der Ex ist eine RomCom durch die Horrorbrille, die aber anders als zum Beispiel The Voices immer schön in ihrem gesteckten Rahmen bleibt. Das Setting des Films ist eng begrenzt und endet bei einer klassischen Dreiecksgeschichte, deren Drive durch forcierte Situationen und eine, ähem, leicht angestaubte Rollenverteilung nie wirklich zünden kann. Irgendwie fällt es tatsächlich aus der Zeit, wenn sich zwei heiße Mädels über einen Nerd beharken und dazu dann sanfter Rübe-ab-Splatter mit Retro-Fusseln serviert wird. Diese Art von Horror ist einfach zu wenig böse und fühlt sich immer an wie im Rückwärtsgang. Statt frischen Ideen oder, Gott bewahre, pieksigen Wutstacheln begnügt man sich mit der Durchmischung bewährter Genrekarten.

Was sich wahrscheinlich schlimmer liest als es wirklich ist, denn Joe Dante ist immer noch eigenständig genug, um seinen spitzbübischen Nerd-Charme durchscheinen zu lassen, unter anderem mit allerlei Filmzitaten und Dick Miller. Man kann das nur schwer beschreiben, was Joe Dante ausmacht, aber auf jeden Fall hat es mit grausigen Ereignissen zu tun, die einen pulpigen Twilight Zone-Anstrich bekommen und dadurch eine makabre Nettigkeit erhalten. Weg mit der Ex gehört eigentlich in einen der alten Röhrenfernseher, die bei Joe Dante oft herumstehen und Szenen angestaubter Genreklassiker zeigen. Für das moderne Horrorpublikum mag das deutlich zu wenig sein, aber bei dem Freak, der vieles, was heutzutage in Mediabooks herauskommt, noch im Kino gesehen hat, kann der Film durchaus einen Nerv treffen.

Sofern man eben die deutlichen Grenzen akzeptiert, sowohl was die Geschichte als auch das Budget angeht. Die Schauspieler gehen in Ordnung, wobei es wie gesagt Schwierigkeiten bereitet, Anton Yelchin als Objekt heißer weiblicher Begierde zu schlucken, und die Inszenierung, allen voran Jonathan Halls wenig aufregende Bilder, zeigt vor allem Durchschnitt. Joe Dante bleibt sich treu, was seine Themen und ihre Handhabung angeht, doch ansonsten fehlt einfach die Größe und der frühere Zunder, auch bezogen auf das irgendwann ausdünnende Drehbuch. Weg mit der Ex reicht für einen netten Heimkino-Abend – was in diesem Fall einen Tick mehr Warnung als Kompliment bedeutet.

Weg mit der Ex

Joe Dante hat wahrscheinlich bis ins Grab einen dicken Stein im Brett jedes Horrorfans, der selbst halbherzige Horrorkomödien wie „Weg mit der Ex“ wegstecken kann. Die einstigen Großtaten des Mannes werfen mächtige Schatten auf die versprengten Regiearbeiten der letzten Jahre, die weder besonders erfolgreich waren noch allzu viel gekostet haben.
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