Bad Lieutenant

Bad Lieutenant

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Der Untergang eines Cops

Fiebrig, speckig, schwitzend, high – so taumelt Harvey Keitel durch diesen urbanen Alptraum. Leichte Kost ist etwas anderes, doch wer Bad Lieutenant erlebt — unbeteiligtes Ansehen geht fast nicht — wird mit einer harten, furchtbar deprimierenden Psychostudie „belohnt“.
Der „Bad Lieutenant“ hat keinen Namen und ist ein einziges Wrack. Verbrechensopfer interessieren ihn und seine Kollegen kaum oder gar nicht.Sportwetten sind das so ziemlich das Einzige, was noch Emotionen wach rufen kann. So bleibt der Blick des Lieutenants auch erstmal auf der Brust einer Toten haften, bevor er sich zu seinen Kollegen gesellt und Sportwetten annimmt. Einmal kommt der Lieutenant genervt und verkatert zu einem Tatort. Jemand steckt ihm, dass auf der Rückbank des Autos der Opfer Koks liegt. Sofort ist unser Antiheld hellwach, muss den Wagen untersuchen. Der Lieutenant sinkt immer tiefer, raucht erst Crack, dann Heroin und schließlich spritzt er sich das Zeug auch noch. Dazwischen immer Koks, immer die Flasche mit Schnaps. Parallel verschuldet er sich immer mehr bei missglückten Wetten. Ein Spiel verloren? Egal. Alles oder nichts aufs nächste Spiel. Irgendwann ist das Maß voll und der Lieutenant steht mit zig Tausenden in der Kreide. Da werden 50.000 Kopfgeld auf die Vergewaltiger einer Nonne ausgesetzt. Die letzte Chance für den „Bad Lieutenant“, aus seiner Misere rauszukommen…

Bad Lieutenant hat ein halbes Dutzend „Movie Moments“. Momente, an die man sich erinnert, Momente die bewegen und schockieren. Sei es Harvey Keitels nackter Tanz mit ausgebreiteten Armen, in den er all seinen Schmerz legt, die zu einem Musikvideo hochstilisierte Vergewaltigungsszene auf dem Altar in der Kirche, die Jesus-Vision des Lieutenants in selbiger, in der er um Vergebung für seine Taten fleht, nur noch fähig, tierische Geräusche von sich zu geben, weil er einfach am Ende ist. Oder seine beiläufige Liquidierung, die lapidar aus sicherer Entfernung gezeigt wird.

Darstellerisch ist Bad Lieutenant ganz großes Kino. Harvey Keitel war nie wieder so gut. Der Mann präsentiert sich so kaputt, nihilistisch und am Ende, dass es einem wehtut. Aber auch die Nebendarsteller können bestehen. Die beiden Mädchen, die der Lieutenant im Auto ihres Vaters anhält und zum simulierten Oralverkehr zwingt, liefern eine Glanzleistung ab. Die vergewaltigte Nonne zum Beispiel, die ihren Schändern vergeben hat und damit den Lieutenant vor den Kopf stößt, überzeugt mit ihrem zurückhaltenden Spiel.

Technisch allerdings ist Bad Lieutenant nicht so prall geraten. Crew und Micro sind gerne im Bild (was natürlich auch an den fehlenden schwarzen Balken der DVD-Edition liegt), Anschlussfehler gibt es zur Genüge und manch ein Darsteller weiß nicht so recht, was er gerade tun soll, wenn ein anderer redet. Doch Authentizität hatte beim Dreh Vorrang und so ist Bad Lieutenant nicht nur großes Schauspielerkino, sondern auch eine krasse Milieustudie über das Amerika der frühen 1990er.

Bild und Ton haben unteres Videotape-Niveau, was dem Charakter des Films jedoch nur zuträglich ist. Infos über die Dreharbeiten oder zum Film währen aber schön gewesen. Bonusmaterial gibt es nämlich kaum.

Bad Lieutenant

Fiebrig, speckig, schwitzend, high – so taumelt Harvey Keitel durch diesen urbanen Alptraum. Leichte Kost ist etwas anderes, doch wer „Bad Lieutenant“ erlebt — unbeteiligtes Ansehen geht fast nicht — wird mit einer harten, furchtbar deprimierenden Psychostudie „belohnt“.
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