Zu den Sternen (2019)

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Zwei alte Freunde begegnen sich nach Jahrzehnten wieder, doch ihr Aufeinandertreffen läuft anders als erwartet. Plötzlich geht es um Leben und Tod.

Zu den Sternen (2019)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Kammerspiel mit Kosmonauten

In jungen Jahren griffen sie mit ihrer Rockband nach den Sternen. Dann trennten sich ihre Wege tragisch. Der eine hat es geschafft, ist nach einem Wechsel zur Schlagermusik tatsächlich ein Star geworden, der andere ist an der Vergangenheit zerbrochen. Jetzt treffen sie sich wieder: eine Konfrontation, von Nicolai Tegeler sehenswert in Szene gesetzt.

Tegeler entstammt einer Schauspielerfamilie und ist inzwischen selbst auf der Theaterbühne und vor der Fernseh- und Filmkamera zu Hause. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, gibt der 1978 geborene Berliner mit Vorliebe kabarettistische Stücke, vor der Filmkamera dürfen es gern auch kostengünstig produzierter Horror oder Science-Fiction sein. Sein Langfilm-Regiedebüt schlägt hingegen ernste Töne an.

Es geht um weit in der Vergangenheit liegende Fehler, deren Folgen bis in die Gegenwart reichen, um persönliche Eitelkeiten und Kränkungen, die jeder in der Rückschau anders empfinden mag und um die Verbrechen eines Staats, über die es nur ein Urteil geben kann. Losgetreten wird diese Vergangenheitsbewältigung durch einen Brief, der den Schlagersänger Marco Hoffmann (Günter Barton) nach einem Auftritt ins Musikgeschäft seines ehemaligen Weggefährten Volker „Wolle“ Hinze (Florian Martens) führt.

Hoffmann klingt auf der Bühne ein wenig wie Udo Jürgens und begreift sich wie dieser als Chansonnier und nicht als Schlagerbarde, doch um den musikalischen Ausverkauf, den Wolle Marco vorwirft, geht es in ihrem Gespräch nur am Rande. Das Treffen der zwei Musiker, die vor der Wende in der DDR-Rockband Die Kosmonauten spielten, ist kein bierseliger Plausch unter alten Bekannten. Zwischen Gitarren, Keyboards und Drumsets bezichtigt Wolle Marco, ihn als Inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit ausspioniert zu haben. Um ein Geständnis aus Marco herauszubekommen, greift Wolle alsbald zu rabiaten Mitteln, wodurch die Ausgangslage und ihre Fortentwicklung ein wenig an Ariel Dorfmans Theaterstück Der Tod und das Mädchen und dessen Verfilmung durch Roman Polanski erinnern.

Tegeler, der den Film mit seiner eigenen Produktionsfirma und in Co-Produktion mit zwei weiteren Firmen von am Film beteiligten Crewmitgliedern produziert hat, hatte offensichtlich kein großes Budget zur Verfügung. Daraus holt er allerdings beinahe das Maximum heraus. Kameramann Benjamin Thiemert leuchtet die wenigen Sets stimmungsvoll aus. Dirk Josczoks Drehbuch enthüllt die dunkle Vergangenheit sukzessive und organisch und lässt ein eindeutiges Urteil über die handelnden Personen bis über das Filmende hinaus nicht zu.

Günter Barton und Florian Martens nimmt man die ehemaligen Weggefährten ab, auch wenn Barton gegenüber Martens deutlich abfällt und stets etwas zu viel Emphase in die dramatischen Szenen legt. Auch Bojan Assenovs Musik hätte in diesen entscheidenden Momenten nicht ganz so dick auftragen müssen. Alles in allem ist Tegeler aber ein durchaus sehenswertes Kammerspiel gelungen, das die Fragen nach Schuld und Unschuld in einem Unrechtssystem auf der zwischenmenschlichen Ebene verhandelt.

Zu den Sternen (2019)

Jahrzehnte nach dem Mauerfall ist Schlager-Sänger Marco Hoffmann auf dem Gipfel seiner Popularität angelangt. Da wird der Ex-Frontmann der DDR-Rock-Combo DIE KOSMONAUTEN plötzlich von seinem ehemaligen Band-Kollegen Volker Hinze bezichtigt, jener „IM Sänger“ zu sein, der ihn damals an die Stasi verraten hat. Das konspirative Treffen der einstigen „Blutsbrüder“ wird zu einer Auseinandersetzung auf Leben und Tod. (Quelle: Croco Film)

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